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Spitzensportler in Iran:"Wir sind nur Werkzeuge"

(140820) -- NANJING, Aug. 20, 2014 -- Kimia Alizadeh Zenoorin of Iran celebrates with holding her national flag after w

Taekwondo-Kämpferin Kimia Alizadeh holte Irans erste Olympia-Medaille.

(Foto: imago)
  • Von Schachspieler Firouzja bis Taekwondo-Kämpferin Alizadeh: Immer mehr iranische Spitzensportler verlassen ihr Land.
  • Die Machthaber in Teheran verfolgen diese Entwicklung mit großer Sorge; der Sport ist für sie gemeinhin eine willkommene Gelegenheit für eine erfolgreiche internationale Selbstdarstellung.
  • Zugleich setzt auch die Protestbewegung auf Unterstützung durch die Spitzensportler.

Erst 16 Jahre alt ist Alireza Firouzja, aber die Schachszene versetzt er im Moment in große Aufregung. Kontinuierlich schiebt sich der Teenager aus der nordiranischen Stadt Babol in der Weltrangliste nach vorne, bei der Schnellschach-WM im Dezember holte er den zweiten Platz hinter Magnus Carlsen, und aktuell weiß er beim prestigeträchtigen Jahresauftakt-Turnier in Wijk aan Zee zu überzeugen: Zwei Siege gelangen ihm in den ersten vier Partien.

Aber es ist nicht nur die sportliche Komponente, deretwegen Firouzja gerade so in den Fokus gerät - sondern auch die politische. Denn der Mann aus Iran tritt nicht mehr für Iran an. Im Dezember sagte er sich vom nationalen Verband los, seitdem startet er unter der neutralen Flagge des Schach-Weltverbandes Fide. Mit seinem Vater wohnt er inzwischen in Frankreich. Der Grund: Firouzja wollte sich nicht mehr damit abfinden, dass ihm die Staatsräson des Mullah-Regimes Aufeinandertreffen mit israelischen Spielern untersagt.

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Die Taekwondo-Kämpferin Kimia Alisadeh teilte auf Instagram mit, sie sei eine von Millionen unterdrückter Frauen. Darum habe sie das Land verlassen.

Alireza Firouzja ist dabei kein Einzelfall. Diverse Akteure des iranischen Spitzensports verlassen derzeit das Land, weil sie sich von der Politik des Regimes distanzieren wollen, weil sie nicht genügend Unterstützung bekommen oder weil sie Restriktionen befürchten. Diese Entwicklung begann schon vor geraumer Zeit, intensiviert sich nun aber noch einmal angesichts der zugespitzten politischen Lage, der Eskalation des Konflikts mit den USA und des Wiederaufkeimens der Protestbewegung.

Taekwondo-Kämpferin Kimia Alizadeh hinterlässt eine bittere Anklage

Der Judo-Weltmeister Saeid Mollaei etwa beantragte im Herbst in Deutschland Asyl und besitzt inzwischen einen mongolischen Pass. Der Fußballschiedsrichter Alireza Faghani, der schon mehrfach als bester Unparteiischer Asiens ausgezeichnet wurde, migrierte nach Australien. Seine Schach-Kollegin Shohreh Bayat traut sich nach ihrem Einsatz als Chefoffizielle bei der Frauen-WM in China nicht mehr, nach Iran zurückzukehren: Sie trug dabei die für iranische Vertreterinnen vorgeschriebene Kopfbedeckung erst zu lässig und dann gar nicht mehr - und erhielt Drohungen. Und zu Wochenbeginn setzte sich die Taekwondo-Kämpferin Kimia Alizadeh in die Niederlande ab.

Die 21-Jährige genießt in Iran einen besonderen Status, weil sie bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 als erste Sportlerin in der Geschichte Irans eine olympische Medaille gewinnen konnte: Bronze in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm. Das Regime schmückte sich danach gerne mit ihr. Aber nun floh Alizadeh und hinterließ eine bittere Anklage.

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