Homosexualität im Profifußball:Eine Stärke, keine Schwäche

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Das Ausnutzen von Schwächen ist auch nicht das, was Fragen aufwirft. Das Ungewöhnliche ist, dass im Fußball - und vor allem dort - Homosexualität noch immer als Schwäche angesehen wird. Dabei zeugt es doch eher von Stärke, wenn ein Mensch dazu steht, wie er ist.

Dass der Fußball sich noch immer an seiner vermeintlich notwendigen Männlichkeit abarbeitet, hat verschiedene Gründe. Erst seit rund 100 Jahren dürfen Frauen in den westlichen Demokratien überhaupt Sport betreiben, denn Sport - so hieß es immer - sei zutiefst, genau, männlich. Kampfgeist, Ehrgeiz, Konkurrenzdenken, Aggressivität - diese Eigenschaften wurden lange ausschließlich Männern zugesprochen. Schließlich waren die gewohnt, diese Eigenschaften auch ausleben zu können.

Im Umkehrschluss waren diese vermeintlich ausschließlich männlichen Eigenschaften unverzichtbar, um ein guter Sportler zu sein. Schwule dagegen, so das Klischee, sind angeblich verweichlicht und schwach. Wer Fußballer ist, kann also nicht schwul sein? Oder können Schwule keine Fußballer sein?

Bislang hat es kein Fußballer, weder aus der Bundesliga noch aus der Nationalmannschaft, gewagt, das lebende Gegenbeispiel zu geben. Für einen Profi steht viel Geld auf dem Spiel: Sponsorenverträge wie auch Spielerverträge enthalten oft Klauseln, in denen Prämien und Gelder nur fällig werden, wenn der Profi spielt oder auftritt. Doch würde ein schwuler Fußballprofi in Deutschland noch spielen? Würden ihn die Fans unterstützen, dulden oder niedermachen?

Das öffentliche Klima für schwule Fußballer wird sich nur ändern, wenn der Fußball selbst aufhört, Homosexualität weiter an den Rand zu drängen. Dass Thomas Hitzlsperger angefangen hat, das Tabu zu brechen, ist ein bemerkenswerter Schritt, der in Zukunft nichts Besonderes mehr sein sollte.

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