Insolvenz:"Untragbar"

Wenigstens haben die Münchner Spieler, hier schlicht Alexander Sorge enttäuscht vom Platz, Gewissheit: Ihren Arbeitgeber gibt es nicht mehr. (Foto: Steven Mohr/Imago)

Drittligisten beklagen finanzielle und sportliche Folgen des Türkgücü-Endes

Der Rückzug von Türkgücü München versetzt die dritte Fußball-Liga in Aufruhr. Ausführlich äußerte sich zum Beispiel Michael Welling, Präsident des VfL Osnabrück, zu den Folgen für den aktuellen Spielbetrieb. "Die Integrität des Wettbewerbs ist etwas infrage gestellt", sagte Welling. "Es ist eine ungerade Anzahl an Spielen in der Tabelle, und das wird bis zum Ende so bleiben." Osnabrück verliert vier Punkte, neben den sportlichen Auswirkungen wies Welling aber auch auf finanzielle Aspekte hin. "Es hat wirtschaftliche Folgen für andere Vereine, die ein Heimspiel weniger haben. Zum Beispiel Kaiserslautern, das am letzten Spieltag sicher einen ausverkauften Betzenberg gehabt hätte", sagte der Osnabrücker Geschäftsführer. Zudem sei abzuwarten, "ob es auch Konsequenzen für den Rest der Liga durch Medienpartner gibt". Durch den Wegfall der Türkgücü-Partien hat zum Beispiel Magenta Sport weniger Spiele zu übertragen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erklärte, er gehe mit der Insolvenz "selbstkritisch" um, wie Manuel Hartmann, Geschäftsführer Spielbetrieb, sagte. Man werde "selbstverständlich prüfen, ob Fehler im Rahmen des Zulassungsverfahrens gemacht wurden". Hartmann führte aus, dass bei Türkgücü die Personalausgaben von drei auf fünf Millionen Euro gestiegen waren: "Diese zwei Millionen Euro Differenz sind ziemlich genau die Liquiditätslücke, die dem Klub nun zum Verhängnis geworden ist." Es sei keinem Ligaträger möglich, "die Geschäftstätigkeiten der Teilnehmer täglich zu kontrollieren". Der 1. FC Saarbrücken, der sechs Punkte verloren hat, hatte umgehend eine Klage angekündigt. Es könne nicht sein, "dass Klubs unverschuldet dafür bestraft werden, dass andere Vereine unter Aufsicht des DFB Misswirtschaft betrieben haben."

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