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Verpasster Aufstieg des HSV:"Wir haben jedes Mal versagt"

HSV - Jann-Fiete Arp vom Hamburger SV

Wechselt nun lieber zum FC Bayern: Hamburgs glückloser Stürmer Jann-Fiete Arp.

(Foto: dpa)
  • Mit dem verpassten Aufstieg verspielt der HSV auch das Vertrauen, dass der Klub aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.
  • Investor Klaus Michael Kühne greift die Klubführung an: Diese habe zu lange an Trainer Hannes Wolf festgehalten.
  • Hier geht es zur Tabelle der zweiten Liga.

Am Montagmorgen wurde im Volkspark schon wieder trainiert. Die Saison irgendwie mit Restanstand zu Ende bringen, lautet das Motto beim Hamburger SV, obwohl kaum einer mehr Lust darauf verspürt. Das große, alles überlagernde Ziel, der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga, wurde am Sonntag durch ein klägliches 1:4 in Paderborn verpasst. Beim sportlich wertfreien Saisonabschluss gegen den MSV Duisburg am kommenden Sonntag wird das Team in der eigenen Arena nun Schimpf und Schande der Fans ertragen müssen. Und die wird wohl, man kennt das Hamburger Publikum, richtig derbe ausfallen.

Es ist etwas kaputt gegangen in den vergangenen Wochen beim HSV, vor allem das Gefühl, dass der Klub endlich wieder besseren Zeiten entgegensteuert. War der erstmalige Abstieg dazu genutzt worden, eine neue Strategie zu propagieren, einen Teil der überteuerten Mannschaft loszuwerden, einen neuen Sportvorstand zu verpflichten und verstärkt auf junge, hungrige Spieler zu setzen, steht nun die bittere Erkenntnis, dass kaum etwas besser geworden ist.

Alle, die den erstmaligen Abstieg nach zuvor mehr als 54 Jahren ununterbrochener Bundesliga-Zugehörigkeit als Unfall abtaten, der sich binnen eines Jahres flugs wieder korrigieren lässt, haben nun die Gewissheit: Korrigieren lässt sich nichts mehr. Der HSV bleibt Zweitligist - zumindest für weitere zwölf Monate. Oder braucht der Klub gar eine neue Uhr, um die Zweitligajahre zu zählen?

Acht schwer erklärbare Partien ohne Sieg

Der HSV hat es jedenfalls geschafft, eine ziemlich sichere Nummer zu verspielen, und das, obwohl der HSV neben Köln den anderen Teams in der zweiten Liga finanziell turmhoch überlegen war. 29 Millionen Euro Jahresetat - die sollten die Rückkehr in die erste Liga garantieren. Doch der HSV stabilisierte stattdessen seinen Ruf als Geldverbrennungsmaschine (der ihm schon in der Bundesliga vorausgeeilt ist). Nach dem 4:0 im Derby gegen den FC St. Pauli Mitte März, als die Zeichen noch auf Aufstieg standen, folgten acht schwer erklärbare Partien, in denen alles verspielt wurde. Aus denen der Klub nur noch drei Punkte holte, zuletzt in Serie 0:2 gegen Union Berlin, 0:3 gegen Ingolstadt, 1:4 gegen Paderborn verlor.

"Wir haben eine katastrophale Rückrunde gespielt und sind völlig verdient nicht aufgestiegen", fasste es Aaron Hunt zusammen. "Es gab genug Möglichkeiten", bemängelte der Kapitän, "letztendlich haben wir jedes Mal versagt."

"Jeder Einzelne muss sich hinterfragen, ob er für dieses Ziel in der Rückrunde wirklich alles gegeben hat", haderte auch Torwart Tom Mickel. Er bekam Zuspruch von Felix Magath, zweimaliger Europapokalsieger mit dem HSV und Klubidol. "Was für ein Desaster. Mir blutet das Herz", schrieb Magath in den sozialen Medien. Er mahnte "viele falsche Entscheidungen" an und machte eine gewisse Renitenz der Verantwortlichen gegen das drohende Unheil aus ("vor Wochen wollte niemand kritische Töne hören"). Seine offene Frage zum Schluss: "Wer übernimmt jetzt die Verantwortung?"

Auch von Investor Klaus Michael Kühne kam am Tag danach deutliche Kritik - an der Klubführung, aber auch an Trainer Hannes Wolf. Er habe dem Aufsichtsrat und dem Vorstand schon im Februar "schriftlich empfohlen, den Trainer auszuwechseln, weil sich mit dem in Regensburg verlorenen Spiel der Niedergang für mich abzeichnete und er durch falsche Entscheidungen des Trainers gekennzeichnet war", teilte der Milliardär am Montag mit: "Die fehlende Handlungsbereitschaft der einschlägigen Gremien war aus meiner Sicht verhängnisvoll."