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Inter Mailand:Die eigenen Fans fallen Lukaku in den Rücken

Serie A - Inter Milan v Lecce

Romelu Lukaku feiert seinen Treffer zum 3:0 im ersten Ligaspiel gegen Lecce.

(Foto: Daniele Mascolo/Reuters)
  • Inter Mailand wähnt sich in dieser Saison wieder als ernsthafter Herausforderer von Serienmeister Juventus Turin.
  • Der Klub hat sich prominent verstärkt, etwa mit Romelu Lukaku und Leihspieler Alexis Sánchez. Mauro Icardi, um den es zuletzt viel Unruhe gab, ist derweil zu Paris Saint-Germain gewechselt.
  • Zugang Lukaku erfährt beim Auswärtsspiel bei Cagliari Calcio Rassismus. Die eigenen Fans fallen ihm später in den Rücken.

Die Geschichte des italienischen Traditionsklubs Inter Mailand ist auch eine der Skurrilitäten. Sie ist Tragikkomödie und Heldenepos zugleich, eine wilde Aneinanderreihung großer Erfolge und absurder Niederlagen. Dieser Verein sei "zerbrechlich und menschlich", schrieb der italienische Schriftsteller Michele Sera einmal, "manchmal frigide, manchmal eine Hure, episch oder pathetisch." Nach Jahren der zerbrechlichen Menschlichkeit sehnen sich die Mailänder, einer der Gegner von Borussia Dortmund in der Champions League-Gruppenphase, wieder nach dem Glanz vergangener Tage. Und in dieser Saison wähnen sie sich wieder als ernsthafter Herausforderer von Serienmeister Juventus Turin, der Hegemonialmacht im italienischen Fußball.

Dafür sorgen sollen ausgerechnet zwei Männer mit der sogenannten DNA vincente, wie sie in Italien sagen, der Gewinnermentalität vom Erzrivalen aus dem Piemont. Bereits seit Dezember vergangenen Jahres ist Giuseppe Marotta Sportdirektor bei Inter, zuvor hatte er fast ein Jahrzehnt lang in derselben Rolle bei Juventus gearbeitet. Marotta gilt als der Architekt der Turiner Dominanz, die einst mit der Verpflichtung eines Trainers begann, der inzwischen ebenfalls bei Inter engagiert ist: Antonio Conte, als Spieler Kapitän bei den Bianconeri, hat im Sommer den Trainerposten von Luciano Spalletti übernommen und darf die Mannschaft nach seinem Gusto umbauen.

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Für den Sturm kam Romelu Lukaku für angeblich 65 Millionen Euro zuzüglich Boni, er ist der bislang teuerste Spieler der Vereinsgeschichte. Conte wollte den bulligen Belgier schon haben, als er mit dem FC Chelsea gerade englischer Meister geworden war, Lukaku wechselte aber zu Manchester United. Allerdings muss sich Lukaku schon bei seinem ersten Auswärtsspiel dem in Italien verbreiteten Rassismus stellen. In der Partie bei Cagliari Calcio wurde er kurz vor der Ausführung eines Elfmeters mit Affenlauten bedacht. Lukaku veröffentlichte einen emotionalen Appell gegen Diskriminierung im Internet - doch dann fielen ihm die eigenen Fans in den Rücken. "Italiener sind keine Rassisten!", schrieb Inters Ultra-Gruppe "L'urlo della Nord" bei Facebook in einem offenen Brief an den "lieben Romelu". Es sei "schade", falls dieser die Rufe "als Rassismus aufgefasst" habe. Die Cagliari-Fans hätten nur ihrer Mannschaft helfen wollen. Er müsse verstehen, dass Rassismus in Italien im Gegensatz zu vielen nordeuropäischen Ländern kein echtes Problem sei. Weiter heißt es: "Wenn du erklärst, dass du in Italien Rassismus bekämpfen willst, befeuerst du nur die Repression der Tifosi, inklusive deiner eigenen. Du trägst dazu bei, ein Problem zu schaffen, das es hier noch nicht gibt."

Ebenfalls von United wurde Angreifer Alexis Sánchez auf Leihbasis verpflichtet, bereits seit längerem stand der Wechsel von Verteidiger Diego Godín fest. Der langjährige Kapitän von Atlético Madrid kam ablösefrei und soll mit seiner Erfahrung ein integraler Bestandteil in Contes Dreierkette werden, die durch den Slowenen Milan Skriniar und den Holländer Stefan De Vrij komplettiert wird - für viele ist das die individuell stärkste Abwehrreihe der Serie A. Ansonsten sieht der Plan von Conte und Marotta vor, den Verein Internazionale wieder etwas italienischer zu machen. In Stefano Sensi und Nicolo Barella wurden zwei Mittelfeldspieler der Squadra Azzurra geholt, der eigentlich schon abgeschriebene Flügelspieler Antonio Candreva darf sich unter Conte wieder Hoffnungen auf einen Stammplatz machen. Auf der rechten Außenbahn konkurriert Candreva mit Valentino Lazaro, für den Inter angeblich 22 Millionen Euro an Hertha BSC Berlin gezahlt hat.

Der Saisonstart ist Inter schon mal gelungen, auf einen 4:0 Heimsieg zum Auftakt gegen Lecce folgte ein 2:1 Erfolg bei Cagliari Calcio. "Ich bin dafür geschaffen, eine Richtung vorzugeben, eine Methode zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen", sagte Conte im Sommer in einem längeren Interview in der italienischen Ausgabe des Männermagazins GQ. Tatsächlich war die Mannschaft kaum wiederzuerkennen im Vergleich zu den vielen lethargischen Auftritten, die es noch unter seinem Vorgänger Spalletti gab. Conte ist ein Verfechter soldatischer Disziplin, von seinen Spielern verlangt er absolute Hingabe und die Bereitschaft, sich dem Kollektiv unterzuordnen. Eine Maßgabe, die der Italiener am Spielfeldrand vorlebt: Conte schreit, er feuert an, er schimpft und ist ständig in Bewegung. Die Gazzetta dello Sport will errechnet haben, dass er im ersten Saisonspiel acht Kilometer zurückgelegt hat. In seiner Coachingzone. "Wer keinen Willen hat, der spielt bei mir nicht", sagte Conte kürzlich, "selbst wenn er das letzte Mal der Beste auf dem Rasen war."