Hoeneß-Prozess:Gelöste Stimmung nur im Stadion

Lesezeit: 3 min

Immerhin: Hoeneß hat die Tage im Gerichtssaal nun hinter sich, vorerst zumindest. Bis zu einer möglichen Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof könnten Monate vergehen. Still und teilnahmslos hat Hoeneß von der Anklagebank aus das bisherige Geschehen verfolgt. Der ehemalige Stürmer war in die Defensive geraten. Diesmal bestimmten andere die Spielregeln. Sogar sein Verteidiger herrschte ihn am ersten Prozesstag an, als Hoeneß sich in Widersprüche verstrickte. "Herr Hoeneß, erzählen Sie uns doch nichts vom Pferd!" Die meiste Zeit schwieg der oft polternde Fußball-Funktionär. Als der Richter am Donnerstag ihm das letzte Wort erteilte, sagte er: "Ich habe nichts hinzuzufügen."

Gelöst wirkte Hoeneß in dieser Woche nur einmal. Da saß er allerdings nicht auf der Anklagebank, sondern auf der Ehrentribüne der Fröttmaninger Arena: Sein FC Bayern spielte im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Arsenal - und kam weiter. Das Bild von Hoeneß, wie er, wenige Stunden nachdem er das Gerichtsgebäude verlassen hatte, aufsprang und die Arme nach oben riss, druckten fast alle Zeitungen.

"Da weiß jeder, was Uli Hoeneß geleistet hat"

Es war kein normaler Fall, der in den vergangenen vier Tagen in Saal 134 verhandelt wurde. Das Zuschauerinteresse war enorm, Medienvertreter belagerten den Justizpalast. Die Fallhöhe war hoch. Richter Rupert Heindlsagte am ersten Prozesstag zu dem prominenten Angeklagten: "Sie haben einen Bruder, wie wir allseits wissen."

Der Staatsanwalt erwähnte in seinem Plädoyer ausdrücklich Hoeneß' Leistungen im sportlichen und sozialen Bereich. Verteidiger Hanns Feigen wollte in seinem Schlusswort erst auf das Lebenswerk seines Mandaten nicht genauer eingehen, sprach dann aber doch minutenlang vom ehemaligen Nationalspieler, der "Gutes und sehr Gutes für den FC Bayern getan" habe, er erwähnte seine Wurstfabrik und die 50 Millionen Euro an Steuern, die er in seinem Leben gezahlt habe. Feigen fuhr fort: "Ich will jetzt gar nicht von Gerd Müller sprechen, da weiß jeder, was Uli Hoeneß geleistet hat."

Doch der Bayern-Präsident leistete sich vor allem eines: Er hinterzog Summen, die unglaublich sind. Dass er nun - falls der Bundesgerichtshof die Revision zulässt und das erstinstanzliche Urteil bestätigt - ins Gefängnis muss, klingt für seine Fans genauso unglaublich.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB