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Hamburger SV:Weg mit der Uhr, weg mit der Hymne

Uhr im Volksparkstadion

Noch mahnt sie an vergangene Zeiten: die Bundesliga-Uhr im Hamburger Volksparkstadion.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)
  • Nach dem Verpassen des direkten Wiederaufstiegs in die Bundesliga kündigt der Hamburger SV Veränderungen in der Außendarstellung an.
  • Zum einen soll die alte Bundesliga-Uhr im Stadion abmontiert werden. Kritik gibt es auch an der Stadionhymne.
  • "Lasst uns wieder glaubhaft werden", mahnt der mächtige Supporters-Chef.

Der verpasste direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga hat die Renovierungsaktivitäten beim Hamburger SV in besonderem Tempo beschleunigt. "Bundesliga-Dino" darf sich der HSV schon ein ganzes Jahr lang nicht mehr nennen, seit dem erstmaligen Abstieg in die zweite Liga im Sommer 2018. Nun soll auch für zwei besondere Relikte aus dieser Zeit das Ende gekommen sein.

Zum einen für die HSV-Uhr, die jahrzehntelang hoch oben am Oberrang des Stadions sekundengenau die Zugehörigkeit der Hamburger zur ersten deutschen Spielklasse angezeigt hatte. Sie tickte nach dem Abstieg 2018 zunächst trotzig weiter, nun soll sie noch in diesem Sommer abgebaut werden. Das hat Vorstandsboss Bernd Hoffmann verkündet.

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Nach den Konzerten von Andreas Gabalier (22. Juni) sowie Pink (8. Juli) in der Arena wird die Uhr aus der Tribünenverkleidung montiert. "Wir möchten uns in die Zukunft ausrichten", sagte Hoffmann via Bild, "dabei hilft der ständige Blick in den Rückspiegel nicht." Viel Widerspruch wird Hoffmann kaum zu erwarten haben. Die Uhr ist bald Geschichte, erste Interessenten, die sie gerne übernehmen würden, gibt es schon.

Darf Lotto King Karl noch einmal die Stadionhymne singen?

Und auch bei der Stadionhymne, die der Sängerbarde Lotto King Karl vor jeder Partie im alten Volkspark hoch oben auf seinem Baukran schmettert, stehen die Zeichen auf Abschied. Heimspiel für Heimspiel lässt sich Lotto mit seinem Kollegen Carsten Pape vor der Nordkurve in die Höhe heben, um dann puristisch mit Gitarre und Tambourin den Song zu singen: "Hamburg, meine Perle, du wunderschöne Stadt." Ein kleines Spektakel, ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Fußball, an dem sich keiner stören würde. Wenn nur der Text nicht wäre.

Weg mit der Hymne, das fordert nun Tim-Oliver Horn, der Chef der einflussreichen Fanvereinigung "Supporters-Club", der rund 88 000 Mitglieder vertritt. Dabei geht es Horn nicht um die zitierte Textstelle des Refrains: Es sind die Strophen, die viele Fans als nicht mehr zeitgemäß, sogar peinlich empfinden. Dort ist die Rede von den Fans des Lokalrivalen Werder Bremen ("wenn du aus Bremen kommst, gibt's für dich hier nichts zu holen") oder vom FC Bayern ("ziehen wir dir die Lederhosen aus"). Auch längst vergangenen Reisen im Europapokal wird gedacht ("wenn ich weit, weit weg bin, in Juve oder Rom").

"Wollen wir mal ehrlich sein?", schreibt Horn in seinem offenen Brief bei Facebook: "Bremen hat uns über Jahre abgehängt, hat uns am Ende immer geschlagen, wenn es darauf ankommt." Er würde sich nur zu gerne verabschieden von einer "Stadionhymne, in der es in keiner Textstelle um den HSV geht, in der wir immer noch von Juve oder Rom träumen", obwohl der HSV seit der Spielzeit 2009/2010 nicht mehr international unterwegs war.

"Lasst uns wieder glaubhaft werden", schreibt der Supporters-Chef also, denn: "Hanseatisches Understatement sieht anders aus." Laut Abendblatt prüft der Klub nun intern, ob die Hymne noch eine Zukunft hat.

Das Deutsche Fußballmuseum bewirbt sich um die Uhr

Beide Vorgänge sind symptomatisch dafür, dass sich viele beim HSV nach einer neuen Außendarstellung und einem anderen Selbstverständnis sehnen. Der Hamburger SV ist nur noch ein Zweitligist, dies gilt es zu akzeptieren. Horn wünscht sich "einen HSV, in dem Taten mehr zählen als Worte, einen HSV, den man wieder respektiert und einen HSV, der Haltung zeigt". Und keinen HSV, der in der Vergangenheit schwelgt und von Fußballfans aus der ganzen Republik wegen seiner Eigentümlichkeiten belächelt wird.

Um die alte Bundesliga-Uhr hat sich bereits das neu eröffnete Deutsche Fußballmuseum in Dortmund beworben. "Wir hätten da noch Platz ...", erklärte das Museum auf Twitter. Und wie das nun mal so ist, wenn es um den HSV geht: mit einem augenzwinkernden Smiley.

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