Horst Heldt bei Hannover 96 "Ja, ich möchte mit Köln reden"

Fühlt sich vom Kölner Interesse mehr als geehrt: Horst Heldt.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)
  • Hannovers Sportdirektor Horst Heldt wird vom 1. FC Köln umworben, und der Sportchef möchte gerne in die Gespräche einsteigen.
  • Schon in seiner Jugend und später als Profi spielte Heldt für den FC.
  • 96-Boss Martin Kind reagiert schnippisch, denn es gibt da eine Vorgeschichte.
Von Carsten Scheele, Hannover

Es fällt den Menschen bei Hannover 96 gerade schwer, sich über eine Momentaufnahme zu freuen. Da holte die Mannschaft am Freitagabend in einer komplizierten Partie ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart; durch das 1:1 (0:1) bleibt 96 zwei Punkte vor den Stuttgartern und in der Tabelle oben dran. Schon 19 Punkte hat der Aufsteiger geholt, aktuell bedeutet das Rang acht. Und vor allem: elf Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. Mit dem Abstieg sollte Hannover in dieser Spielzeit nichts zu tun haben.

Das allein sollte Grund zur Freude sein beim Aufsteiger, doch in Hannover überlagern klubinterne Rangeleien oft das Sportliche. Meist sind es die eigenen Ultra-Fans, die gegen Vereinschef Martin Kind brüllen, selbst wenn die Mannschaft führt und gewinnt. Nun sind es die Gerüchte um Sportchef Horst Heldt, der beim Aufsteiger offenkundig gute Arbeit verrichtet, den aber das Angebot des 1. FC Köln, dort künftig als Sportchef zu agieren, alles andere als kalt lässt.

Heldt ist emotional berührt

Zwar hat Martin Kind klar gemacht, Hannover 96 werde Heldt (erst seit März 2017 im Amt) nicht ziehen lassen. Dieser dürfe zwar mit den Kölnern reden, mehr aber nicht: Heldt habe in Hannover schließlich einen Vertrag bis 2020. Die Frage ist trotzdem: Wie lange kann der Klub ihn halten, wenn es ums Herz geht? Heldt wuchs im rheinländischen Königswinter auf, spielte schon in der Jugend bei Köln, später 130 Mal für den FC in der Bundesliga. Zwar hat Heldt in Hannover noch nicht um Freigabe gebeten, es ist allerdings offensichtlich, dass ihn das Angebot aus Köln, wo der Posten des Sportchefs seit dem Abschied von Jörg Schmadtke vakant ist, emotional berührt.

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Der VfB holt im Duell der Aufsteiger bei Hannover 96 den ersten Auswärtspunkt der Saison - ärgert sich aber über einen umstrittenen Foulelfmeter.

Um dieser Gefühlslage Herr zu werden, fuhr Heldt am Freitagabend zwei Strategien, eine vor, eine nach dem Spiel. Vor dem Anpfiff erklärte er beim TV-Sender Eurosport selbstbewusst, er kommentiere die Gerüchte nicht, "dabei bleibe ich auch". Der Frage, ob er in der Rückrunde noch Hannovers Sportchef sein werde, wich er lachend aus, indem er schnell über den neuen Rasen sprach, der in der Arena verlegt wurde. Ein Bekenntnis pro 96 verkniff er sich.

Nach dem Spiel klang Heldt dann ernster, nachdenklicher. "Ja, ich möchte mit Köln reden", bestätigte Heldt offenherzig. Täte er dies nicht, könnte es ein "Riesenfehler" sein. Denn der FC sei "mein Heimatverein, ich bin da groß geworden". Heldt warb weiter um Verständnis: "Das ist eine außergewöhnliche Situation für mich, deshalb muss ich dieses Gespräch führen."

Verliert Hannover erneut einen Sportdirektor an Köln?

Geht der Sportchef? Oder muss er bleiben? Die Fragezeichen rund um Heldt führten dazu, dass das Spielgeschehen am Freitag fast unwichtig war. Dabei hätte die Partie für Hannover leicht in der dritten Niederlage in Serie enden können. Martin Harnik verlor in der gegnerischen Spielhälfte den Ball, Stuttgart schaltete schnell, und weil 96-Torwart Philipp Tschauner einen harmlosen Schuss von Christian Gentner prallen ließ, konnte Takuma Asano das 1:0 für die Gäste erzielen (24.). Es dauerte bis zur 76. Minute, ehe Hannover ausglich. Niclas Füllkrug verwandelte einen umstrittenen Elfmeter, den gewiss nicht jeder Unparteiische gibt, Schiedsrichter Christian Dingert an diesem Abend aber schon. So endete die Partie 1:1. Doch das große Thema blieb Horst Heldt.

Das Pikante an der Situation: Schon einmal musste Kind einen Sportdirektor nach Köln ziehen lassen. Eher indirekt, aber es war Jörg Schmadtke, der Hannover im Jahr 2013 trotz laufenden Vertrags verließ, um nur zwei Monate danach in Köln anzuheuern. Nun also die Kölner Avancen um Heldt. Kind reagierte schnippisch, er habe mitbekommen, dass "Köln an vielen Stellen rumfummelt". Doch das könne der Klub diesmal "vergessen: Das Leben ist kein Wunschkonzert", bemerkte Kind, zumal der Wechsel nach Köln für Heldt sportlich ein Abstieg wäre: Hannover ist nach Lage der Dinge ein Kandidat fürs gehobene Tabellenmittelfeld, vielleicht gar für den Europacup. Köln muss sich als Tabellenletzter sehr strecken, um nicht in der zweiten Liga zu enden.

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