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Hamburger SV:Wie war das mit dem Aufstieg?

HSV-Spieler Sonny Kittel beim Spiel Hamburger SV gegen Karlsruher SC

Was sollen wir denn noch machen? Hamburgs Sonny Kittel wirkt ratlos.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Der HSV verliert den Glauben: Nach dem fünften sieglosen Spiel nacheinander wird der Sprung in die Bundesliga immer unwahrscheinlicher - und die Beteiligten wirken ratlos.

Von Carsten Scheele

Daniel Thioune, der Trainer des Hamburger SV, hat sich bislang stets hingestellt und gesagt: Wir schaffen das! Egal, welchen Rückschlag sein Team im Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga hinnehmen musste: Schaffen wir noch! Niederlage gegen Darmstadt, Pleite gegen Sandhausen, Unentschieden in Regensburg: Kann noch klappen. Insofern haben die neuerlichen Punktverluste des HSV am Donnerstagabend im Nachholspiel gegen den Karlsruher SC (1:1) etwas angestellt mit dem Trainer.

Plötzlich klang Thioune eher erschüttert als unerschütterlich optimistisch. "Es macht keinen Sinn mehr, über die Mannschaften um uns herum zu reden", sagte Thioune angesichts der fünften Partie hintereinander ohne Sieg. Wie war das mit dem Aufstieg, der in diesem Jahr, nach zwei selbstverschuldet verspielten Versuchen, endlich gelingen sollte? "Wir brauchen nicht über Dinge zu reden, die sich nicht realisieren lassen, wenn wir keine Fußballspiele gewinnen."

Noch griffiger, wenn auch analytisch verknappt fasste es Verteidiger Rick van Drongelen zusammen. Er hatte gerade seinen ersten Startelf-Einsatz nach seiner Kreuzbandverletzung absolviert und dabei einen reichlich verunsicherten Eindruck hinterlassen. "Im Moment", sagte van Drongelen also, "ist alles scheiße."

"Die Grundtugenden haben uns gefehlt", mosert Torwart Ulreich

Die Lage das HSV hat sich abermals zugespitzt, und die Saison wird für den früheren Bundesliga-Dino wohl mit der Startberechtigung für ein viertes Jahr in der so ungeliebten zweiten Liga enden. Der Tabellenerste, der VfL Bochum, ist mit acht Punkten längst enteilt; auch die fünf Punkte Rückstand auf den Zweiten, Greuther Fürth, wird der HSV bei drei ausstehenden Spielen kaum aufholen. Als Dritter liegen die Hamburger gerade noch auf den Relegationsrang - der Vierte Holstein Kiel ist zwei Zähler zurück, hat aber drei Spiele weniger absolviert. Der Rest ist einfache Mathematik.

Das sehen auch die Spieler so. "Wir müssen jetzt nicht über den Aufstieg reden", sagte Torwart Sven Ulreich, der ja eigentlich geholt wurde, um das Münchner Sieger-Gen in die traditionell verunsicherte Hamburger Mannschaft zu implantieren. Sein Urteil am Sky-Mikrofon: "Die Grundtugenden haben uns gefehlt. So wie wir in die Zweikämpfe gehen, kann man es in der zweiten Liga nicht machen." Dem widersprach Thioune zwar im Grundsatz, eine überzeugende argumentative Gegenrede des Trainers blieb aber aus.

Wie auch, nach dieser Partie gegen ersatzgeschwächte Karlsruher, die erst kürzlich aus einer Corona-Quarantäne zurückgekehrt sind. In der die Hamburger spielerisch sehr wenig anboten, nach einem schwach geschossenen Elfmeter im Nachschuss durch Simon Terodde aber dennoch in Führung gingen (56.) - und sie binnen einer Minute wieder verspielten. Anpfiff, Eckball, Kopfball Daniel Gordon, Tor (57.) "Die Kapitulation", übertitelte der Kicker seine Niederschrift zur Lage des ehemaligen Aufstiegsfavoriten, der zur Saisonhalbzeit mit drei Punkten Vorsprung auf Rang eins gelegen hatte. "Zweite Liga, Hamburg bleibt dabei", orakelte das Hamburger Abendblatt.

Auch Thioune klang, als hätte er die noch laufende Spielzeit bereits abgeschrieben. "Uns hätte nach der privilegierten Position nach der Hinserie eine ordentliche Rückserie gereicht", sagte der Trainer, es folgte jedoch diese Rückrunde mit bislang drei Siegen, sieben Unentschieden und vier Niederlagen in 14 Spielen, was nach den geltenden Regeln des Fußballs selten mit einem Aufstieg belohnt wird. Aber mit diesem rechnet in Hamburg ohnehin kaum noch jemand.

© SZ/ska
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