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AFC Sunderland:Klubeigentümer mit 23

Kyril Louis Dreyfus Fussball Frankreich Ligue 1 EA Guingamp vs Olympique Marseille 21 08 2016; Kyril Louis-Dreyfus

Kyril Louis-Dreyfus: Jüngster Chairman im englischen Fußball.

(Foto: imago)

Milliardärssohn Kyril Louis-Dreyfus erwirbt die Mehrheit der Anteile am englischen Traditionsverein AFC Sunderland. Gelingt die Rückkehr aus der dritten in die erste Liga, ist stolze Rendite garantiert.

Von Sven Haist, London

Der Zeitpunkt für die Nachricht war gut gewählt. Passend zur Bescherung bestätigte der AFC Sunderland an Heiligabend in einer Erklärung mit dem Betreff "Kyril Louis-Dreyfus" jene seit Herbst kursierenden Gerüchte, dass eine Einigung über die Übernahme des Klubs erzielt worden sei. Die frohe Botschaft ereilte die Fans inmitten der Tristesse eines jahrelangen Abstiegskampfes, der aus der Premier League direkt zwei Klassen tiefer geführt hatte. Seit 2018 hängt Sunderland nun schon in der drittklassigen League One fest und nimmt dort unter dem kürzlich verpflichteten Chefcoach Lee Johnson, 39, auch nur eine trübe Mittelfeldrolle ein. Mehrere positiv auf Corona getestete Spieler und Mitarbeiter lösten die Absage der vergangenen drei Ligaspiele aus. Auch der für diesen Dienstag angesetzte Jahresabschluss bei Accrington Stanley findet nicht statt. Mit der avisierten Veräußerung des Traditionsklubs ist somit die Hoffnung auf Besserung verbunden.

Sofern die English Football League, Dachverband für die zweite bis vierte Spielklasse, in den nächsten Wochen den Eigentümerwechsel ratifiziert, wird der gerade erst 23 Jahre alt gewordene Kyril Louis-Dreyfus der jüngste Chairman des Inselfußballs. Der in Zürich geborene Kyril besitzt mit seinen zwei Brüdern unter Aufsicht von Mutter Margarita einen Milliardenfonds, der auf seinen 2009 im Alter von 63 Jahren an Leukämie verstorbenen Vater Robert Louis-Dreyfus zurückgeht.

Louis-Dreyfus Senior war Gründer eines weltumspannenden Handelskonzerns sowie ehemaliger Adidas-Chef und seinerzeit einer der einflussreichsten Manager des Weltfußballs. Gerade hierzulande hinterließ er Spuren. In Rahmen der "Sommermärchen"-Affäre um die Vergabe der WM 2006 an Deutschland gewährte er dem damaligen Organisationschef Franz Beckenbauer ein Darlehen über zehn Millionen Schweizer Franken, dessen Verwendung bis heute unklar ist.

Nach seinem Tod kamen seiner Frau Margarita die Mehrheitsanteile am Verein Olympique Marseille zu, die sie 2016 fast vollständig veräußerte. In einer Kolumne der französischen Zeitung L'Equipe schrieb Kyril jüngst, dass seine Familie eigentlich nichts mehr mit Fußball zu tun haben wollte, weil das "ein faules Geschäft" sei. Allerdings sei Sunderland "ein besonderes Projekt". Den Filius dürfte unter anderem die Aussicht locken, bei einer Rückkehr des maroden Klubs in die Premier League einen gewaltigen finanziellen Nutzen ziehen zu können.

Die Verbindung zwischen Kyril Louis-Dreyfus und dem 1879 gegründeten Sunderland Association Football Club stellte Minderheitsbesitzer Juan Sartori her. Dessen russischer Schwiegervater ist im Besitz des AS Monaco, eines Rivalen von Olympique Marseille. Laut Medienberichten soll der Louis-Dreyfus-Clan dem aktuellen Sunderland-Eigentümer Stewart Donald 59 Prozent des Vereins für circa 25 Millionen Euro abkaufen. Die restlichen Beteiligungen würden sich wie folgt aufteilen: 20 Prozent für Strippenzieher Sartori, weiterhin 15 Prozent für Donald sowie sechs Prozent für den ehemaligen Geschäftsführer Charlie Methven. An der Spitze eines Konsortiums hatte Donald den Klub 2018 vom Amerikaner Ellis Short übernommen, dessen zehnjähriges Wirken geprägt war von Misserfolg, Trainerentlassungen und Schulden. Die Pechsträhne des sechsmaligen englischen Meisters (1892, 1893, 1895, 1902, 1913, 1936) dokumentiert die Netflix-Serie "Sunderland ´Til I Die".

"Wenn wir alle unseren Beitrag leisten, glaube ich fest daran, dass wir Sunderland zurück in die erste Liga führen können", ließ Kyril Louis-Dreyfus verlauten. Man wolle ein "unterhaltsames Team" auf die Beine stellen, das wieder "den Geist der Zuschauer" verkörpere. Im derzeitigen Kader hat einzig Kultstürmer Will Grigg, 29, von sich reden gemacht, als er 2016 den Drittligisten Wigan mit 25 Toren zum Aufstieg schoss und daraufhin in den nordirischen EM-Kader berufen wurde. Die Fans widmeten ihm den Ohrwurm: "Will Grigg´s on fire".

Kapital des Klubs jedoch sind die Fans und das Stadium of Light, in dem selbst in der dritten Liga knapp 30 000 die Heimspiele verfolgen. Im Schnitt zählt Sunderland somit mehr Stadionbesucher als die Hälfte aller Erstligisten. Der Verein ist der Stolz der Hafenstadt, die viel Energie aus der leidenschaftlich gepflegten Rivalität mit dem 20 nur Kilometer entfernten Newcastle zieht. Das Tyne-Wear-Derby gehörte zu den Höhepunkten jeder Premiere-League-Saison - bis Sunderland abstieg.

© SZ/hoe/mok/ska
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