Holstein Kiel:Der Bayern-Besieger gibt auf

Foto : Siegesjubel bei den Spielern ... von Holstein Kiel , hier Ole Werner der Trai Fussball - DFB - Pokal , am Mi. 13.; Ole Werner

8:7 nach Elfmeterschießen gegen die großen Bayern: Im Januar jubelt Trainer Ole Werner noch mit seinen Spielern - jetzt ist er zurückgetreten.

(Foto: Imago/Claus Bergmann)

Die schneeumwehte Pokalsensation gegen die Münchner im Januar bleibt unvergessen, jetzt kündigt Trainer Ole Werner überraschend bei Holstein Kiel - der Zweitligist wollte ihn noch umstimmen.

Von Jonas Beckenkamp

Was vom größten Spiel in der Karriere des Trainers Ole Werner am meisten in Erinnerung bleibt, ist der Schnee. Im Januar 2021 wehte eine beißende Brise durch das Kieler Holstein-Stadion, die Saukälte im Norden machte es dem FC Bayern in der zweiten Pokalrunde richtig ungemütlich. Doch es lag nicht nur am Wetter, dass Werners Klub Holstein Kiel die Übermannschaft von Hansi Flick im Elfmeterschießen rauskegelte - es hatte schon auch damit zu tun, dass diese Kieler einfach guten Fußball boten.

Flott ließ Werner, 33, spielen, seine Elf meist auf Angriff getrimmt, in der zweiten Liga trauen sich das nicht so viele. Deutschlands jüngster Profitrainer, nur wenige Kilometer außerhalb von Kiel geboren, war ein Original seines Vereins. Bis zum vergangenen Dienstagabend, denn nach einem achterbahnartigen Start in diese Saison reichte Werner nun überraschend seine Kündigung ein. Als ausschlaggebend empfand der Coach offenbar das jüngste 0:3 gegen Hannover 96, als die Kieler eine grauenhafte erste Hälfte erlebten und über weite Strecken in Unterzahl spielen mussten. Nur fünf Punkte und Platz 15 brachten Werner zum Nachdenken.

Ole Werner war 15 Jahre bei Holstein Kiel

"Ich habe nach reiflichen Überlegungen für mich entschieden, nicht mehr Cheftrainer der KSV Holstein zu sein", sagte er in einem vom Klub verbreiteten Statement. Nach 15 Jahren im Verein, erst als Spieler, dann als Trainer der zweiten Mannschaft und schließlich von 2019 an bei den Profis, sei dies auch für ihn ein einschneidender Schritt. Er halte diesen "nach reiflichen Überlegungen dennoch für den richtigen und für den Verein notwendigen".

Foto : Trainer Ole WERNER ( Holstein ) und rechts ... Assistent Dirk Bremser Fussball - 2. Bundesliga , Saisonvorbereit

"Die nach der turbulenten und anspruchsvollen letzten Saison vereinbarten neuen Reize haben leider nicht den erhofften Effekt gehabt": Ole Werner, links, wirkte zuletzt zunehmend nachdenklich. Bis ein neuer Cheftrainer gefunden ist, übernimmt Dirk Bremser (Zweiter von links) seine Aufgaben.

(Foto: Claus Bergmann/imago)

Den Klub erwischt Werners Selbstaufgabe ziemlich aus dem Nichts. Natürlich will man mittlerweile auch in Kiel mehr erreichen als einen Platz im Tabellennirwana, aber am Coach gab es eigentlich keine Zweifel. Sportchef Uwe Stöver bekräftigt, dass man Werner keinesfalls loswerden wollte. Er habe "in persönlichen Gesprächen versucht, ihn vom Gegenteil zu überzeugen und davon, den gemeinsam eingeschlagenen Weg weiterzugehen", sagte Stöver. Aber Werners Entschluss stand, und Holstein braucht vor der Partie bei Tabellenführer SC Paderborn am Samstag dringend einen Nachfolger. "Nun gilt es, mit der nötigen Ruhe und mit Bedacht eine für den Verein zukunftsfähige Lösung zu finden", erklärte Stöver, der zumindest für die nächsten Tage interimsmäßig auf Co-Trainer Dirk Bremser setzt.

Werner hat sein Team mehrmals drastisch umgebaut - doch der Erfolg blieb aus

Nachtrauern werden sie Ole Werner in Kiel allemal, denn er hat einiges bewegt. Gekommen war er vor zwei Jahren als Alternative zum davor erfolglos in die 2. Liga gestarteten André Schubert. Mit Werner hievte sich Kiel aus dem Startloch und wurde in der Saison 2019/20 immerhin noch Elfter, schon damals mit der fünftbesten Offensive im Unterhaus. In der vergangenen Spielzeit lief es sogar noch besser. Inspiriert vom Offensivmut des Coaches und den Toren von Janni Serra oder Fin Bartels ging es bis auf Platz drei - die Bundesliga schien nah zu sein. Nur der 1. FC Köln war in der Relegation einen Tick zu resistent.

Auch wegen der langen Pokalreise (bis ins Halbfinale), die mit der Sensation gegen die Bayern ihren Anfang genommen hatte, forderte die Saison den Kielern einiges ab. Angehäufte Corona-Quarantänen führten zu Nachholspielen und einem kaum zu bewältigenden Programm, das letztlich den direkten Aufstieg kostete. Zur aktuellen Spielzeit verließen einige etablierte Profis wie Serra, Jonas Meffert oder der Koreaner Lee Jae-Sung den Verein - während prominente Zugänge wie Fiete Arp oder Lewis Holtby bisher enttäuschen.

Werner hat das Team seit Saisonbeginn mehrmals drastisch umgebaut, doch drei 0:3-Pleiten in den ersten drei Saisonspielen hinterließen Zweifel. "Die nach der turbulenten und anspruchsvollen letzten Saison vereinbarten neuen Reize haben leider nicht den erhofften Effekt gehabt", sagte er nun. Das klingt kryptisch, aber am Ende ist es wohl so, dass der ewiger Kieler Ole Werner einen tieferen Absturz seines Herzensklubs nicht verantworten wollte. Ihm bleibt die Erinnerung an einen schneeumwehten Triumph im Januar.

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