Ingolstadt - Köln Zuspitzung nach dem Rollenwechsel

Die Kölner Haie erkämpfen sich durch ein 5:2 in Ingolstadt das entscheidende siebte Spiel im Playoff-Viertelfinale der DEL. Eigentlich müssten sie sich jetzt im Vorteil wähnen, doch dafür ist bereits zu viel passiert.

Von Max Ferstl, Ingolstadt

Vor kurzem war Felix Schütz krank gewesen. "Sehr krank" sogar, Magen-Darm-Infekt. Nach eigener Darstellung hatte der Stürmer der Kölner Haie drei Tage lang nichts gegessen, nichts getrunken, und aus diesem Grund zwei Spiele in der Viertelfinalserie gegen den ERC Ingolstadt verpasst. Als Schütz am vergangenen Wochenende aufs Eis zurückkehrte, spielte er unauffällig. Schütz war die Verkörperung einer Kölner Mannschaft, der gegen einen dynamischen Gegner die letzte Wucht fehlte.

Inzwischen ist Schütz wieder gesund. Sehr gesund sogar, anders wäre die Leistung am Freitagabend im sechsten Spiel der Serie kaum möglich gewesen. Schütz warf sich in die aufreibenden Ringkämpfe an der Bande, bereitete die Führung durch Alexander Oblinger vor (5. Minute), schoss das zweite, dritte und vierte Kölner Tor selbst (11./14./55.). Es war sein erster Hattrick in der Deutschen Eishockey Liga. "Sehr gut" habe er sich gefühlt, bestätigte Schütz, nachdem er vor dem Kölner Mannschaftsbus an seine Krankmeldung erinnert hatte. Er ist jedenfalls wieder auf der Höhe. Und die Kölner Haie sind es auch.

5:2 haben sie das sechste Spiel der Serie gegen Ingolstadt gewonnen. Es steht jetzt 3:3, nachdem die Haie zwischenzeitlich 1:3 zurückgelegen waren, nachdem sie schon zweimal nur eine Niederlage vor dem Saisonaus entfernt waren. Am Sonntag findet das entscheidende siebte Spiel in Köln statt. Wenn es stimmt, dass Playoffs vor allem ein Ringen um das sogenannte Momentum sind, also um das Gefühl, dass die Dinge sich zu den eigenen Gunsten entwickeln, müssten sich die Kölner im Vorteil wähnen. Das muss allerdings nicht viel heißen, wenn zwei Mannschaften nahezu gleich gut spielen.

Bisher sind die meisten Spiele der Serie einem ähnlichen Muster gefolgt. Köln bemühte sich um die Kontrolle des Pucks, Ingolstadt wartete auf die Chancen für Konter. Köln erarbeitete sich die zahlreicheren und besseren Gelegenheiten, Ingolstadt erzielte die Tore mit weniger Aufwand. Am Freitagabend vollzog sich erstmals eine Art Rollenwechsel. "Wir hatten unsere Chancen - und wir haben das meiste daraus gemacht", sagte diesmal Kölns Trainer Daniel Lacroix. Man könnte es auch so sagen: Die Chancen waren so präzise herauskombiniert, dass Schütz vor allem als kühler Vollstrecker gefordert war.

"Wir haben das zweite Drittel überlebt", gibt Lacroix zu

Das Ergebnis dürfte die Kölner in der Ansicht bestätigen, dass der Ausgang einer Partie vor allem von ihnen selbst abhängt. "Es liegt mehr an uns als am Gegner, ob wir in dieser Serie weiterkommen", hatte Kapitän Moritz Müller nach Spiel fünf behauptet. Ähnlich klang nun der dreifache Torschütze Schütz, der zwar die Schnelligkeit der Ingolstädter Spielweise hervorhob. Aber auf diese habe sich seine Mannschaft seit Spiel eins immer besser eingestellt. Die entscheidende Frage sei nun, ob sich auch die Ingolstädter anpassen könnten: "ob sie ein anderes System überhaupt spielen können, außer nach vorne zu rennen".

Das zweite Drittel legt die Vermutung nahe, dass der ERC dazu in der Lage sein dürfte. Immer wieder baute er das Spiel aus der Abwehr auf, immer wieder wurden die Gäste im eigenen Drittel eingeschnürt, ohne an den Puck zu kommen. Oft konnten die Kölner die Situation nur entschärfen, indem sie die Scheibe unkontrolliert aus der eigenen Zone droschen zum sogenannten Icing, einer Befreiungsaktion, nach der man die Reihen nicht wechseln darf. Einmal war Lacroix sogar gezwungen, eine Auszeit zu nehmen, um seinen Spielern Zeit zum Luftholen zu verschaffen. Trotzdem verkürzte Ingolstadt, erst durch Benedikt Kohl (27.), später durch Brett Olson (34.). "Wir haben das zweite Drittel überlebt", gab Lacroix zu. Im Schlussdrittel schafften es die Kölner, sich zu stabilisieren, und sie kamen einer Schlussoffensive zuvor, indem Schütz einen Konter zum 4:2 über die Linie drückte und Jason Akeson (59.) ins leere Tor traf.

Nun also Spiel sieben, die maximale Zuspitzung. Die gesamte Serie verdichtet sich auf eine einzige Partie. Dabei war schon das sechste Spiel in der Schlussphase sehr emotional gewesen, immer wieder waren Spieler aneinander geraten, hatten sich ineinander verkeilt. ERC-Stürmer Brandon Mashinter bekam kurz vor Schluss eine Spieldauerstrafe, weil er Moritz Müller mit Faustschlägen angegriffen hatte. Emotional ist auch die Vorgeschichte, was siebte Spiele zwischen beiden Mannschaften betrifft: 2014 gewann Ingolstadt in Köln die Meisterschaft im Entscheidungsspiel, dem vermeintlichen Nachteil des Auswärtsspiels zum Trotz. "Wir haben uns den Weg zurück in die Serie gekämpft. Aber das bedeutet nicht viel, wenn du das letzte Spiel nicht gewinnst", sagte Lacroix. Also Druck für Köln? "Was heißt Druck", sagte Schütz. "Wir waren 1:3 hinten." Aber seitdem ist ja einiges passiert.