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HSV:Erfolgreich mit Ulreich

SpVgg Greuther Fürth v Hamburger SV - Second Bundesliga

Stabilisator zwischen den Pfosten: Sven Ulreich gelang ein Zu-null-Debüt für den Hamburger SV.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Schon drei Siege, dazu ein neuer Keeper: Der Hamburger SV startet beachtlich in die Saison - lediglich Toni Leistner macht Probleme.

Von Thomas Hürner, Fürth/Hamburg

Es ist schon eine Weile her, seit es vom Hamburger SV zuletzt eine so positive Nachricht zu vermelden gab: Drei Spiele, drei Siege - der Saisonstart des HSV ist nicht nur punktemäßig makellos verlaufen, er stellt für den Traditionsklub in der zweiten Liga auch eine neue Bestmarke dar. Das liegt zwar natürlich vor allem daran, dass die Zweitliga-Geschichte des HSV eine immer noch junge ist. Dennoch: Der 1:0-Sieg am Samstag bei der SpVgg Greuther Fürth fügt sich in das kohärente Bild, das die Mannschaft unter ihrem neuen Trainer Daniel Thioune bislang abgegeben hat. Ein Bild, das in Hamburg langsam wieder Hoffnungen weckt.

Schon vor der Partie hatte Thioune auf der Pressekonferenz eine gewisse Favoritenrolle eingeräumt, weiter betont bescheiden zwar, aber nach dem desaströs verpatzten Aufstieg in der vergangenen Saison waren Worte wie "Favorit" in Hamburg zuletzt kaum zu hören gewesen. Für das wachsende Selbstbewusstsein sprach auch der Auftritt in Fürth: in der Defensive stabil, in den Zweikämpfen robust, trotz eines Rückschlags bis zum Ende seriös.

In der 53. Minute sah Innenverteidiger Toni Leistner, der den verletzten Tim Leibold als Kapitän vertrat, nach einer Notbremse die rote Karte. Vor der Halbzeit hatte Khaled Narey den HSV nach einem feinen Steilpass von Stürmer Simon Terodde in Führung gebracht (45.), es galt nun also die knappe Führung in Unterzahl zu verteidigen, gegen einen druckvoll agierenden Gegner. Der HSV der vergangenen Saison wäre wohl stark gewankt, vermutlich hätte er am Ende wieder großen Schiffbruch erlitten - aber diesmal durfte der Trainer nicht zu Unrecht ein "großes Kompliment" aussprechen. Fürth konnte sich in Überzahl kaum zwingende Chancen herausspielen - und der HSV diese "Riesen-Herausforderung" (Thioune) letztlich bestehen.

Nun wäre es nicht das erste Mal, dass der HSV wie ein ernst zu nehmender Aufstiegsaspirant in die Saison startet, nur um dann auf groteske Weise doch noch alles zu vermasseln. HSV-Sportvorstand Jonas Boldt hat angesichts dieser Erfahrungen einige Korrekturen im Kader vorgenommen: Gegen Fürth spielte erstmals Zugang Sven Ulreich, 32, der eine tadellose Leistung zeigte und endlich die konstant zuverlässige Nummer eins im HSV-Tor werden soll. Auch ansonsten wurde mit den Verpflichtungen von Stürmer Terodde, Mittelfeldabräumer Klaus Gjasula und dem (bisher eher unbeständigen) Leistner viel Wert auf Erfahrung gelegt - und auch darauf, dass unter dem neuen Trainer alte Hierarchien aufgebrochen werden. Das mit den Hierarchien bleibt in Hamburg aber so eine Sache: Sportvorstand Boldt würde seinen im Sommer 2021 auslaufenden Vertrag gerne verlängern, der Aufsichtsrat lässt sich aber noch Zeit. Zuletzt gab es deshalb Gerüchte über ein Interesse des italienischen Erstligisten AS Rom. Ohne ein bisschen Unruhe geht es halt doch nicht in Hamburg.

© SZ vom 19.10.2020
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