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Holländische Nationalelf:Oranje quält sich aus dem Chaos

Vieles ist neu bei den Holländern, aber Wesley Sneijder ist immer noch da - gegen Schweden traf er zum 1:1.

(Foto: AP)

Nach der verpassten EM-Teilnahme suchen die Niederlande nach ihrer Fußball-Identität - beim 1:1 gegen Schweden sehen Experten wie Youri Mulder positive Zeichen für die Zukunft.

Das Spiel, das er als "das vermutlich wichtigste der WM-Qualifikation" bezeichnet hatte, sollte gleich beginnen, aber Wesley Sneijder wandte sich erst einem Einlaufkind zu. Sneijder war gerade im Spielertunnel des Stadions von Solna angekommen, Dienstagabend, WM-Qualifikationsspiel der Niederlande gegen Schweden, die TV-Kameras zoomten auf sein Gesicht. Schmatzend stand der Kapitän der Niederländer da, ein Kaugummi im Mund, dann zwinkerte er dem Jungen zu.

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"Bist du aufgeregt?", rief Sneijder.

"Ja!", rief der Junge, "ich habe ein kleines, kleines bisschen Angst."

"Nein, hab keine Angst, okay?"

"Okay!"

"Entspann dich, relax. Genieß es."

Entspannt euch! Das war die Botschaft, die Wesley Sneijder vor dem Spiel an die Einlaufkinder sendete. Und es war eine Botschaft, die er später, auf dem Platz, noch einmal verbreitete, diesmal aber ohne zu sprechen. Er schoss den Ball einfach ins Tor, in der 67. Minute, zum 1:1-Endstand.

So ein Unentschieden gegen Schweden lässt sich in viele Richtungen deuten, man kann es zum Beispiel machen wie Danny Blind, der niederländische Nationaltrainer. "Wir haben vergessen, uns selbst zu belohnen", sagte er. Blind rechnete vor, dass seine Mannschaft ein 3:1 verdient gehabt hätte, vielleicht sogar ein 4:1, so viele Chancen habe die Elftal gehabt. Andererseits hat dieses schlichte Einseins auch etwas Erstaunliches bewirkt.

Es hat die Stimmung rund um die Nationalmannschaft gedreht. Hatten niederländische Medien die Nationalelf vor wenigen Tagen noch vor dem "totalen Nichts" ( De Volkskrant) gesehen, klangen sie diesmal fast schon optimistisch. "Das Spiel bot vorsichtige Hoffnung für die Zukunft", fand etwa das Algemeen Dagblad, es habe nur das Glück gefehlt.

Noch einmal zur Erinnerung: Die Elftal ist jene Mannschaft, die 2010 WM-Zweiter wurde und 2014 WM-Dritter. Es ist aber auch die Mannschaft, die in der Qualifikation zur EM in Frankreich ausgeschieden ist, hinter Tschechien, hinter Island, hinter der Türkei. Es ist eine Mannschaft, die ihre fünf jüngsten Heimspiele verloren hat. Und eine, um die herum es in den vergangenen Wochen vor allem eines gegeben hat: Diskussionen.

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Zum Beispiel die über die Co-Trainer. Bislang galt die Besetzung dieser Position nicht als Thema, das einen nationalen Notstand auslösen könnte, aber in den Niederlanden waren sie zuletzt knapp davor. Das kam so: Erst stellte Dick Advocaat, einer der beiden Co-Trainer, sein Amt zur Verfügung, Mitte August war das. Dann verkündete der andere, Marco van Basten, dass er die Elftal bald verlassen wolle, in Richtung Fifa.