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2. Bundesliga:Die großen Klubs können viel verlieren

Hamburger SV v 1. FC Koeln - Second Bundesliga

Jann-Fiete Arp, Pierre-Michel Lasogga und Aaron Hunt wollen wieder hoch mit dem HSV.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Die 2. Liga startet in die Rückrunde und ganz oben an der Tabelle stehen mit Hamburg und Köln zwei gefallene Traditionsklubs.
  • Hamburgs Erster Bürgermeister demonstriert mit einer Geste die Großmannssucht der Hansestadt.

Hamburg zu mögen und es zu verstehen, sind zwei sehr unterschiedliche Tätigkeiten. In kaum einer anderen Stadt liegen sachlicher Kaufmannsgeist und Selbstüberschätzung so dicht beieinander wie hier. Sich in aller Bescheidenheit großartig zu finden, ist eine Hamburger Neigung, die Zugereisten ein ewiges Rätsel bleibt - ebenso wie die Eigenschaft, sich mit großer Umsicht immer wieder zu viel zuzumuten. Und pünktlich zum ersten Zweitliga-Spieltag 2019 hat der stets unaufgeregte SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher ein Beispiel dafür geliefert, wie fließend die Grenzen zwischen hanseatischem Sportsgeist und Anmaßung sind. Tschentscher hat den HSV für den Fall des Aufstiegs zum Feiern auf den Rathausbalkon eingeladen. Jetzt. Warum?

16 Runden sind noch zu absolvieren im ruppigen Tagesgeschäft der Zweitklassigkeit, genug Zeit, um eine Tabellenführung zu verspielen. Dem HSV hat es in der Vergangenheit nie gut getan, Momentaufnahmen als Verheißung eines größeren Glückes zu deuten. Außerdem ist der FC St. Pauli ja auch noch da, der an diesem Dienstag in Darmstadt spielt und als drittplatzierter Außenseiter seinerseits Aufstiegschancen hat. Für St. Pauli gelte die Einladung natürlich auch, hat Tschentscher rasch nachgeschoben. St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich antwortete im Abendblatt knapp: "Wir entscheiden, wie wir feiern, wenn es so weit ist."

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Man kann lange darüber diskutieren, ob ein Rathausbalkon wirklich der richtige Ort für die Aufstiegsfeier eines gefallenen Traditionsvereins ist. Der HSV hat hier schon Meisterschale und DFB-Pokal vorgezeigt, also jene Erfolge begangen, die Teil seines Mythos' sind. Wenn er in dieser Saison als Erster oder Zweiter die Rückkehr in die Bundesliga schafft, wäre das zwar keine Selbstverständlichkeit. Aber auch nicht viel mehr als die Wiedergutmachung eines Abstiegs, der dem Klub mit seinen Mitteln eigentlich gar nicht hätte passieren dürfen. Ein Rathausbalkon sollte Titelträgern vorbehalten bleiben, sonst wird dieser besondere Ort zu einer Bühne der Mittelmäßigen.

Vor allem aber zeigt die gut gemeinte Einladung, was das Problem von Altmeistern ist, die sich durch ihr Exil im Unterhaus kämpfen müssen. Wie selbstverständlich haben der HSV und der 1. FC Köln an der Tabellenspitze überwintert. Aber so eine Rückrunde ist kein Selbstläufer. Es gibt was zu verlieren für die großen Klubs, der Atem der Verfolger ist heiß. Wer zu früh über mögliche Feierlichkeiten nachdenkt, vergewaltigt die Konzentration aufs Wesentliche. Gerade in Hamburg neigt man dazu, sich zu früh zu freuen, um dann nach einer bösen Überraschung besonders enttäuscht zu sein.

Auch Favoriten müssen die Aufgabe ernst nehmen, ihren Vorsprung zu halten, sonst schlagen die anderen zu. Die HSV-Verantwortlichen wissen das, deshalb reagierten sie auch eher ratlos auf das Tschentscher-Angebot. Sie fanden es nett, unpassend, schwer einzufangen. Blöde Situation. Sportvorstand Ralf Becker fragte: "Was soll ich dazu sagen?" Der Prunk des Rathauses, der hanseatische Anspruch auf Glanz und Größe sind für den HSV gerade sehr weit weg. Am Mittwoch kommt der SV Sandhausen.

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