Stadionsicherheit im Fußball„Die schlimmsten Maßnahmen sind vom Tisch“

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Über das Thema Pyrotechnik wollen die Innenminister im kommenden Juni sprechen.
Über das Thema Pyrotechnik wollen die Innenminister im kommenden Juni sprechen. (Foto: Focke Strangmann/dpa)
  • Die Innenminister verzichten auf personalisierte Eintrittskarten und Gesichtsscanner in Fußballstadien nach Protesten von Fans und Vereinen.
  • Das einzige greifbare Ergebnis der Bremer Konferenz ist eine dezente Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien mit einheitlichen Standards.
  • Über das umstrittene Thema Pyrotechnik wollen die Innenminister im kommenden Juni weiter sprechen.
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Das einzige greifbare Ergebnis der Innenministerkonferenz zur Sicherheit im Fußball ist eine Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien. Zum Thema Pyrotechnik könnte allerdings noch etwas folgen.

Von Christoph Ruf

Am Freitagmittag dürfte die Laune in den Geschäftsführer-Büros des Profifußballs mindestens so gut gewesen sein wie bei den Fanaktivisten, die in den vergangenen Wochen gegen die vermuteten Pläne der Innenminister protestiert hatten. Auch künftig, das verkündeten die Innenminister zum Abschluss ihres dreitägigen Treffens in Bremen, wird es bei den Spielen der ersten und zweiten Bundesliga keine personalisierten Eintrittskarten geben. Auch Gesichtsscanner bleiben tabu. Kurzum: Keine der drakonischen Maßnahmen, gegen deren Einführung Fans und Vereine mit unterschiedlichen Mitteln protestiert hatten, soll wirklich eingeführt werden. Dementsprechend zufrieden äußerten sich kurz darauf Fanvertreter: „Der Protest hat gewirkt – die schlimmsten Maßnahmen sind vom Tisch“, bilanziert Thomas Kessen vom Fanverband „Unsere Kurve“. Allerdings werde man „genau beobachten müssen, was im Bereich der Stadionverbote und bei der Pyrotechnik noch folgen wird“.

So oder so: Am Freitag sendete die Politik fast ausschließlich versöhnliche Signale aus: „Dialog statt Konfrontation“ sei die Devise, sagte Ulrich Mäurer (SPD). „Zusammen mit den Vereinen und den Fans haben wir das gemeinsame Interesse, dass sich die Menschen im Stadion sicher fühlen.“ Der Bremer Innensenator hatte einige Tage zuvor ein Gespräch mit Vertretern von Werder Bremen und dessen Fanabteilung geführt. Dabei hatte er offenbar erfahren, dass Klubs und Fans nicht verstanden hatten, warum die Politik in den Monaten zuvor weder Fanvertreter gehört noch externen Sachverstand herangezogen hatte. „Dass zivilgesellschaftlicher Protest Politik verändern kann, darf als starkes Signal in die Gesellschaft gewertet werden“, meinte Kessen. Es sei „uns allen zu wünschen“, dass Politiker „ab sofort wieder auf überprüfbarem Fundament und im Dialog Entscheidungen treffen anstatt faktenbefreit im Hinterzimmer“.

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Das einzige greifbare Ergebnis der Konferenz ist nun jedenfalls eine Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien, doch auch die wird allenfalls sehr dezent vollzogen. Über Stadionverbote soll auch künftig vor Ort, an den einzelnen Standorten, entschieden werden. Die zuvor erhobene Forderung, die gängige Praxis durch eine bundeseinheitliche Kommission zu ersetzen, um Mauscheleien zu vermeiden, hatte zuletzt kein Innenminister erneuert. Die Kommission wird es künftig geben, allerdings als beim DFB angesiedeltes zusätzliches Gremium, das einheitliche Verfahren anmahnt. „Wir schaffen einheitliche Standards“, sagte Mäurer. „Klare Regeln, transparente Verfahren – das bringt mehr Rechtssicherheit für alle.“

Bereits in den Tagen zuvor war die Politik deutlich zurückgerudert. Mäurer hatte erklärt, dass man weder über die Einführung personalisierter Eintrittskarten noch über Orwelleske Überwachungsmaßnahmen zu deren Kontrolle diskutieren werde, und von einer „Geisterdebatte“ gesprochen. Warum man überhaupt die wenig überzeugende Idee hatte, in Stadien mit oft zehntausenden Stehplätzen personalisierte Tickets einzuführen, erschließt sich allerdings auch im Rückblick nicht. Es scheint jedoch in den vergangenen Tagen nicht nur an der Weser allerlei informelle Gespräche gegeben zu haben, die möglicherweise auch das wechselseitige Vertrauen gestärkt haben.

Das vergleichsweise harmonische Ende der bisherigen Frontstellung dürfte aber auch mit den Debatten der vergangenen Wochen zu tun haben. Die aktiven Fanszenen hatten durch bestens koordinierte Protestformen Druck aufgebaut. Auch Vertreter der Profivereine hatten deutlich gemacht, dass sie das Stadionerlebnis für sicher halten, und vor „Populismus“ gewarnt. Beides natürlich nicht nur aus inhaltlichen Gründen, sondern auch weil die Klubs kein Interesse an einer Fortdauer der Diskussion um die Sicherheit im Fußball haben. Denn je länger die schwelt, desto wahrscheinlicher ist es, dass wieder die Frage aufgeworfen wird, ob sie sich nicht stärker an den Polizeikosten beteiligen müssten.

Auch eine Politikerin hatte sich zu Wort gemeldet, der die Fähigkeit zugeschrieben wird, mittels Social Media schon Wahlergebnisse verdoppelt zu haben: Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Linken, warnte auf Instagram, wer im Fußball beim Datenschutz Tabus breche, könne das auch bald bei Konzerten und Demonstrationen tun. Fast 40000 Likes trug ihr das ein. Ein friedensstiftendes Signal dürfte hingegen eine Presseerklärung der DFL gewesen sein, die sie noch am Donnerstagabend verschickt hatte. Darin verpflichteten sich die Klubs, mehr Geld in die Qualifizierung der Ordnungsdienste zu investieren, Sicherheitsbeauftragte in Vollzeit zu beschäftigen und die Zahl der Fanbeauftragten deutlich zu erhöhen.

Fraglich bleibt es allerdings, ob die zahmen Beschlüsse von Bremen nun auch auf längere Sicht zu einem Ende der aufgeheizten Debatte um die Sicherheit führen. Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) kündigte am Freitag an, dass „an anderen Punkten noch weiter gearbeitet“ werden müsse. Zu diesen „Punkten“ zählt dem Vernehmen nach die Pyrotechnik. Und damit das Thema, bei dem Politik, Vereine und Fans am weitesten auseinander liegen. Darüber wollen die Innenminister im kommenden Juni sprechen. Mit spektakulären Protesten im Vorfeld ist dann nicht zu rechnen. Die Saison endet im Mai.

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