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Huub Stevens:Stevens knurrt jetzt leise

1899 Hoffenheim v SV Darmstadt 98 - Bundesliga

Er betreute viele Bundesligisten - aber am innigsten ging es zwischen Huub Stevens und Schalke 04 zu, das er zum Europacup-Sieg führte.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Mit Schalke war Huub Stevens 2001 der Vier-Minuten-Meister.
  • Im Frühjahr machten ihm Herzrhythmusstörungen zu schaffen, das Amt in Hoffenheim sollte sein letztes sein.
  • Jetzt seien Jüngere dran, sagt der 62-Jährige und stellt ein Buch über seine Karriere vor.

Ganz im Eck versteckt sich der Mann, wegen dem alle gekommen sind. Er sieht, wie die Leute plappern, wie sie Weingläser füllen und leeren, wie sie nach den karamellisierten Garnelen greifen. Er sieht, dass das Leben so leicht sein kann, so unbeschwert. Er sieht das, was er auch für sich haben möchte. "Die Ruhe", sagt Huub Stevens, "tut mir gut."

Dienstagmittag, das Restaurant "De Blauwe Lotus" im Stadion von Eindhoven. Stevens, 62, stellt seine Biografie vor, "Nooit opgeven" - Nie aufgeben. Es ist ein Buch über seine jahrzehntelange Karriere in der Fußballbranche. Es ist das Buch eines Mannes, der unverwechselbar geworden ist. Hubertus Jozef Margaretha Stevens hat einige Stationen hinter sich, es waren fast nie die entspanntesten. Er war Trainer auf Schalke, als der Klub die erfolgreichsten Jahre seiner jüngeren Klubgeschichte hatte, Uefa-Cup-Sieger 1997, Viereinhalb-Minuten-Meister 2001, von den Fans zum Trainer des Jahrhunderts gewählt.

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Er war in Berlin, Köln, Hamburg, noch mal auf Schalke, zweimal in Stuttgart, in Hoffenheim. Am Ende ist er durch die Fußballwelt getingelt, als einer der letzten Vertreter des sogenannten Feuerwehrmannes. Immer dann, wenn es besonders düster aussah, kam Stevens. Er hat dann den Mannschaften Disziplin beigebracht, eine kompakte defensive Taktik, und meistens stand die Null tatsächlich häufiger als zuvor. Passte ihm etwas nicht, gab er sich noch weniger Mühe als früher, seinen Unmut zu verbergen, dann war er wortkarg, eiskalt, mürrisch, sie nannten ihn immer noch den Knurrer von Kerkrade.

In der Ecke im Restaurant sitzt jetzt jedoch ein Mann, der abgeschlossen hat mit seiner Zeit als Trainer, er erzählt ausführlich, witzig, freundlich. Huub Stevens knurrt nicht mehr.

Angekündigt wird Stevens mit ein paar Sätzen, die noch einmal sein altes Ich bemühen, das des jähzornigen, unleidigen Schleifers, vom niederländischen Jack Nicholson ist die Rede. An diesen früheren Stevens erinnert jedoch nur noch seine raue Herbstmorgenstimme. Sein Gesicht, das in all den Jahren im Fußball kaum gealtert ist, hat inzwischen die milden Züge eines Pierre Brice, seine feinen, nach hinten gekämmten Haare sind an den Schläfen grau meliert. Stevens fängt das mit einem grauen Sakko auf.