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Interview mit Ronny Kockel:Per Gesetz aus dem Tor vertrieben

Der iranische Fußballverband verbietet es Ronny Kockel, weiterhin in der ersten Liga das Tor zu hüten.

Frank Ketterer

SZ: Herr Kockel, Ihr Urlaub ist mit einer bösen Überraschung zu Ende gegangen. Warum?

Per Gesetz vor die Tür gesetzt: Torwart Ronny Kockel.

(Foto: Foto: imago)

Kockel: Während meines Urlaubs hat der iranische Fußballverband ein Gesetz verabschiedet, das es ausländischen Torhütern ab sofort verbietet, in der ersten iranischen Liga das Tor zu hüten.

SZ: Man hat Sie per Gesetz einfach vor die Tür gesetzt?

Kockel: Ja, so muss man das wohl sehen. Paykan Teheran, der Verein, für den ich seit Dezember spiele, hat mir während meines Urlaubs mitgeteilt, dass er mich jetzt nicht mehr einsetzen darf.

SZ: Was ist der Grund für dieses Gesetz?

Kockel: Angeblich sollen die eigenen Torhüter mehr Spielpraxis erhalten und so gefördert werden.

SZ: Spielen denn so viele ausländische Torhüter im Iran?

Kockel: Nicht, dass ich wüsste. Mir bekannt sind nur zwei weitere Torhüter aus dem Ausland - ein Senegalese und ein Bosnier. Bei 18 Vereinen ist das nicht sonderlich viel. Deshalb kann ich das Gesetz auch nicht so ganz nachvollziehen.

SZ: Und was ist mit Ihrem Vertrag? Ist der durch das neue Gesetz einfach ungültig geworden?

Kockel: Nein. Bestehende Verträge sind vom neuen Gesetz angeblich nicht tangiert. Mein Problem aber war, dass mein Vertrag ausgelaufen war und ich die Verlängerung, die mir der Verein angeboten hat, noch nicht unterschrieben hatte, auch weil mir bessere Angebote anderer iranischer Vereine vorlagen. Das wollten wir alles nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub klären - aber da war es plötzlich zu spät.

SZ: Dumm gelaufen.

Kockel: Ja. Das kann man wohl sagen. In diesen Ländern können sich die Dinge sehr schnell ändern.

Auf der nächsten Seite: Warum sich Kockel die zweite Liga nicht antun wollte.

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