Wittmann und Hoffenheim vor GerichtKonflikt im Kraichgau

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Alte Zeiten: Dietmar Hopp (l.) 2018 mit Roger Wittmann.
Alte Zeiten: Dietmar Hopp (l.) 2018 mit Roger Wittmann.
Meiser/Jan Huebner/Imago
  • Das Landgericht Heidelberg verhandelt am Freitag über das Stadionverbot gegen Spielerberater Roger Wittmann wegen schwerer Beleidigungen von TSG-Funktionären.
  • Hoffenheim kann mit Tondokumenten belegen, dass Wittmann Vereinsvertreter als "Wichser" und "Affe" beschimpft und einem Manager Gewalt angedroht hat.
  • TSG-Finanzier Dietmar Hopp unterstützt Wittmann gegen die eigene Vereinsführung und nennt das Stadionverbot "eine Schweinerei".
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Hat der Spielerberater Roger Wittmann Menschen so hart beleidigt, dass es ein Stadionverbot in Hoffenheim rechtfertigt? Die Frage verhandelt am Freitag ein Heidelberger Gericht. In Wirklichkeit geht es aber um einen tieferliegenden Streit.

Von Philipp Selldorf, Heidelberg

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Stadionverbote werden üblicherweise gegen Personen ausgesprochen, die an Prügeleien teilgenommen, mit Böllern gezündelt oder schwerwiegende Beleidigungen zu verantworten haben. Letzteres war am Freitagvormittag am Landgericht Heidelberg der Vorwurf gegen den landesweit bekannten Spielerberater und -vermittler Roger Wittmann, 65. Während der Verhandlung standen mehrere konkret benannte Tiraden Wittmanns gegen Funktionäre der TSG Hoffenheim zur Debatte, was laut dem Gericht den Verdacht einer Straftat aufdrängt und nach Ansicht von Bild mitten in eine „Riesen-Schlammschlacht“ führt.

Zum Ausdruck kam allerdings, dass es in diesem Konflikt um mehr als ein paar rüde Schmähungen geht. Das jahrelang so außergewöhnlich enge Geschäftsverhältnis ist offenbar dermaßen belastet, dass der Bundesligaklub sich Anfang August genötigt und berechtigt sah, ein Stadionverbot gegen Wittmann auszusprechen. In der Liga sorgte das für Aufsehen: Seit dem Aufstieg der TSG in die Bundesliga im Jahr 2008 hat Wittmanns Agentur Rogon zahlreiche Hoffenheimer Spieler gemanagt und in den Verein gebracht. Wie tief die Schlammgrube im Kraichgau tatsächlich ist, blieb am Freitag jedoch erstmal verborgen. Anhand der Aktenlage könne sie erkennen, „dass vielleicht noch ganz andere Dinge zugrunde liegen“, sagte die Richterin Ute Schneiderat.

Wittmann, als langjähriger Mieter der Loge Nummer 207 Stammgast in der Hoffenheimer Prezero Arena, hatte eine einstweilige Verfügung beantragt, um wieder ins Stadion gehen zu dürfen. Unterstützt durch eine Streitmacht von Anwälten nahm er in Saal 1 auf der Klägerseite Platz und präsentierte sich in Pullover, Jeans und Turnschuhen den zahlreichen Prozessbeobachtern demonstrativ gelassen und siegesgewiss. Doch ob er beim Topspiel gegen den FC Bayern am übernächsten Wochenende wieder die gute Aussicht aus seiner Business Lounge genießen darf, das hat die Zivilkammer am Freitag nicht entscheiden wollen. Einen Beschluss wird es erst am kommenden Freitag geben.

„Roger oder Rodscher?“, wie er denn am liebsten angesprochen werde, wollte Richterin Schneiderat eingangs wissen. Wittmann zeigte an der freundlichen Geste kein Interesse: „Das suchen sich die aus, die mich ansprechen“, erwiderte er. Auch bei den wiederholten Versuchen, die Streitparteien zu einem Vergleich zu bewegen, traf die Kammer kein Entgegenkommen an. „Das Stadionverbot ist der zentrale Punkt, da sehen wir keine Verhandlungsmasse“, erklärte im Namen der TSG der Anwalt Felix Holzhäuser.

Der Verein hält sich für gewappnet. Er könne mit Tondokumenten belegen, dass Roger Wittmann den Vorsitzenden der TSG Hoffenheim e.V. Jörg Albrecht als „Wichser“ geschmäht, den Sportdirektor Frank Kramer als „Affe“ bezeichnet und den Vorsitzenden der Geschäftsführung Markus Schütz bedroht habe. Wittmann soll Schütz zugerufen haben, „er freue sich darauf, ihn in der Tiefgarage zu treffen und ihm einen ordentlichen Kick zu verpassen“, zitierte die Richterin aus den Schriftsätzen des Verfahrens.

Von einem Versuch, die Beleidigungen zu bestreiten, sehen Wittmann und seine Verteidiger ab

Manchem Bundesliga-Manager könnten solche Redeweisen bekannt vorkommen. Namentlich bezeugen will es keiner. Wittmann hat seit Jahrzehnten einen gewissen Ruf und Rang im Profigeschäft, auch wenn er aktuell nicht mehr so viele Bundesligaspieler vertritt wie früher. Einige seiner wertvollsten Mandanten spielen in Hoffenheim, die jungen Profis Fisnik Asllani, Tim Lemperle und Umut Tohumcu. Was sie wohl von dem Konflikt halten? Von einem Versuch, die Beleidigungen zu bestreiten, sahen Wittmann und seine Verteidiger am Freitag in Anerkennung der Beweislage ab. Sie boten stattdessen an, durch eine Unterlassungserklärung für kommende Zeiten den Verzicht auf Beleidigungen zu garantieren. Ein Geständnis? Die TSG-Seite interpretierte es so.

Wer Hoffenheim sagt, muss logischerweise auch Hopp sagen. Der Finanzier der TSG, der deutlich mehr als 300 Millionen Euro aufgewendet haben soll, um seinen Jugendklub in die Bundesliga zu befördern, saß zwar nicht im Gerichtssaal. Er fand aber ausdrücklich Erwähnung, weil er in dieser Sache nicht die Vereinsführung unterstützt, sondern den Spieleragenten auf der Gegenseite. Dietmar Hopp, 85, hält Wittmann für einen Freund und für einen ehrlichen Mann. Das Stadionverbot sei „eine Schweinerei“, erregte sich Hopp vorige Woche in einem Interview.

Doch seit er die Mehrheit seiner Gesellschafteranteile an den Verein gegeben hat, um die 50+1-Auflagen der DFL zu erfüllen, hat Hopp nicht mehr das letzte Wort bei der TSG. Wittmanns Anwältin leitete daraus die Behauptung einer Intrige ab: Nun sollten „die Vertrauten und Verbündeten von Herrn Hopp mundtot gemacht werden“, es werde „eine Schmutzkampagne in der Presse inszeniert“, und all dies sei ein „grober Undank“ gegenüber dem Gönner Hopp.

Zugleich wurden im Prozess Muster der Einflussnahme erkennbar, die in früheren Jahren schon Wittmanns expansive Aktivitäten bei der TSG und anderen Klubs kennzeichneten. Beim 1. FC Kaiserslautern waren zu Beginn der Nullerjahre zwischenzeitlich zehn Rogon-Spieler unter Vertrag. Nun führte der TSG-Justiziar Arno Metz aus, das Wort „Wichser“ sei gefallen, nachdem Albrecht als Vertreter des eingetragenen Vereins und somit Mitgesellschafter einen Transfer der Firma Rogon abgelehnt hatte. Das wiederum erinnert an eine Aussage von Christian Heidel, als er 2018 Sportvorstand von Schalke 04 war und im Clinch mit Wittmann lag, der lange Zeit in Gelsenkirchen Geschäfte gemacht hatte. „Wir haben nicht den Trainer und die Spieler verpflichtet, die sich Roger Wittmann vorgestellt hat“, sagte Heidel.

„Ich weiß schon, dass in der Akte nur die Spitze des Eisbergs zum Vorschein kommt“, stellte am Freitag Richterin Ute Schneiderat fest. Üblicherweise verhandelt sie in ihrer Kammer Fälle des Baurechts. Im Fußballgeschäft scheint sie aber schnell dazugelernt zu haben.

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