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DOSB-Präsident Hörmann:Denkbar ungeeignet

DOSB-Präsident Alfons Hörmann 2017 bei einer Pressekonferenz

Im Dezember 2013 folgte Alfons Hörmann als DOSB-Präsident auf Thomas Bach.

(Foto: Sebastian Wells/Imago)

Fehleinschätzungen, intern eine schlechte Führung und extern zu viele Gegner in wichtigen Positionen: Die Bilanz von Alfons Hörmann als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes fällt miserabel aus.

Kommentar von Johannes Aumüller

DOSB-Präsident Alfons Hörmann 2017 bei einer Pressekonferenz

Im Dezember 2013 folgte Alfons Hörmann als DOSB-Präsident auf Thomas Bach.

(Foto: Sebastian Wells/Imago)

Es ist inzwischen siebeneinhalb Jahre her, aber es hat tatsächlich mal eine Zeit gegeben, in der Alfons Hörmann im deutschen Sport für eine Art Aufbruchstimmung stand. Im Dezember 2013 übernahm er das Präsidentenamt im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), er war Nachfolger des neuen Oberolympiers Thomas Bach. Geradezu sehnsüchtig hoffte das von Hörmann später in unerträglicher Weise beschworene "Sportdeutschland" darauf, dass nach den quälenden und von persönlichen Karriereinteressen geprägten Jahren des Stillstands unter seinem Vorgänger endlich mal etwas vorwärts gehen würde.

Es hat damals allerdings nicht lange gedauert, bis klar wurde: Alfons Hörmann ist als DOSB-Präsident denkbar ungeeignet - und je länger er im Amt war, umso mehr manifestierte sich das. Hörmann hat den obersten deutschen Sportverband quasi niedergewirtschaftet. Durch falsche Einschätzungen und Positionierungen in diversen inhaltlichen Fragen, und auch mindestens genauso durch persönliches Fehl- und unsägliches Führungsverhalten.

In einem offenen Brief beklagten DOSB-Mitarbeiter zuletzt anonym eine "Kultur der Angst"

Zahlreiche Beispiele dafür gab es in den vergangenen Jahren, aber noch nie hat sich das auf so bedrückende Art gezeigt wie in diesen Tagen. Seit der vergangenen Woche kursiert ein offener Brief, in dem anonym, aber im Namen von DOSB-Mitarbeitern zahlreiche Vorwürfe gegen Hörmann formuliert werden. Von einer "Kultur der Angst" ist die Rede, und viele Schilderungen passen in ein Bild, das schon in den vergangenen Monaten zu betrachten war. Hessens Landessportbund-Chef Rolf Müller ist beileibe nicht der Einzige in der Sportwelt, den "diese Klage nicht verwundert".

Natürlich braucht es eine ordentliche und vor allem unabhängige Prüfung dieser Vorwürfe, wobei sich noch erweisen muss, ob die hauseigene DOSB-Ethikkommission um den Bundestagsabgeordneten und Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière dafür das geeignete Gremium ist. Aber allein die Reaktion der deutschen Sportführung in den vergangenen Tagen war bezeichnend - und fast schon eine Bestätigung für den Vorwurf der Unkultur.

So fabrizierten Präsidium und Vorstand Stellungnahmen, die auf etwaige betroffene Mitarbeiter in manchen Passagen wie eine Verhöhnung wirken müssen. Auch suggerierte der DOSB, dass das komplette Präsidium für eine Pro-Hörmann-Resolution gewesen sei, indem unter dem Text die Namen aller Präsidialen standen; doch später stellte der Athletenvertreter Jonathan Koch klar, dass er sich bei der Abstimmung enthalten habe, weil er mit Teilen des Wordings nicht einverstanden gewesen sei. Dass der umstrittene Eisschnelllauf-Chef Matthias Große, der schon länger als Hörmann-Buddy auftritt, in einem irren Beitrag zu dem offenen Brief von "Denunzianten" und "feigen Heckenschützen" spricht, verurteilt der DOSB nicht. Zugleich fürchten Mitarbeiter, dass intern nun mit viel Druck nach den Verfassern und/oder Sympathisanten des Schreibens gefahndet wird.

Es ist sehr zu begrüßen, dass sich in der jetzigen Situation einige Sportfunktionäre klar und auch öffentlich von Hörmann abwenden. Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass viele Vertreter des organisierten Sports dem Agieren des DOSB-Präsidenten lange zugeschaut haben, ohne dass eingegriffen wurde. Dabei gab es genügend Anlässe und Gelegenheiten, nicht nur bei der Mitgliederversammlung vor zweieinhalb Jahren, als der Triathlon-Boss Martin Engelhardt in einem Akt der Verzweiflung und einem bis dahin nie gesehenen Schritt im deutschen Sport eine Kampfkandidatur erklärte. Damals entschied sich der Sport dafür, lieber Hörmann zu folgen als der Hörmann-Kritik.

Hörmann hat sich viele Gegner gemacht

Aber nun sind dessen Aussichten erheblich schlechter geworden. Dabei ist, so bitter das klingt, womöglich nicht einmal das nun monierte Verhalten der entscheidende Grund; der organisierte Sport hat es bekanntlich schon oft geschafft, über Verfehlungen seiner Frontleute einfach hinwegzusehen. Doch machtpolitisch hat sich für Hörmann einiges geändert.

Rund um das De-facto-Aus für die Olympia-Bewerbung von Rhein und Ruhr für 2032 und durch öffentliche Attacken gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat er es sich mit einflussreichen Akteuren der internationalen Sportwelt verscherzt; gleiches gilt für Nordrhein-Westfalen. Diverse Spitzensportverbände, die sich 2018 auch hinter Triathlon-Mann Engelhardt stellten, sind traditionell gegen ihn. Nun schließen sich manche Landessportbünde an - allen voran, aber längst nicht nur der nordrhein-westfälische und damit der mitgliederstärkste. Im Bundesinnenministerium und auch im restlichen politischen Berlin hat sich Hörmann durch seine Art über die Jahre viele Gegner gemacht. Wie soll so jemand noch sportpolitisch wirken können?

Anfang Dezember 2022 endet die laufende Legislaturperiode. Spätestens Anfang Dezember 2022 bekommt der DOSB einen neuen Präsidenten.

© SZ/sjo
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