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Holland scheidet sieglos aus:Elftal trotz umgestellter Offensive chancenlos

Erst kürzlich hatten die Bürger in Charkow in einer Abstimmung die sieben Wunder ihrer Stadt gekürt, und es ist schade, dass die Abstimmung schon vorbei ist, denn ansonsten hätte dieses Tor beste Chancen gehabt. Denn in der Entstehung des Tores hatte Robben den Ball auf dem rechten Flügel bekommen, also war Robben nach innen gezogen und nein, dann hatte Robben erstmals in seiner langen Karriere als Fußballprofi nicht abgezogen, sondern auf van der Vaart gepasst, der von kurz jenseits des Strafraums mit links zum 1:0 traf (11.).

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Das Problem war: Dieses Tor war ja erst die Hälfte des Nötigen. Das noch größere Problem war: Die Elftal kam trotz ihrer umgestellten Offensive kaum zu Gelegenheiten für ein zweites Tor. Zu stark stand der gegnerische 4+3-Riegel. Stattdessen erarbeiteten sich die Portugiesen eine Chance nach der anderen. Doch der Schuss von Cristiano Ronaldo landete am Außenpfosten (16.); Angreifer Helder Postinga vergab nach einem bösen Fehler von Verteidiger Gregory van der Wiel freistehend (18.); Raul Meireles traf nur ans Außennetz (19.); und einen Kopfball von Ronaldo (23.) hielt der gegnerische Torwart.

Abwehr total überfordert

Erst nach 28 Minuten gelang der völlig verdiente Ausgleich: Der aufgerückte Rechtsverteidiger Joao Pereira spielte einen feinen Schnittstellenpass auf Cristiano Ronaldo, der seine dritte Chance des Abends zu seinem ersten Tor bei dieser EM nutzte - und der kurz danach beinahe sein zweites Turniertor erzielt hätte. Ronaldo ansatzlos aus 30 Metern, Ronaldo mit dem Kopf, Ronaldo mit feiner Einzelleistung - die Elftal-Abwehr wirkte wie gegen Deutschland überfordert. Trainer van Marwijk räumte nach dem Spiel ein: "Wir haben zu viele Fehler gemacht. Nicht nur die Spieler - ich auch."

Immerhin hatten die Niederländer in der zweiten Hälfte einen Vorteil gegenüber ihrem Gegner: Ihr Spielziel war klar, sie mussten noch mindestens zwei Tore erzielen. Die portugiesische Elf hingegen war etwas in der Zwickmühle. So lange es beim zweiten Gruppenspiel remis stand, war sie mit dem 1:1 weiter und entsprechend war eher Defensive angesagt, um nicht ein Kontertor zu fangen. Doch was wäre, wenn Dänemark noch ein Tor schießt?

Würde sich Portugal dann nicht wahnsinnig über seine Zurückhaltung ärgern, zumal es offenkundig mehr Offensivkraft besaß als die Niederländer? Sie entschieden sich für eine Variante aus weitgehender Sicherheit mit kleinen offensiven Einsprengseln, weshalb es in der zweiten Hälfte zu deutlich weniger Torszenen kam als vor der Pause.

Die beste hatte Nani nach einem brillanten Querpass von Ronaldo in der 72. Minute, doch es war nur recht und billig, dass Torwart Maarten Stekelenburg dessen Schuss aus nur vier Metern Entfernung hielt. Denn das spielentscheidende und viertelfinalsichernde Tor zu erzielen, das musste an diesem Abend dem überragenden Ronaldo vorbehalten sein - und der tat das dann, in der 74. Minute, mit einem Zehn-Meter-Schuss.

Immerhin kamen die Niederlande danach noch zu Chancen, unter anderem einem Pfostenschuss von van der Vaart - doch da war es zu spät. Den Schlusspunkt bildete, natürlich, Ronaldo: mit einem Pfostenknaller.