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Holczer-Aussage in Betrugsprozess gegen Schumacher:Keine Razzien bei Teamchef oder Ärzten

Rössner las daraus vor, demnach habe der Zeuge den Teamarzt Peruzzi bei der Baskenland-Rundfahrt 2008 dabei beobachtet, wie er "diverse Spritzen, eingepackt in Alufolie", im Kühlschrank des Teambusses verstaut habe. Schumacher berichtet, es habe sich um das Hormon IGF-1 gehandelt, und wie der Zeuge hätten auch die Gerolsteiner-Fahrer Oliver Zaugg (Schweiz, jetzt beim Riis-Team Saxo) und Matthias Russ (Reutlingen) die Spritzen "gesehen".

"Haben Sie Peruzzi, Zaugg und Russ vernommen?", fragte Rössner. Bei Schumacher habe eine Razzia stattgefunden, nicht aber bei Holczer oder Ärzten wie Schmidt. Auch die Akte Kohl fehle im Verfahren. Rössner nannte das alles "oberflächlich" und ergänzt später: "Es geht hier wohl nur um den kleinen bösen Sportler, der gedopt hat. Der Rest kommt davon."

Staatsanwalt Holzwarth, spürbar unter Druck, entgegnete: "Die Ermittlungen zum Fall Schumacher waren im Januar 2012 schon abgeschlossen." Rössner erwiderte verständnislos, Nachermittlungen seien dem Staatsanwalt möglich gewesen.

Richter und Staatsanwalt hatten zuvor bereits irritiert, als sie die Wucht eines weiteren Vorwurfs von Schumacher an Holczer partout nicht erfassten. Schumacher sagte aus, der Teamchef habe "den Synacthen-Dopingverstoß toleriert". Konkret berichtete er von der Rad-WM 2006, als er entkräftet ausstieg. Das - verbotene - synthetische Hormon Synacthen könne bei Hitze in zu hoher Dosierung die Entkräftung erklären.

",Schumi, was ist los bei dir, haste zu viel Synacthen geblasen?'", habe Holczer ihn gefragt, "das ist doch kein Ding im Team, kannst es ruhig sagen.'" Im Nachgespräch habe Sportchef Christian Henn "die richtige Dosierung" thematisiert.

Während Richter und Staatsanwalt erst nach und nach begriffen, dass auch die laut Schumacher eingenommene kleine Dosis - "eine Fünftel Ampulle" - ein Dopingvergehen darstellt, antwortet Holczer nun entschieden auf Fragen auch zu dieser Episode. "Ich hatte nie einen Verdacht!", sagt er, Synacthen habe er nur vorwurfsvoll erwähnt, auch über die Dosierung habe er nicht geredet: "Niemals!"

Von Henns Nachgespräch wisse er nichts, von Schumachers Dopingmittel Cera habe er erst 2008 gehört, ansonsten sei er trotz klarer interner Ansagen hilflos gewesen: "Sie sehen das nicht!" Und überhaupt: Wenn Schumacher bei der Tour 2008 ein Geständnis nur angedeutet hätte - "hätte ich gehandelt".

Michael Lehner, Schumachers zweiter Anwalt, sagt, als Holczer fortgeeilt ist: "Er hat also nichts gewusst, kannte sich medizinisch nicht aus? Dann war er kein guter Teamchef. Wir werden jetzt im Prozess die Widersprüche seiner Aussagen darlegen."

Der Prozess wird am Dienstag mit den Zeugen Holczer und Henn fortgesetzt. Mark Schmidt, der bisher Vorwürfe zurückwies, hat abgesagt: Er sei jetzt, vermeldete Richter Friedrich, ein viel beschäftigter Krankenkassen-Arzt und nehme sein Aussageverweigerungs-Recht in Anspruch.

© SZ vom 19.04.2013/jom

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