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Hoffenheim - Frankfurt (15.30):Genug gelobt

1899 Hoffenheim - Manchester City

Statt sich zu freuen ist er genervt: Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann kann das viele Lob nicht ab.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

TSG-Trainer Julian Nagelsmann reagiert vor der Partie gegen Frankfurt genervt auf die Hymnen seiner Trainerkollegen. Statt schönem Spiel fordert er nun Punkte, doch sein Team hat weiter mit empfindlichen Ausfällen zu kämpfen.

Julian Nagelsmann könnte in diesen Tagen einfach nur stolz sein. Sein berühmter Trainerkollege Pep Guardiola sang nach dem knappen 2:1-Sieg von Manchester City am vergangenen Dienstag in der Champions-League Hymnen auf den "kreativen" Nagelsmann, von dem er an diesem Abend "viel gelernt" habe. Wer nach den Spielen jedoch gelobt wird, hat diese jedoch nicht unbedingt auch gewonnen. Diese Erfahrung machen die TSG Hoffenheim und ihr Trainer in dieser Saison regelmäßig. Nagelsmann ist inzwischen ziemlich genervt von dem vielen Lob und den wenigen Punkten. Vor diesem tatsächlich richtungsweisenden Ligaspiel an diesem Sonntag gegen Eintracht Frankfurt erklärte der 31-Jährige unmissverständlich: "Mir geht es auf die Eier, so ein Spiel wie gegen Manchester nicht zu gewinnen, oder unentschieden zu spielen. Ich kann es einfach nicht haben, mit Lob überschüttet zu werden und nicht zu gewinnen."

An diesem Sonntag sind die Hoffenheimer nun gefordert, die Eintracht zu besiegen, wollen sie den Anschluss an die Spitzengruppe nicht verlieren. Beide Teams haben nicht nur die gleiche Punktzahl nach sechs Spieltagen (7), sondern auch die gleiche Tordifferenz (10:10). Während die TSG zuletzt zweimal 1:2 verlor, gegen Leipzig und Manchester, überzeugten die Hessen jedoch in den vergangenen beiden Partien mit zwei 4:1-Erfolgen gegen Hannover und Lazio Rom in der Europa-League. Die Rückkehr des lange verletzten Kroaten Ante Rebic hievte die ohnehin stark besetzte Offensive noch einmal auf ein neues Niveau. Trainer Adi Hütter beobachtete Hoffenheim gegen Manchester City, vor dem Duell am Sonntag sagt der Österreicher: "Wir müssen schauen, dass wir mit Geschwindigkeit in ihre Defensive kommen, da könnten wir unsere Stärken ausspielen."

Schön spielen und gewinnen, ist der Traum aller Trainer, Nagelsmann hat dies in den letzten beiden Jahren geschafft und die TSG bis in die Champions League geführt. Doch nun stößt sein Team an Grenzen, gegen Manchester fehlten zehn potenzielle Stammspieler, darunter die ersten fünf Kandidaten für maximal drei Innenverteidigerplätze.

"Wir haben nicht die Qualität, Spiele frühzeitig zu entscheiden", sagt Nagelsmann

Wie schon gegen Leipzig standen so auch gegen Manchester die jungen Kevin Akpoguma, 23, Justin Hoogma, 20 und Stefan Posch, 21, in der Startelf. Und Posch war es, der drei Minuten vor dem Abpfiff Manchesters David Silva durch einen Fehler im eigenen Strafraum den Siegtreffer ermöglichte. Nagelsmann nahm den "jungen Kerl" in Schutz, dieser dürfe Fehler machen. Es ist ein Charakterzug von Nagelsmann nie über Ausfälle oder Weggänge in der Öffentlichkeit zu jammern. Er traut sich, immer wieder junge Spieler einzusetzen.

Posch und Akpoguma kamen schon in der vergangenen Saison zu Startelf-Einsätzen und brachten erstaunliche Leistungen. Das war aber vor allem möglich, weil ihnen erfahrene Kräfte wie Kapitän Kevin Vogt oder Benjamin Hübner zur Seite standen. Die fehlen nun wie andere verletzt - nun bekommen Fehler und Schwächen von Posch und Akpoguma entscheidendes Gewicht.

Nagelsmann thematisiert die Abwehrschwäche aber nicht, vielmehr ärgert er sich über die Unfähigkeit seiner Mannschaft, Spiele frühzeitig zu entscheiden. Fast in allen Begegnungen dieser Saison hatten die Hoffenheimer die Möglichkeit dazu: Ob in der Liga in Düsseldorf (0:1), gegen Dortmund (1:1) oder beim Champions-League-Auftakt in Donezk (2:2) - immer wäre viel mehr drin gewesen. "Wir müssen jedes Spiel über uns hinauswachsen, um ansatzweise den Erfolg zu haben, wie in den letzten beiden Jahren. Wir haben nicht die Qualität, Spiele frühzeitig zu entscheiden", sagt Nagelsmann dazu. Der dauernde Kraftakt stresst seine Profis: "Da brechen Spieler irgendwann weg."

Vor dem Spiel gegen die Eintracht machte der Trainer zwar Hoffnung auf die Rückkehr der Außenbahnsprinter Steven Zuber und Nico Schulz, für die verletzten Abwehrspieler komme die Partie aber wohl zu früh, so die offizielle Aussage Nagelsmanns. Havard Nordtveit und Kasim Adams standen zuletzt aber wieder im Training wie Kevin Vogt und Ermin Bicakcic, lediglich der Langzeitverletzte Benjamin Hübner pausiert noch. Wer weiß, vielleicht wird doch der ein oder andere erfahrene Profi zum Einsatz kommen.