Ingolstadt - Darmstadt Neun-Punkte-Woche

Führung nach einem tollen Spielzug: Doch nach dem 1:0 durch Pascal Groß muss Ingolstadt lange leiden, bevor der 3:2-Heimsieg gegen den auswärts punktlosen SV Darmstadt 98 fest steht.

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Mit dem dritten Sieg in Serie ist Ingolstadt im Kampf gegen den Abstieg zurück im Rennen. Das 3:2 gegen Darmstadt eröffnet neue Chancen.

Von Maik Rosner, Ingolstadt

Gemeinsamkeiten verbinden. Die Bundesliga lieferte dafür am frühen Sonntagabend ein Beispiel, als der Tabellenvorletzte FC Ingolstadt den Letzten SV Darmstadt 98 zum Abschluss des 28. Spieltags empfing. Gemeinsam waren die Schanzer und die Lilien 2015 in die erste Liga aufgestiegen, gemeinsam schafften sie im Sommer darauf die überraschende Versetzung. Und auch in dieser Saison gingen die Parallelen weiter, zum Missfallen beider Vereine am Tabellenende. Allerdings, und das war bei der Verabredung nun klar zu erkennen, wollte der FCI die Wahrscheinlichkeit maßgeblich erhöhen, dass sich die beschrittenen Wege nach dieser Saison trennen - und nicht der Gang zurück in die zweite Liga mit dem bereits abgeschlagenen Tabellenletzten Darmstadt angetreten werden muss.

Am Ende hatten es die Ingolstädter durch ein wendungsreichen 3:2 tatsächlich geschafft, den Rückstand auf Augsburg (Platz 16) und Mainz (Platz 15) auf einen Punkt zu verkürzen. Pascal Groß brachte Ingolstadt verdientermaßen in Führung (20.), ehe Mario Vrancic die Partie binnen fünf Minuten mit einem Doppelpack wie aus dem Nichts drehte (34./39., Foulelfmeter). Almog Cohen (68.) und Markus Suttner (72.) mit einem wunderschön gezirkelten Freistoß führten die erneute Volte und damit den dritten Sieg hintereinander herbei. Verloren hatten die Ingolstädter allerdings Romain Brégerie durch einen Platzverweis (87.).

Rasch war zu beobachten, dass die Ingolstädter ihre plötzliche Chance auf Rettung weiter erhöhen wollten. Mutig griff die Elf von Trainer Maik Walpurgis an, bestärkt von zwei Siegen binnen vier Tagen gegen die Abstiegskonkurrenten Mainz (2:1) und Augsburg (3:2). Eine Chance nach der anderen erspielten sich der FCI. Belohnt wurde der Elan der Gastgeber, als Groß nach einem Zuspiel von Cohen freistehend zum 1:0 einschob. Der Jubel beim Großteil der 14 081 Zuschauer nahm Züge einer Versetzungsfeier an. Und die Hochstimmung hielt zunächst an, da der FCI klar spielbestimmend agierte.

Der Jubel beim Großteil der 14 081 Zuschauer nahm Züge einer Versetzungsfeier an

Das Manko war aber ebenfalls ein bekannter Gefährte in dieser Saison. Einige aussichtsreiche Gelegenheiten zum zweiten Tor ließ der FCI liegen. Hinzu kamen ziemlich glückliche Fügungen für das in dieser Saison zuvor auswärts noch punktlose Darmstadt. Nicht nur vor dem eigenen Tor, sondern auch vor dem der Gastgeber. Wie nach einer guten halben Stunde, als der Elf von Trainer Torsten Frings ein ansehnlicher Spielzug genügte, um auszugleichen, begünstigt durch die Ingolstädter Laxheit im Defensivverhalten. Felix Platte legte den Ball mit der Brust auf Vrancic ab, der präzise zum 1:1 abschloss. Und als fünf Minuten später Schiedsrichter Manuel Gräfe ähnlich unerwartet einen Elfmeter verhängte, nachdem Marcel Tisserand den Darmstädter Antonio Colak allenfalls touchiert hatte, war die Hoffnung der Ingolstädter auf das Wunder der Rettung dem Entsetzen gewichen. Denn Vrancic hatte den Strafstoß lässig eingeschoben.

Die Ingolstädter versuchten nach diesem Schock wieder zu jenem selbstbewussten Angriffsstil zurückzufinden, mit dem sie die Partie zunächst geprägt hatten. Doch die Last, eigentlich gewinnen zu müssen, spielte nun erkennbar mit. Erst die Ingolstädter Stärke bei Standardsituationen erhöhte die Wahrscheinlichkeit wieder, dass der Weg mit den Lilien in die zweite Liga vielleicht doch nicht angetreten werden muss. Zunächst vollendete Cohen nach einem Freistoß, dann traf Suttner mit seinem direkt verwandelten Freistoß. "Die Zuschauer haben heute drei Spiele zum Preis von einem bekommen. Das war eine Achterbahnfahrt", sagte Ingolstadts Trainer Maik Walpurgis, immer noch etwas gezeichnet vom Spielverlauf. Sein Darmstädter Kollege Torsten Frings bilanzierte enttäuscht: "Wenn man so lange führt, muss man auch was mitnehmen. Ich habe der Mannschaft die ganze Woche gesagt, wie stark Ingolstadt bei Standards ist. Umso schlimmer ist es, wenn man mit zwei Standard-Toren verliert."

Während Darmstadt drei Außenseiter-Chancen hat, wenigstens einen Auswärtspunkt in dieser Saison zu ergattern (Hamburg, München, Mönchengladbach), beschert der Spielplan dem FCI am Ostersamstag das nächste Duell mit Finalcharakter: Der Klub reist zu den Wolfsburgern, die nun in Reichweite und nur noch zwei Punkte entfernt sind. Der Lohn für eine wundersame Aufholjagd.