bedeckt München 26°

Karriereende des Ex-Schalkers:Höwedes' Abrechnung

Ex-Nationalspieler Höwedes über Moskaus Metro

Will mehr Zeit mit der Familie verbringen: Benedikt Höwedes.

(Foto: dpa)

Die Karriere des Verteidiger wurde von Schalke geprägt. Zum Abschied schickt er kritische Worte an seinen Ex-Klub - die könnten ihm dort aber künftig eine Option eröffnen.

Von Ulrich Hartmann

Die bemerkenswerte Karriere des Fußball-Weltmeisters Benedikt Höwedes hätte mehr verdient, als mit einer Abrechnung mit dem FC Schalke 04 und dem Fußball zu enden. Und doch kommt es letztlich so. In einem Interview mit dem Spiegel erklärte der 32 Jahre alte Westfale aus Haltern soeben das Ende seiner 13 Jahre währenden Profilaufbahn. Er beklagte sich dabei über einen Seelenwandel in der Branche und auf Schalke, dem er vor drei Jahren mit seinem von dort erzwungenen Abschied zum Opfer gefallen war. Seitdem kickte der Abwehrmann noch dreimal für Juventus Turin und 50 Mal für Lokomotive Moskau, doch von nun an spiele er lieber mit seinem einjährigen Söhnchen Bas Antonius. "Im Camping-Urlaub habe ich gemerkt, wie krass es mich erfüllt, meinen Sohn hautnah zu erleben, da wurde Fußball plötzlich so unwichtig", erzählte er. Die Entwicklungen in seiner Karriere und der Branche haben ihn zuletzt wohl auch ein bisschen zermürbt.

Das vielleicht wichtigste Tor seiner Karriere erzielte der als Abwehrspieler gar nicht so torgefährliche Höwedes am Abend des 14. Oktober 2008 in Metz, als er die deutsche U21-Nationalmannschaft in der Nachspielzeit des Qualifikationsspiels in Frankreich zur Europameisterschaft in Schweden beförderte. Ohne diesen Treffer hätte diese U21 im Juni 2009 in Malmö nicht Europameister werden können. Und wer weiß, vielleicht wäre die deutsche Nationalmannschaft ohne diesen Triumph vieler ihrer späteren Helden auch nicht Weltmeister 2014 in Brasilien geworden. Höwedes war als Linksverteidiger der einzige Spieler, der alle sieben WM-Spiele (zwei mit Verlängerung) von der ersten bis zur letzten Minute absolvierte: 690 Minuten, elfeinhalb Stunden. Nach André Schürrle, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Roman Weidenfeller ist Höwedes jetzt der siebte Weltmeister von 2014, der seine Karriere beendet hat.

Höwedes "wollte einen Schlussstrich ziehen"

Es war eine Karriere, die vom FC Schalke 04 geprägt wurde. Mit 13 Jahren war Höwedes 2001 zum Fußballspielen nach Gelsenkirchen gekommen, er durchlief alle Jugendteams und feierte sein Debüt bei den Profis im Oktober 2007 mit 19 Jahren. 240 Mal lief er für die Schalker in der höchsten deutschen Klasse auf, etliche Male als Kapitän. Im Jahr 2011 gewann er mit Schalke den DFB-Pokal.

Es traf ihn dann hart, als er im Sommer 2017 vom damaligen Trainer Domenico Tedesco aussortiert wurde. "Ich habe Schalke verkörpert, mich immer für diesen Klub aufgezehrt", berichtet er dem Spiegel. Trotzdem habe er zuletzt eine Rückkehr erwogen - und dann doch verworfen, er "wollte einen Schlussstrich ziehen". Seine Einstellung zur Branche hatte sich mit den Jahren verändert: "Der Fußball hat sich brutal entwickelt und sich dabei immer weiter von den Fans distanziert", klagt Höwedes generell. Über die jüngsten Entwicklungen bei seinem Herzensverein findet er: "Schalke ist für viele Menschen immer noch ein Lebensinhalt, einen solchen Verein muss man anders führen als einen Retortenklub." Das wirkt wie eine Abrechnung, doch diese kritischen Worte könnten ihm andererseits auch eine künftige Option bei jenem Verein eröffnen, der sich doch genauso wie er nach den besseren Zeiten zurücksehnt. "Ich will dem Sport treu bleiben", sagt der Weltmeister von 2014, "und etwas davon einbringen, wie ich den Sport sehe."

© SZ vom 01.08.2020/tbr
German Chancellor Merkel and German President Gauck pose with the Germany's coach Loew and his players after Germany beat Argentina in the 2014 World Cup final at the Maracana stadium in Rio de Janeiro

Weltmeister von 2014
:Gute Reise!

Schürrle hört auf, Götze ist vereinslos: Es fällt gerade ein trauriger Blick auf die Weltmeister von 2014. Was machen sie heute? Über Herbergsväter, Eisdielenbesitzer und einen Neffen von Richard Gere.

Von Klaus Hoeltzenbein und Christof Kneer

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite