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Interview: Felix Magath:"Die Münchner wissen, dass ich manchmal stur bin"

SZ: In Wolfsburg mussten Sie keine Schulden machen - konnten aber trotzdem viel Geld ausgeben.

Magath: Sehen Sie! Dieses Denken ist ja aus den Köpfen gar nicht mehr rauszukriegen: Dass dem Erfolg in gewisser Weise ein kleiner Makel anhaftet, weil ich Geld in Hülle und Fülle ausgeben und kaufen konnte, was und wen ich wollte.

SZ: Sie polemisieren. Aber wahr ist: Das Geld, das Sie ausgegeben haben, hätte der VfL mit dem Verkauf von Dzeko wieder reinholen können.

Magath: Und er wäre immer noch Meister - und hätte noch ein paar andere, die er verkaufen kann.

SZ: Als Trainer sieht Sie das Publikum auf einer Höhe wie nie zuvor. Empfinden Sie das auch so?

Magath: Ich bin zumindest akzeptierter, komischerweise. Dabei habe ich - bis auf die Station in Bremen - alle meine Vereine vorwärtsgebracht. Und meine größte Leistung als Trainer, das empfinde ich nach wie vor, besteht darin, dass ich damals Eintracht Frankfurt unter chaotischen Bedingungen in der Liga gehalten habe. So etwas würde ich heute gar nicht mehr machen - damals musste ich es, weil ich keine anderen Möglichkeiten bekam.

SZ: In Schalke fällt Ihr alter Ruf auf Sie zurück: Die Fans heißen Sie als Trainer willkommen, der die Spieler leiden lässt. Das ist die Strafe, die sie sich als Rache für viele Enttäuschungen wünschen. Tun Sie den Leuten den Gefallen?

Magath: Das ist leider wieder so ein Punkt, wo die Realitäten verschoben werden. Ich habe immer so gearbeitet, egal wie die Ziele aussahen und ob die Mannschaft im Jahr zuvor gut oder schlecht war. Die Grundlage meiner Tätigkeit war immer schon der Glaube, dass sich durch Arbeit viel erreichen lässt. Genau deshalb bin ich ja auch überzeugt, dass ich nach Schalke passe. Weil die Fans sich danach gesehnt haben, dass einer kommt und arbeitet.

SZ: Hier wollten die Fans sogar mit der Schaufel anrücken, um am Vereinsgelände einen Trainingshügel - einen zweiten Mount Magath - aufzuschütten.

Magath: Das ist nicht nötig. Ich komme zurecht mit dem, was die Überreste des Parkstadions bieten. Seine wunderbaren Treppen zum Beispiel. Vielleicht auch die Kohlenhalden in der Nachbarschaft, mal sehen.

SZ: In Ihrem Kader scheint der Ruf Ihrer Autorität vorauseilend zu wirken. Gerald Asamoah etwa ist um einige Kilo schmaler als in der Vorsaison.

Magath: Selbstverständlich hilft der Titelgewinn mir bei meiner Arbeit, denn vorher wurde dieselbe Arbeit noch kritisiert. Meine Position ist stark, es wird schwer für die Spieler, Ausreden zu finden. Was Gerald Asamoah angeht: Über sein früheres Gewicht weiß ich nichts, ich weiß nur, dass er nach den ersten Trainingstagen Probleme hatte und dann einen richtigen Schub bekommen hat. Momentan macht er den Eindruck, dass er seinen Platz in der Anfangsformation finden wird. Er sucht seine Chance, das kann man nicht von allen Spielern sagen.

SZ: Wann haben Sie das letzte Mal von den Chefs Ihres alten Arbeitgebers Bayern München gehört?

Magath: Das ist lange her. Seit der Begegnung in Wolfsburg ( am 4. April, Anm. d. Red.) habe ich mit niemandem aus der Münchner Schaltzentrale gesprochen.

SZ: Aber wenn die Bayern noch mal versuchen sollten, die Freigabe für Schalkes Torwart Manuel Neuer zu erreichen, dann müssten sie sich an den Manager Magath wenden, richtig?

Magath: Richtig. Aber es hat sich niemand gemeldet.

SZ: Ihr Nein hat Bestand?

Magath: Ich glaube, das wissen die Münchner. Sie wissen, dass ich manchmal stur bin.