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HSV in der Relegation:"Es gibt überhaupt nix zu feiern"

Mahnt noch zur Zurückhaltung: HSV-Trainer Buno Labbadia

(Foto: AP)
  • Der Hamburger SV rettet sich wie in der vergangenen Saison noch auf einen Relegationsplatz.
  • Trainer Bruno Labbadia trifft in den Entscheidungsspielen um den Klassenverbleib in jedem Fall auf einen Ex-Klub.
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Bruno Labbadia vertrieb sich die bangen Minuten mit kräftigen Umarmungen. Direkt nach Abpfiff drängte er seine Spieler in die Spielfeldmitte, herzte dort erst Ivica Olic, schloss dann seine Arme fest um Gojko Kacar. Das Ergebnis aus Paderborn war noch nicht amtlich vermeldet worden, das bedeutete noch zwei Minütchen Hoffnung: Dass sich der Hamburger SV zum Finale dieser Saison doch noch irgendwie direkt gerettet haben könnte.

Über die Smartphones wurde sekündlich der Zwischenstand gecheckt, auf den Tribünen rumorte es. Dann flüsterte Labbadia jemand, dass Paderborn gegen den VfB Stuttgart doch kein Tor mehr geschossen hatte. Sofort schickte er seine Spieler in die Nordkurve. Dort wurde es laut, die Fans brüllten ihre Dankbarkeit heraus. "Immer erste Liga" schallte es ihnen entgegen. Dabei hatte sich der HSV "nur" für die Relegation qualifiziert - und trifft dort auf den Zweitliga-Dritten Karlsruher SC.

Wieder ein Trainingslager in Malente: "Wie eine kleine Burg"

Wie in der vergangenen Saison muss der HSV also in die Extrarunde, am Donnerstag und am Montag darauf geht es in zwei Entscheidungsspielen gegen den Drittplatzierten der zweiten Liga, der Darmstadt, Karlsruhe oder Kaiserslautern heißen könnte. "Es gibt überhaupt nix zu feiern", merkte zwar Heiko Westermann nach dem Spiel kritisch an. Trotzdem war der HSV an diesem Nachmittag zweifellos ein Gewinner. Vor dem Relegations-Heimspiel am Donnerstag, für das der HSV bereits am Sonntag 50.000 Karten abgesetzt hatte, kaserniert Labbadia seinen Profis erneut in einem Trainingslager in Malente ein: "Malente war für uns wie eine kleine Burg. Viele Dinge haben deshalb dafür gesprochen, sich wieder dort vorzubereiten", sagte der Coach.

Es waren 90 hochemotionale Minuten gewesen, dieses 2:0 (0:0) am letzten Spieltag gegen Schalke 04. Drei Punkte hatten die Hamburger dringend einfahren müssen, um die theoretische Chance auf den Klassenerhalt zu erhalten. Das taten sie, durch Tore von Ivica Olic (49.) und Slobodan Rajkovic (58.), die die Hamburger Arena fast bersten ließen. Insbesondere nach dem Dosenöffner-Tor von Olic spielten sich irre Jubelszenen ab: Trainer Labbadia stürmte wild auf den Rasen, Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer schrie oben auf der Tribüne seine Emotionen heraus. Auf den Rängen saß auch Olli Dittrich, der Fernsehkomiker und HSV-Edelfan, in blau-weißer Trainingsjacke. Er plusterte seine Backen auf, und als die Luft entwich, waren zwei Worte auf seinen Lippen gut ablesbar: "Alter Schwede."

Abstiegskampf brutal

Tanzen und Schluchzen

Groß war die Angst gewesen, dass an diesem Samstag der erste Abstieg des Bundesliga-Gründungsmitglieds besiegelt werden könnte. Nur auf Platz 17 hatte der HSV zuvor gestanden, das schlimmste Szenario konnte durch den Heimsieg und die gleichzeitige Freiburger Niederlage in Hannover jedoch abgewendet werden. "Wir haben das heute unter großem Druck sehr, sehr gut gemacht", lobte Labbadia. Einen "verdienten Sieg" hatte er gesehen.