Investoren im Fußball:Lex Volkswagen

VfL Wolfsburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Zwei Klubs, ein gemeinsamer Geldgeber: der FC Bayern und der VfL Wolfsburg profitieren vom VW-Konzern

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Bundesliga verschärft die Kriterien für den Einstieg von Investoren. Bei VW macht die DFL aber eine Ausnahme. Mit jemandem, der so viel Geld in die Branche bringt, wollen es sich viele nicht verscherzen.

Ein Kommentar von Johannes Aumüller

Als hätte die Transfer-Gerüchteküche der Fußball-Welt beweisen wollen, dass sie neben vielen Unwahrheiten, Übertreibungen und Falschmeldungen auch zu manchen seriösen Themen einen Beitrag leisten kann, hat sie passend zur Tagung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Donnerstag noch einen netten Personalvorschlag präsentiert.

Um den Belgier Kevin De Bruyne ging es mal wieder, und diesmal spekulierte die Transfer-Gerüchteküche also über einen möglichen Wechsel des Mittelfeldmannes vom VfL Wolfsburg zum FC Bayern. Oder, um es etwas anders zu formulieren: über den Wechsel eines Spielers von einem Klub, der dem Autohersteller VW zu 100 Prozent gehört, zu einem Klub, an dem die VW-Tochter Audi 8,33 Prozent der Anteile hält.

Ein Investor, ein Verein

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat das Interesse zwar dementiert, aber solche Konstellationen lenken den Blick auf den Kern des Problems, wenn ein Investor Anteile an mehreren Fußballklubs hält. Wer weiß schon wirklich, welchen Einfluss so ein Investor im Zweifel hat, wenn sich seine Klubs für den gleichen Profi interessieren, wenn sie in den Gremien über eine angemessene Ablösesumme beratschlagen sollen oder wenn sie sich gar in einem entscheidenden Spiel gegenüberstehen?

Im Grundsatz müsste dem deutschen Fußball daran gelegen sein, allein den Anschein jeglicher Mauschelei-Möglichkeit zu vermeiden. Das würde bedeuten: ein Investor, ein Verein. Aber um Grundsätze ging es bei der DFL-Entscheidung an diesem Donnerstag weniger, sondern vor allem um Macht und Einfluss. Und so hat sich die DFL eine nicht ganz einfache Regelung ausgedacht, an deren Ende vor allem ein Signal steht: Der Volkswagen-Konzern darf sich weiterhin in gleichem Umfang engagieren wie bisher. Er darf weiterhin 100 Prozent der Anteile beim VfL Wolfsburg halten, über Audi 8,33 Prozent beim FC Bayern sowie über die Audi Quattro GmbH 19,94 Prozent beim Zweitliga-Tabellenführer FC Ingolstadt.

Der deutsche Fußball nimmt also in Kauf, dass in der nächsten Saison drei VW-Klubs in der ersten Liga spielen könnten - und dass sich die Zahl der Spiele und Fälle, in denen sich Fragen stellen, häufen könnte.

Von VW profitiert fast die gesamte Liga

Bei vielen aus der Liga mag der Widerstand auch deswegen nicht größer gewesen sein, weil nicht nur die drei Klubs aus Wolfsburg, München und Ingolstadt vom Volkswagen-Konzern profitieren, sondern auch viele andere. Bei mehr als einem Dutzend Vereine ist der Autobauer Sponsor, seit der Saison 2012/13 ist er Partner im DFB-Pokal. Mit jemandem, der so viel Geld in die Branche bringt, wollen es sich viele nicht verscherzen.

Andererseits aber sagt die Regelung immerhin auch, dass der VW-Konzern seinen Einfluss zumindest auf dem Gebiet der Beteiligungen nicht weiter ausbauen kann: Die Beteiligung an einem vierten deutschen Profiklub - in den vergangenen Monaten immer wieder mal Thema in der Investoren-Gerüchteküche - ist künftig ausgeschlossen.

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