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Irland gegen Deutschland:"Dramatischer 1:1-Sieg"

Germany v Republic of Ireland - EURO 2016 Qualifier

Grün jubelt, Weiß schaut verdutzt: John O'Shea (links) erzielt den späten Ausgleich.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die irischen Medien glorifizieren ihre Mannschaft nach dem überraschenden Unentschieden gegen Deutschland. Die Spieler feiern das 1:1 wie einen WM-Titel. Und lassen den Weltmeister perplex zurück.

Stephen Ward sprang dem Torschützen John O'Shea in die Arme, David Meyler reckte beide Fäuste in die Luft. Und die Fans? Sie hörten plötzlich auf zu singen. Stattdessen hüpften sie, schrien laut, küssten sich. In der 94. Minute gelang Irland, Platz 62 in der Fifa-Weltrangliste, tatsächlich der Ausgleich gegen eine überlegene DFB-Elf. Das musste gefeiert werden, und zwar so intensiv wie ein Triumph im WM-Finale. Auch wenn es nur ein Spiel der EM-Qualifikation war.

"Well", sagte Irlands Trainer Martin O'Neill, nachdem er alle Spieler, Ersatzspieler und Betreuer geherzt hatte. "Dieser Punktgewinn ist großartig. Die Mannschaft hat nie aufgegeben und unglaubliche Anstrengungen unternommen."

Die Analyse von O'Neill war etwas unpräzise, aber durchaus treffend. Denn es waren nicht technische Raffinessen, genaue Pässe oder blitzartig ausgeführte Konter, die Irland einen Punkt im Spiel gegen den Weltmeister sicherten, sondern es war die Einstellung seines Teams.

An diesem Abend in Gelsenkirchen trafen nicht zwei ebenbürtige Mannschaften aufeinander, sondern es duellierten sich Siegessichere mit Kämpfern, Ungeduldige mit Hartnäckigen. Es war alles andere als eine gewöhnliche Fußballpartie.

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Die DFB-Elf dominierte, sie hatte mehr Ballbesitz, sie zeigte einen Angriff nach dem anderen. Die irische Mannschaft stellte sich hinten rein - und machte dies sehr gut. Sie ließ sich nicht einschüchtern, sie rannte und sie kämpfte, wenn auch manchmal ein wenig zu rabiat. Sie hatte wenig Mühe, dem Weltmeister den Schwung zu nehmen, aber die Elf hatte lange keine einzige Torchance.

Als Toni Kroos in der 71. Minute mit einem Schuss, so präzise wie der Handgriff eines Chirurgen, den Favoriten doch noch in Führung brachte, hielten die meisten die Partie für entschieden. Nicht jedoch die elf Spieler im irischen Nationaltrikot.