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Hoffenheim-Profi Amiri:Aus dem Dreck in die Nationalelf

Borussia Moenchengladbach v TSG 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Fleißig, oft mit guten Vorlagen und hin und wieder schießt er selbst ein Tor: Hoffenheims Nadiem Amiri

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Nadiem Amiri kann noch staunen. Jüngst erzählte der Mittelfeldspieler der TSG Hoffenheim, es sei "krass" gewesen, als im Bundesligaspiel Anfang November beim FC Bayern seine Gegenspieler Xabi Alonso, Thiago und Arturo Vidal hießen. Mit Alonso habe er früher immer Playstation gezockt, ein Trikot von Thiago aus einer früheren Begegnung habe einen Ehrenplatz in seiner Sammlung. Aber zu staunen, bedeutet für den 20-Jährigen nicht, aus Ehrfurcht zu erstarren. Mit der TSG trotzte Amiri den Bayern damals ein Unentschieden ab, den Führungstreffer von Kerem Demirbay bereitete er vor.

Wenn an diesem Dienstag der FC Bayern zum Rückspiel in Hoffenheim antritt, wird Nadiem Amiri wieder staunen, wenn er gegen die Weltstars aus München antritt. Aber Amiri will schon auch zeigen, dass er mithalten kann, nach 57 Erstligaeinsätzen ist er ja selbst schon eine kleine Marke. Er hat auch noch viel größere Ziele als nur dieses Spiel: Im Sommer will er mit der deutschen U21-Auswahl in Polen Europameister werden und danach irgendwann A-Nationalspieler. Und mit der TSG Hoffenheim will er die greifbare Qualifikation für die Champions League nicht mehr aus der Hand geben.

Früher kickte Amiri auf Bolzplätzen "aus Stein mit Staub und Dreck"

Hoffenheim gegen Bayern: Das ist das Spitzenspiel des 27. Spieltages, der Dritte empfängt den Tabellenführer. Noch nie spielte die TSG im Europapokal, nun winkt sogar der ganz große Wurf.

Wie man sich in den Klub-Annalen der TSG verewigt, das wissen Trainer Julian Nagelsmann und Nadiem Amiri. Beide holten 2014 erstmals die deutsche A-Jugend-Meisterschaft nach Hoffenheim. Danach wurde zunächst Amiri zu den Profis befördert, vor knapp 14 Monaten folgte dann sein Trainer Nagelsmann. Sieben Profis aus der eigenen Jugend stehen im Kader, Nagelsmann hat viele Spieler selbst ausgebildet. Amiri sagt: "Wir haben ein enges Trainer-Spieler-Verhältnis und ja auch schon einige Erfolge miteinander gefeiert." Manchmal genügt nur ein kleiner Flachs des Trainers beim Gang von der Kabine auf den Trainingsplatz und Amiri weiß, was er zu tun hat.

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Amiri wurde 1996 in Ludwigshafen als Sohn afghanischer Eltern geboren, die einst vor dem Krieg in ihrer Heimat flohen. Sein Cousin Zubayr spielt für den Oberligisten SC Hessen Dreieich und wurde elf Mal in die afghanische Nationalmannschaft berufen. Im Stadtteil Mundenheim kickte Amiri einst mit den Älteren auf einem Bolzplatz "aus Stein mit Staub und Dreck". Dort lernte er sich durchzusetzen, und er eignete sich auch jenen Spielwitz an, der selbst alteingesessene Erstligaprofis in den Wahnsinn treiben kann. Nur manchmal versucht er noch das Schwere, wo das Einfache die bessere Lösung wäre.