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Bernd Hoffmann:"Als ich kam, war unser Aushängeschild der Masseur"

Bernd Hoffmann, Vorstandschef des Hamburger SV, über die umstrittene Kooperation mit einem Finanz-Investor, die Kritiker an seiner Machtfülle und den strukturellen Abstand zum FC Bayern.

Jörg Marwedel

SZ: Herr Hoffmann, wie war die Atmosphäre neulich bei der jüngsten Informations-Veranstaltung für Mitglieder? Besser als im Juli, als Sie und der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker mächtig um die Ohren bekamen?

Hamburg Soiree

Seit sieben Jahren Vorstandsvorsitzender des HSV: Bernd Hoffmann, 47.

(Foto: dpa)

Bernd Hoffmann: Die Situation hatte sich beruhigt. Es ist natürlich eine andere Situation, ob Sie auf der Basis großer sportlicher Enttäuschung ein kontroverses Thema wie den Kühne-Vertrag diskutieren oder auf der Basis von zwei Siegen zum Saisonauftakt. In der vergangenen Saison sind wir ja als Adler gestartet und als Suppenhuhn gelandet.

SZ: Wie werden Sie künftig mit einem Investorenmodell wie dem von Klaus-Michael Kühne umgehen?

Hoffmann: Sachlich bewertend. Das Modell ist weder eine geniale Idee noch ist es Teufelswerk. Für die Bedürfnisse des HSV und die Finanzierungsmöglichkeiten des HSV ist es aber ein pfiffiges Konzept, um eine Saison ohne Europacup-Einnahmen ohne sportlichen Substanzverlust zu überstehen. Wir haben die Qualität des Teams sogar erhöht...

SZ: ... was Herr Kühne aber nicht so sieht, wie er öffentlich mitteilte...

Hoffmann: ...ohne im Geringsten Unabhängigkeit abzugeben. Auch nicht bei den sportlichen Entscheidungen.

SZ: Haben Sie den Eindruck, dass die HSV-Mitglieder das Modell nun nicht mehr als Teufelswerk sehen?

Hoffmann: Ich nehme die Kritik sehr ernst, ich nehme aber auch ernst, dass die HSV-Anhänger von uns erwarten, dass wir im sportlichen Wettbewerb mit dem FC Bayern, Werder Bremen oder dem VfL Wolfsburg bestehen.

SZ: Kann es sein, dass Sie wie Felix Magath auf Schalke die Leute nicht genügend mitgenommen haben? Es gibt nicht wenige Menschen, die sich am extremen Kommerz im Fußball stören.

Hoffmann: Wir müssen abwägen zwischen dem gewünschten Maß an Transparenz und dem Risiko, dass durch die vorzeitige Veröffentlichung von Vertragsdetails eine solche Vereinbarung gefährdet wird. Dieser Vertrag ist nach intensiver Abwägung gut für den HSV.

SZ: Bei der Vorstellung von Anstoß³ haben Sie 2008 gesagt, dieses Konzept könne dem HSV genau jene Spitzenspieler bringen, die er sich sonst nicht leisten könne. Sie haben nun Westermann, Kacar oder Drobny geholt, aber bei van der Vaart, der Real verlassen musste, waren Sie nur halb im Boot.

Hoffmann: Der Investoren-Vertrag gibt uns die Handlungsfähigkeit, die wir ohne ihn in diesem Jahr nicht gehabt hätten. Etwa für die Verpflichtung von Spielern wie Heiko Westermann als Ersatz für Jerôme Boateng. Und wir mussten nicht nachgeben bei Angeboten, zum Beispiel für Eljero Elia.

SZ: Der ehemalige Präsident Wolfgang Klein sagt, das Geld aus dem Vertrag sei nur ein Kredit.

Hoffmann: Herr Klein vergisst dabei, dass es keine Bank gibt, die nicht auf die Rückzahlung des Geldes bestehen würde. Das ist in diesem Fall keineswegs gewährleistet. Die wirtschaftliche Bewertung des Modells wird man erst abschließend treffen können, wenn die Spieler, an denen Herr Kühne verdienen könnte, den Verein verlassen haben.

SZ: Herr Kühne hat dem Magazin Der Spiegel gesagt, er könne sich vorstellen, noch mehr Geld zu geben. Würden Sie nach diesen Diskussionen noch Geld von ihm nehmen?

Hoffmann: Wir sind offen dafür, wieder eine Vereinbarung mit Herrn Kühne oder anderen Investoren einzugehen. Aber wir werden das auf Basis der Erfahrung mit diesem Vertrag bewerten.

SZ: Hätte Herr Kühne denn für eine Rückholaktion seines Lieblingsspielers Rafael van der Vaart etwas getan?

Hoffmann: Diese Frage stellte sich doch bis zum vergangenen Sonntag gar nicht, als van der Vaart auf Mallorca nicht im Kader von Real Madrid stand. Es ist unrealistisch zu glauben, ein Verein wie der HSV könnte einen Transfer mit einem Volumen von über 40 Millionen Euro mit Gehalt und Ablöse innerhalb eines Werktages abwickeln.

SZ: Unabhängig davon werden Sie sich wahnsinnig geärgert haben über Kühnes negative öffentliche Äußerungen zu den neuen HSV-Spielern.

Hoffmann: Es ist schade, dass er damit Gegnern einer solchen Vereinbarung Munition geliefert hat. Das waren Äußerungen eines Fans, die jedem Fan zustehen. In seiner Rolle als Investor ist da aber mehr Zurückhaltung geboten. Das sieht Herr Kühne mittlerweile auch so.

SZ: Neulich saßen Sie bei der "Hamburg Soiree" mit zwei Zurückgetreten in einer Diskussionsrunde: dem gerade ausgestiegenen Bürgermeister Ole von Beust und dem bisherigen Präsidenten des FC St. Pauli, Corny Littmann. Ist die Gefahr groß, dass Sie es bald auch so machen, also zurücktreten, weil es stets großen Gegenwind für Ihr Handeln gibt?

Hoffmann: Ich bin jemand, der mit seinem Optimismus ein halbgefülltes Glas immer als halbvoll betrachtet. Aber in öffentlichen Bereichen wie Politik und Fußball muss man sich ein dickes Fell zulegen und überzeugt davon sein, einen größeren Plan zu haben.

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