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Adi Hütters Wechsel zu Mönchengladbach:Eberls Kartentrick

Adi Hütter und Max Eberl

Herzlich willkommen: Borussia Mönchengladbachs Manager Max Eberl (rechts) begrüßt seinen künftigen Chefcoach Adi Hütter, noch Trainer in Frankfurt.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Den Abschied von Trainer Rose zum BVB hat Gladbachs Manager unlängst galant moderiert - vorausschauend, wie sich nun zeigt. Die Verpflichtung von Adi Hütter zeigt Gladbachs neue Stellung in der Bundesliga-Hierarchie.

Kommentar von Ulrich Hartmann

Das kleine Skigebiet Schuttannen im österreichischen Vorarlberg verfügt über vier Kilometer Piste und zwei Schlepplifte. Hat der passionierte Skifahrer Max Eberl etwa seine Manager-Auszeit im Januar hier verbracht und nebenher im Städtchen Hohenems in detektivischer Kleinarbeit Erkundigungen über den dort gebürtigen Adi Hütter, 51, eingeholt? Dieser tritt nun am 1. Juli seinen Trainerdienst bei Borussia Mönchengladbach an. Und Eberl überlässt die Dinge nur ungern dem Zufall.

Der 47 Jahre alte Niederbayer war kaum aus seinem Sabbatmonat zurück, da meldete Gladbachs Trainer Marco Rose im Februar seinen sommerlichen Wechsel zu Borussia Dortmund an. Eberl, gegenüber vierten Offiziellen und rüpelnden Fans mitunter leidenschaftlich grantig, gab darob auffällig galant den Rosenkavalier. Kein böses Wort gegen seinen Trainer, keines gegen den BVB. Und das nicht nur, weil Rose sich komplett an die Spielregeln hielt und eine Ausstiegsklausel zog, die Eberl ihm zwei Jahre zuvor freimütig eingeräumt hatte. Nein, Eberl wusste oder ahnte zumindest, dass zur Neubesetzung des vakanten Trainerpostens ebenfalls eine Abwerbung per Ausstiegsklausel erforderlich werden könnte. So wie jetzt bei Adi Hütter von Eintracht Frankfurt.

Wer beim Kartenspiel "Uno" zwei Karten ziehen muss, schaut erst mal blöd aus der Wäsche. Es sei denn, er wirft aus der eigenen Hand gleich eine Strafkarte hinterher und lässt damit den Nächsten in der Runde vier Karten ziehen. Eberl könnte ein guter Uno-Spieler sein. Die Rolle des gehörnten Managers hat er jedenfalls nonchalant nach Frankfurt weitergereicht. Dass es dort angesichts des bevorstehenden Weggangs von Sportdirektor Bruno Hübner und des vermuteten Abschieds von Vorstand Fredi Bobic kaum noch jemanden gibt, der zeitnah eine Zwei-Ziehen-Karte nachwerfen könnte, macht die Lage bei der Eintracht umso prekärer.

Die Bezeichnung Schuttannen in Vorarlberg geht der Sage nach auf eine kapitale Wettertanne zurück, die man von weither gesehen haben soll. In Mönchengladbach am Niederrhein sieht man erst mal nichts von weither, weil es dort kaum Erhebungen gibt. Die bekannteste, der Bökelberg, wird von Alpinisten nur belächelt. Der Borussia-Park hingegen gilt der gesamten Region als relevante Sehenswürdigkeit.

Der Manager Eberl hat Gladbach in der deutschen Fußball-Hierarchie nun wieder weiter vorangebracht. Nicht tabellarisch, wo die Borussen in dieser Saison deutlich hinter Klubs wie Wolfsburg und Frankfurt zurückgefallen sind - aber umso mehr im Image-Ranking. Denn dass der Trainer Hütter vom designierten Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt zum derzeitigen Mittelfeldklub Borussia Mönchengladbach wechselt, ist ein Coup. Dieser Coup kostet zwar dem Vernehmen nach zweieinhalb Millionen Euro, weil die Ablöse für Hütter 50 Prozent über den fünf Millionen für Rose liegen soll. Der Konkurrenz aber demonstrieren die Gladbacher damit, dass sie aus der demütigen Rolle des Zulieferers für die Branchengrößen wieder ein Stück mehr herausgewachsen sind.

© SZ/sjo
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