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FC Bayern in der Champions League:Hoeneß poltert mit ganzer Kraft

  • Das 3:0 des FC Bayern in der Champions League gegen Belgrad ist schnell vergessen - stattdessen äußern sich die Bayern-Bosse entschieden zur Debatte um die Torhüter Neuer und ter Stegen.
  • Uli Hoeneß zieht verwunderliche Vergleiche in der medialen Darstellung und meint, ter Stegen habe "überhaupt keinen Anspruch zu spielen".
  • Hoeneß und auch Rummenigge finden zudem, der DFB positioniere sich nicht stark genug.

Vor genau 20 Tagen sagte Uli Hoeneß bei der Ankündigung seines baldigen Rückzugs, man müsse keine Angst haben, dass er ein golfspielender Rentner am Tegernsee werde, man werde schon noch von ihm hören und was soll man sagen: Der Mann hält sein Wort. Am Mittwochabend kam Uli Hoeneß in die Interview-Zone des FC Bayern, er geht da nach fast jedem Spiel durch, meistens wünscht er den Reportern nur einen "schönen Abend" und am Tonfall seiner Stimme kann man dann erahnen, wie er gelaunt ist.

Diesmal war es anders. Hoeneß erschien nach dem Auftaktsieg seines Teams in der Champions League, baute sich mit der ganzen Gravität eines Bayern-Präsidenten auf und sendete seine Botschaft an Marc-André ter Stegen, den DFB, Joachim Löw und an die Presse.

Champions League Lerneffekte beim FC Bayern
3:0 gegen Roter Stern Belgrad

Lerneffekte beim FC Bayern

Im ersten Champions-League-Spiel gegen Belgrad stellt Trainer Niko Kovac kompromisslos auf. Seine Spieler zeigen variantenreichen Fußball - verlieren phasenweise aber auch die Kontrolle.   Aus dem Stadion von Benedikt Warmbrunn

Ob er es fair finde, wie Marc-André ter Stegen mit Manuel Neuer umgehe, wurde Hoeneß gefragt. "Ich finde das einen Witz", legte Hoeneß los. "Die westdeutsche Presse unterstützt den Marc ter Stegen extrem, wie wenn der schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen hätte. Und von der süddeutschen Presse kommt keine Unterstützung." Und wieder Richtung ter Stegen: "Ich finde es unmöglich, dass man so ein Thema in die Öffentlichkeit bringt. Er hat überhaupt keinen Anspruch dort zu spielen." Mit "dort" meinte er das Tor der Nationalmannschaft. "Bei Torhütern muss die Hierarchie klar sein. Wenn Manuel Neuer die Form hat, gibt es gar keine Diskussion, dass nur er die Nummer eins sein kann."

FC Bayern gegen DFB - Uli Hoeneß ist nicht zu bremsen

Einmal in Fahrt war er natürlich nicht mehr zu bremsen. "Ich hätte mir vom DFB auch mehr Unterstützung erwartet. Wir kriegen ständig vom DFB Theater, zuerst die unmögliche Ausbootung der drei Spieler (Boateng, Müller und Hummels; Anm. d. Red.) und jetzt wieder mit Manuel Neuer." Hoeneß sagte: "Dass ein Mitspieler mit einem Thema an die Öffentlichkeit geht, das er nur mit Joachim Löw zu besprechen hat - das ist nicht in Ordnung." Er schloss ab: "Wir werden es uns in Zukunft nicht mehr gefallen lassen, dass unsere Spieler beschädigt werden. Wir werden den Leuten schon mal bissl Feuer geben. Das können wir." Sprachs und wünschte einen "schönen Abend".

Es war ein Mia-san-Mia-Auftritt aus der alten Zeit, ein klassischer Hoeneß. Wer sich mit einem Mitglied der Bayern-Familie anlegt, so seine Doktrin, der bekommt es auch mit dem Patron zu tun und der ist nicht zimperlich. Und wenn der das Gefühl hat, sich schimpfend und polternd vor seinen Spieler zu stellen, fallen beim Hobeln auch mal ein paar Ungenauigkeiten als Späne runter.

FC Bayern in der Einzelkritik

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Dass er so quasi nebenher fordert, dass die regionale Presse regionale Fußballspieler unterstützen sollte - passiert im Eifer des Gefechts. Dass er selbst auch Jérôme Boateng ausgebootet hatte - offenbar vergessen. Dass Joachim Löw ter Stegen in diesem Jahr genau eine Halbzeit lang im Testkick gegen Serbien ins Tor stellte und sonst immer Manuel Neuer spielte und auch bei der WM Neuer nach einjähriger Verletzungspause eine Einsatzgarantie bekam - Details.

Aber spätestens nach diesem Auftritt war klar, dass das Torwart-Duell Neuer/ter Stegen, das zunächst von den beiden Akteuren erst auf dem Platz, dann an den Mikrofonen und dann auf dem Platz und an den Mikrofonen geführt wurde, jetzt auch auf der großen administrativen Ebene angekommen ist. Kurze Chronologie: Neuer spielte in der Nationalelf gut gegen die Niederlande und Nordirland. Daraufhin sagte ter Stegen, dass die Situation in der Nationalelf ein "Schlag" für ihn sei. Daraufhin spielte Neuer super gegen Leipzig und sagte, dass ter Stegens Aussagen "nicht hilfreich" seien. Daraufhin sagte ter Stegen, dass er Neuers Aussagen "unpassend" finde und hielt super für Barcelona gegen Dortmund.