Erinnerung an eine Begegnung im Café Segafredo, Wien-Floridsdorf, gut zehn Jahre her. Der ehemalige Boxer Ikomoniya Botowamungu, den alle nur Biko nannten, spielte einen der größten Fights der Geschichte nach: Ali gegen Foreman, Rumble in the Jungle. Er hatte dafür ein Glas Orangensaft in der Mitte des Kaffeehaustisches platziert, das Glas sollte Foreman sein. Und er, Biko, war natürlich Ali. Er tänzelte um den Tisch herum, quatschte im Ali-Stil auf das Glas Orangensaft ein: „Ich glaube, du wirst langsam müde“, rief Biko, seine Fäuste wischten durch die Luft, seine Schuhe quietschten. Aber das Glas stand da, unberührt, unbeeindruckt. Und Biko, 120 Kilo schwer, schwitzte nach der minutenlangen Tänzelei ein bisschen, ließ sich ins Kaffeehaus-Sofa fallen, lachte das heisere Lachen des charismatischen Showmannes, der er war.

Philippinen-Boxer:Im Alter von 46 Jahren will es Manny Pacquiao noch einmal wissen – er kehrt zurück in den Boxring
Im Inselstaat Philippinen ist der Ex-Boxer und Ex-Politiker Emmanuel Dapidran Pacquiao noch immer eine große Nummer. An diesem Samstag werden Millionen Zuschauer seinen Comeback-Versuch verfolgen.
Mit einer tatsächlich bühnenreifen Biografie. Biko, geboren 1957 in Kisangani, Kongo, machte seinen mächtigen Körper schon als junger Mann zum Instrument, wurde Ringer, als Security-Mann verschlug es ihn nach Wien. Dort, am Heumarkt, verdiente er sich als Catcher was dazu, eine Urform des Wrestlings, mehr Kirmes als Leistungssport. Aber Biko, schon das war eine Besonderheit dieses besonderen Lebens, wurde von der Trainerlegende Josef Kovarik zum Boxer umgeschult und kam noch einmal ganz groß raus. Per aspera ad astra, durch das Raue zu den Sternen: mal wieder die immer neu erzählte Boxer-Story. Biko wurde mehrfacher österreichischer Staatsmeister und trat schließlich bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul für seine neue Heimat im Superschwergewicht an. Und wie in Österreich gewohnt, wo schon mal jemand zum Wödmasta ernannt wird, ohne je Weltmeister gewesen zu sein, waren die Erwartungen enorm: Würde ein Schwarzer unter rot-weiß-roter Flagge Gold holen?
Vor einem Jahr wurde bekannt, dass er – wie viele alte Boxer – an Demenz erkrankt sei
Mancher rechnete fest damit, Biko irgendwie auch, aber dann musste er gleich im Auftaktduell gegen den herausragenden Amerikaner Riddick Bowe ran. „Er hat wirklich Auslosungspech“, sagte live im ORF der Kommentator Siggi Bergmann: „Wenn ich daran denke, welche Superschwergewichtler sich hier herumtreiben, teilweise Bierfässer.“ Bowe allerdings war top austrainiert und schlug den Österreicher – rote Hose, weißer Bund – in der zweiten Runde k. o. Sigi Bergmann, anteilnehmend: „Das ist das Aus für unseren Biko.“ Bis heute war er der letzte österreichische Boxer bei Olympia.
Danach die Profilaufbahn des Preisboxers: nicht gerade bis rauf zu den Sternen, aber immerhin mal Gegner von Wladimir Klitschko und Sparringspartner von Mike Tyson. Und dann, schon wieder eine Besonderheit dieses besonderen Lebens, erschien ihm in einer einzigen Nacht sowohl der Teufel als auch Gott. Biko erkannte die Zeichen und wurde Baptistenprediger, später auch Showstar im Fernsehen mit einem spektakulären Auftritt, wieder tänzelnd, bei den „Dancing Stars“. Das Leben um ihn herum blieb bewegt und mitunter hart, aber Biko, der Starke, war als Mensch ganz warm und weich. Ins Kondolenzbuch der Zeitung Der Standard hat einer geschrieben: „Ich hatte einmal beruflich in seinem Haus zu tun. Ein super netter Kerl, der die Möbel für uns umstellte, als wären sie aus Styropor.“
Vor einem Jahr wurde bekannt, dass er – wie viele alte Boxer – an Demenz erkrankt sei. Den Kampf um seine Gesundheit konnte er nicht gewinnen. Am Sonntag ist Ikomoniya Botowamungu in Wien gestorben. Er wurde 68 Jahre alt.

