Geschichten aus der WM-QualifikationVon kleinen und großen Siegern

Lesezeit: 3 Min.

Ich tu dir nichts – oder doch? Islands Kristian Hlynsson hat gegen Frankreich (vorne Michael Olise) immerhin den Ausgleich zum 2:2 erzielt.
Ich tu dir nichts – oder doch? Islands Kristian Hlynsson hat gegen Frankreich (vorne Michael Olise) immerhin den Ausgleich zum 2:2 erzielt. (Foto: Benoit Tessier/Reuters)
  • Island erinnert mit einem überraschenden 2:2 gegen Frankreich an seine große Zeit und kann noch die WM-Playoffs erreichen.
  • Kap Verde qualifiziert sich erstmals für eine WM-Endrunde und ist nach jetzigem Stand der zweitkleinste WM-Teilnehmer der Geschichte.
  • Kosovo besiegt Schweden 1:0 durch ein Tor von Fisnik Asllani und hat realistische Chancen auf die erste WM-Qualifikation.
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Islands Nationalteam erinnert gegen Frankreich an seine erfolgreiche Zeit, Kap Verde gelingt ein Sprung von historischer Dimension – und auch die stolzen Schweden lassen sich von einem Kleinen ärgern.

Von SZ-Autoren

Jetzt, da sich so viele kleine Nationen für die Weltmeisterschaft qualifizieren, hatte man die kleinste fast schon wieder vergessen. Das liegt auch daran, dass Island auf der Landkarte so mächtig aussieht, auf der großen Insel gibt es zwar viel Vulkangestein, Eis und niedliche Papageientaucher, aber nicht so viele Menschen. 400 000 leben dort, die allermeisten in der Hauptstadt Reykjavik, das sind etwas mehr als in Bochum und etwas weniger als in Duisburg. Am Montag erinnerte Island mal wieder an die große Zeit zwischen 2016 und 2018, als Island England aus der EM warf und der Torwart mit dem sprechenden Namen Halldorsson bei der WM in Russland einen Elfmeter von Lionel Messi parierte.

Das überraschende 2:2 in der WM-Qualifikation gegen ein ohne Kylian Mbappé (Knöchel) übers Eismeer gereistes Frankreich wahrt die erneute Qualifikationschance, Island kann in den beiden verbleibenden Partien gegen Aserbaidschan und die Ukraine noch realistischerweise Rang zwei und damit einen Platz in den Playoffs erreichen. Zumal Frankreich im kommenden Spiel gegen die Ukraine sein eigenes WM-Ticket sichern kann. Island steht dabei durchaus unter Druck, denn Färöer kann ebenfalls noch die WM-Playoffs erreichen, wenn auch deren Aufgabe in Kroatien ungleich schwieriger ist. Aber daran sieht man: Selbst Islands Status als Fußballland Nummer eins unter den bevölkerungsarmen Nordmeerinseln ist nicht mehr so sicher, wie er mal war. Martin Schneider

Sie sind so frei – und das seit 1975

Trainer von Kap Verde: Pedro Brito.
Trainer von Kap Verde: Pedro Brito. (Foto: Amada Masaru/Shengolpixs/Imago)

Es gibt vielleicht kein Bier auf Hawaii; auf Kap Verde hingegen schon. Pedro Brito, in der Fußballbranche „Bubista“ genannt, konnte am Montag ein Lied davon singen, denn er roch danach. Seine Spieler hatten erst Eswatini deutlich besiegt (3:0), die Qualifikation für die WM 2026 gesichert und auf dem Rasen des Estádio Nacional von Praia Tränen der Freude vergossen. Dann stürmten sie die Pressekonferenz – bewaffnet mit allen möglichen Getränken, auch mit Bier. Es litten ein paar Mikrofone und Telefone, die von Journalisten vor „Bubista“ aufgestellt worden waren. Doch was machte das schon in der Stunde nationalen Glücks? Eben.

Bubista sah in der erstmaligen WM-Qualifikation seiner Heimat einen Sprung von historischer Dimension: „Das ist auch ein Sieg all der Kombattanten, die für unsere Freiheit gekämpft haben“, sagte der 55-Jährige. Allzu lange ist es ja nicht her, dass Kap Verde die Unabhängigkeit erlangte, es geschah im Jahre 1975, nachdem die Nelkenrevolution in der vormaligen Kolonialmacht Portugal die von Salazar errichtete Diktatur weggefegt hatte. „Wir sind nun ein Land, das die ganze Welt kennt“, sagte Bubista. Er hätte auch sagen können: das Land, das in der Afrika-Gruppe D den Zweitplatzierten Kamerun vier Punkte hinter sich ließ.

Kap Verde ist – nach jetzigem Stand – hinter Island der zweitkleinste WM-Teilnehmer der Geschichte; nach Fläche sogar der kleinste überhaupt. Es ist auch nicht gerade ein begütertes Land: Die Eintrittskarten kosteten am Montag umgerechnet zwischen einem und fünf Euro. Das ist weit von den Mondpreisen entfernt, die der Weltverband Fifa für die WM aufruft. Javier Cáceres

Siegtreffer zum kleinen Preis

Hat (noch) keine schwindelerregenden Ablösesummen gekostet, trifft aber trotzdem: Fisnik Asllani.
Hat (noch) keine schwindelerregenden Ablösesummen gekostet, trifft aber trotzdem: Fisnik Asllani. (Foto: Adam Ihse/TT/Imago)

Da standen sie also, drei Stürmer auf einem Fußballfeld in Göteborg. Und nur einer war der große Sieger. Victor Gyökeres, 27, und Alexander Isak, 26, haben in ihren Karrieren Großes erreicht und im vergangenen Sommer Geschichte geschrieben mit ihren jeweiligen Ablösesummen. Knapp 210 Millionen Euro zahlten der FC Arsenal und der FC Liverpool für die zwei Schweden, die am Montagabend einmal mehr eine Lektion bekamen in Sachen Erwartung, die mit solchen Summen verbunden ist. Laute Pfiffe nämlich waren zu hören, in Göteborg, weil beide im Dienste der schwedischen Nationalmannschaft erneut enttäuscht hatten.

Die stolzen Schweden liegen am Boden, mit nur einem Punkt bleibt ihnen bloß die Hoffnung, sich über das Hintertürchen Nations League für die WM-Playoffs zu qualifizieren – dann allerdings ohne Trainer Jon Dahl Tomasson, der am Dienstag entlassen wurde.

Die Krise der Schweden setzte sich allerdings auch deshalb fort, weil auf der anderen Seite einer als Held bereitstand, für den bislang keine schwindelerregenden Ablösesummen bezahlt wurden. Das könnte sich jedoch bald ändern.

Der zuletzt zweitbeste Scorer der zweiten Fußball-Bundesliga, Fisnik Asllani, entschied nämlich für Kosovo das Auswärtsspiel in Schweden mit seinem Tor zum 1:0. Eine weiterhin realistische Chance haben die Kosovaren deshalb, sich erstmals für eine WM-Endrunde zu qualifizieren, und das hat einiges mit Asllani zu tun: Der trifft inzwischen nicht nur in der Bundesliga für die TSG Hoffenheim, sondern nun auch für seine Wahlheimat, für die er sich auch gegen den DFB entschied. Sein Nationaltrainer Franco Foda wird es ihm danken. Felix Haselsteiner

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