Süddeutsche Zeitung

Mats Hummels:Recht nah am perfekten Abwehrspiel

  • Innenverteidiger Mats Hummels überzeugt beim 0:0 des BVB gegen den FC Barcelona.
  • Hummels antizipiert Bälle, bringt das Stadion zum Raunen und versorgt nebenbei die Abwehrkollegen mit Kommandos.
  • In der Sportbild spricht Hummels über die Diskussion um seine Schnelligkeit: Er sei "nicht so langsam, wie es oft dargestellt wird".

Zwei Fragen an Mats Hummels um kurz vor Mitternacht - die eine konnte der Dortmunder Abwehrspieler sofort beantworten, die andere nicht. Ob er zum Auftakt der Champions League gegen Barcelona überhaupt einen Zweikampf verloren hatte? Ja, in der ersten Halbzeit sei er gegen Luis Suárez einmal zu spät dran gewesen, referierte Hummels wahrheitsgemäß. Und ob dies sein bestes Spiel überhaupt im BVB-Trikot gewesen sei? Er stutzte. "Wie viele Spiele habe ich für Dortmund gemacht? 400?", fragte Hummels zurück: "Ich denke darüber nochmal nach und gehe alle durch."

Ein Scherz, Hummels hatte die Frage damit aber auch ausdrücklich nicht verneint. Was Hummels beim für die Dortmunder am Ende enttäuschenden 0:0 gezeigt hatte, war dem perfekten Spiel eines Innenverteidigers tatsächlich recht nahegekommen. Hummels hatte Bälle antizipiert und das Stadion zum Raunen gebracht, nebenbei scheinbar mühelos die Abwehrkollegen links und rechts mit Kommandos versorgt. Und dann auch noch Suárez, Barcelonas Mittelstürmer, der einmal entwischen konnte, in allen übrigen Situationen zuverlässig abgemeldet.

Fast hätte Hummels den BVB sogar noch in Führung geköpft, kam an den möglichen Kopfball in der zweiten Halbzeit aber nicht ganz ran. Insgesamt war das eine mindestens richtig gute Partie, mitten rein in die Diskussion, ob Hummels nicht etwas langsam geworden sei und ob sein Fortgang aus München auch als Flucht vor der dortigen Qualität des Kaders interpretiert werden könnte.

"Wir haben ihn gebraucht", sagte Delaney über Hummels

Wer Hummels am Dienstagabend sah, der könnte ihn sich nicht nur weiter in der Nationalelf, sondern in vermutlich jeder Defensivreihe der Welt vorstellen. Er selbst musste sich nicht weiter loben, das taten andere. Trainer Lucien Favre etwa, der sagte: "Alle haben gesehen, dass er eine super Leistung gezeigt hat." Auch Thomas Delaney, der im Mittelfeld so spielte wie Hummels in der Verteidigung, attestierte seinem Kollegen "einen tollen Job". Es sei ein Unterschied zur vergangenen Saison, als Hummels noch in München kickte, nicht in Dortmund. "Wir haben ihn gebraucht", sagte Delaney, "er ist nicht nur ein Innenverteidiger, sondern auch ein Führungsspieler." Mit einem Lächeln ergänzte der Däne: "Er ist nicht mehr der Schnellste, aber immer noch schnell genug."

Da ahnte Delaney vermutlich nicht, dass am Mittwoch ein Interview erscheinen würde, das sich auch diesem Thema widmete. Die Sportbild hatte Hummels auf seine Schnelligkeit angesprochen; das abnehmende Tempo des Innenverteidigers war ein Hauptkritikpunkt, der rund um Hummels' Abschied aus München aufgekommen war. Vom "leidigen Tempo-Thema" spricht Hummels mittlerweile, da habe sich "ein gewisser Ruf festgesetzt. Ich weiß, dass ich kein Sprinter - oder, um im Bilde zu bleiben: kein Niki Süle bin." Süle, das ist der neue Abwehrchef in München, der trotz seiner Körpermasse auf Sprintwerte wie manche Stürmer kommt. Er sei trotzdem "nicht so langsam, wie es oft dargestellt wird", sagte Hummels weiter: "Wenn man 1 km/h langsamer läuft als der Gegenspieler, heißt das nicht unbedingt, dass man ein Laufduell verliert."

Was mit Stellungsspiel und der Fähigkeit, Ballwege vorweg zu ahnen, möglich ist, hatte er gegen Barcelona schließlich gezeigt. So konnte Hummels das Stadion im Gefühl verlassen, dass er das andere leidige Thema der vergangenen Wochen - eine mögliche Rückkehr in die Nationalelf, die Bundestrainer Joachim Löw jedoch ausschließt - ganz entspannt aus der Ferne betrachten kann. "Aus meinem Mund wird es nichts in die Richtung geben", sagte Hummels am Dienstagabend. Er weiß: Diese Debatte werden andere für ihn führen.

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