Kommentar Der Dino muss weg

HSV-Maskottchen Dino Hermann.

(Foto: dpa)

Weiterwursteln, bis immer wieder der nächste Feuerwehrmann kommt? Es braucht einen Einschnitt, wenn der HSV nicht die größte Geldverbrennungsanlage der Bundesliga bleiben will.

Kommentar von Thomas Hahn

Markus Gisdol wird seine Entlassung beim HSV nicht persönlich nehmen. Er kennt die Gesetze des Fußball-Geschäfts. Er kennt mittlerweile auch den HSV. Er weiß, dass dort kaum einer die Kraft zum Querdenken besitzt. Sechs Spiele ohne Sieg, Heimniederlage gegen den Tabellenletzten, Platz 17 - was kann man da machen? Den Trainer feuern, klar. Eine Alternative habe es nicht gegeben, hat Vorstandschef Heribert Bruchhagen gesagt. Eine neue Idee, eine andere Lösung als die nächstliegende, war keine Option. Typisch HSV.

Natürlich hätte es eine Alternative gegeben: Gisdol behalten, mit ihm notfalls in die zweite Liga gehen und unter seiner Leitung eine ganz neue Mannschaft aufbauen. Zugegeben, vielleicht wäre der meist freundliche Baden-Württemberger Gisdol nicht der richtige Mann für die radikale Wende in Hamburg. Aber so taumelt der Klub eben wieder vom einen Feuerwehrmann zum nächsten. Vielleicht gelingt sogar wieder eine Last-Minute-Rettung wie so oft in den vergangenen Jahren. Und dann? Weiterwursteln, bis der nächste Feuerwehrmann kommt? Längst stellt sich beim HSV die Frage, ob der erste Abstieg seiner Bundesliga-Historie nicht sogar heilsam sein könnte.

Die Mannschaft des HSV erzählt seit Jahren nur noch ein Märchen

Die Antwort ist nicht so einfach. Missmanagement und kurzsichtiges Mäzenatentum haben dem Traditionsverein hohe Schulden und falsche Freunde eingebracht. Der Zwangsversetzung könnten Jahre in der Zweitklassigkeit folgen - wenn sie den HSV nicht gleich in den Ruin stürzt. Trotzdem: Irgendeinen Einschnitt muss es geben, wenn der HSV nicht die größte Geldverbrennungsanlage der Bundesliga bleiben will. Die Mannschaft braucht eine neue Geschichte. Seit Jahren erzählt sie nur noch das Märchen vom Bundesliga-Dinosaurier, der mit einer zusammengeschusterten Gruppe aus überbezahlten Mittelklasse-Profis vergangenen Erfolgen hinterher humpelt. Das passt nicht zum Innovationsstandort Hamburg, der seine Elbphilharmonie feiert, moderne Stadtentwicklung vorantreibt und in Forschung investiert.

Der Dinosaurier ist ausgestorben, er gehört auch beim HSV in die Tonne. Seine Jugendarbeit hat der Klub reformiert, zahlreiche Talente trainieren im Schatten des Volksparkstadions - jetzt braucht auch die erste Mannschaft ein neues Selbstverständnis. Drei Fast-Abstiege in vier Jahren haben nicht dazu geführt, dass Querdenker die Trägheit des stolzen HSV-Kosmos aufbrechen. Es braucht wohl doch einen echten Niederschlag. Sonst werden die eingesessenen Strippenzieher dieses großen Vereins nie kapieren, dass guter Fußball mehr braucht als ein paar gut gefüllte Geldsäcke.

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