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Olympia:IOC löscht Tweet mit umstrittenem Film

Sitz des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne.

(Foto: AFP)

Nach Protesten entschuldigt sich das Internationale Olympische Komitee für ein auf Twitter veröffentlichtes Video über die Spiele von 1936 in Berlin.

Das Internationale Olympische Komitee hat eine Twitter-Nachricht mit einem Film über die Spiele von 1936 in Berlin gelöscht. "Wir entschuldigen uns bei denen, die sich durch den Film der Olympischen Spiele in Berlin 1936 beleidigt fühlen", schrieb das IOC auf seinem offiziellen Twitter-Kanal.

In dem Film waren neben der olympischen Flamme auch Aufnahmen von Jesse Owens, der in Berlin vier Mal Gold gewann, und Luz Long zu sehen. Owens habe dem NS-Regime eine "durchschlagende Lektion erteilt und die "verabscheuungswürdigen faschistischen Behauptungen der Rassenüberlegenheit" zerschmettert, schrieb das IOC.

Der blonde Deutsche Long und der schwarze Amerikaner Owens lieferten sich im Weitsprungfinale nicht nur ein episches Duell. Sie reichten sich auch die Hand - für das NS-Regime ein Bild des Grauens. "Die Geschichte von Jesse Owens und Luz Long stellt einen ikonischen, historischen Moment dar, in dem der Geist der Brüderlichkeit auf höchstem Niveau demonstriert wurde", hieß es in einem der IOC-Statements.

Aus Reaktionen in den sozialen Medien gehe hervor, dass der Film nicht so wahrgenommen wurde, schrieb das IOC. Die Bilder seien jedoch ausgewählt worden, um ein Jahr vor den Spielen in Japan eine Botschaft der Einheit und Solidarität zu vermitteln. "Diejenigen für die Olympischen Spiele Berlin 1936 wurden speziell für diesen Zweck ausgewählt, NICHT um diese Ausgabe der Spiele zu feiern", schrieb das IOC.

Auch das Museum im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau hatte reagiert. "Zwei Wochen lang hat die Nazi-Diktatur ihren rassistischen, militaristischen Charakter getarnt", hieß es dazu in einer verifizierten Nachricht des Auschwitz-Museums. "Es nutzte die Spiele, um ausländische Zuschauer mit einem Bild eines friedlichen, toleranten Deutschlands zu beeindrucken."

© SZ.de/dpa/kit/hij

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