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Neue Klub-WM:Hoeneß billigt Infantinos schmierige Praxis

FC Bayern - Präsident Uli Hoeneß

Uli Hoeneß ist nun plötzlich für die Klub-WM.

Der Chefjurist unterzeichnet ein Protestschreiben im Namen des FC Bayern - doch kurz darauf jubelt Präsident Uli Hoeneß über die neue Klub-WM. Offenbar war die Solidarität mit den Gegnern nur Heuchelei.

Genau ein Jahr ist es her, dass Gianni Infantino versuchte, seinem Fifa-Vorstand zwei neue Turnierformate unterzujubeln - ohne Details über die Investoren zu verraten, die dafür angeblich Milliarden lockermachen wollen, und ohne ein Wort zu verlieren über diverse Nebenabreden des Deals. Seit einem Jahr wehrt sich gegen diese Art unseriöser Geschäftspraktik vor allem: Europa. Ein Jahr lang ging kein europäischer Fußball-Vertreter den immer neuen Finten des Fifa-Chefs auf den Leim, ein Jahr lang scherte - zumindest öffentlich - keiner aus. Ein Jahr lang hielt die Front.

Dann kam Uli Hoeneß.

Eine neue, auf 24 Teams erweiterte Klub-WM? "Finde ich super!", jubelte Hoeneß am Sonntag. Der Confed Cup, den Infantino für das Turnier opfert, sei doch eh "für die Katz" gewesen. Wenn nun stattdessen ab 2021 eine Klub-WM mit "tollen Mannschaften" komme, findet Hoeneß, sei das doch "wunderbar".

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Man hatte ja eigentlich erwartet, dass Infantino nach dem Beschluss für die Klub-WM vom Freitag wenigstens ein paar Monate benötigen würde, um Europas Top-Klubs mit Geldversprechen auf seine Seite zu locken. Bei den Bayern hat es keine 48 Stunden gedauert.

Nun wäre es nicht das erste Mal, dass Hoeneß sein Geschwätz von gestern nicht mehr interessiert. Dass ihm aber auch jene Unterschrift wurscht ist, die Bayerns Chefjurist Michael Gerlinger erst vor Tagen unter ein Papier der Klubvereinigung ECA gesetzt hat, um die Klub-WM zu verhindern - das hat noch mal eine andere Qualität. Keiner der 232 von der ECA vertretenen Klubs werde "an so einem Turnier teilnehmen", schrieb Gerlinger. Nun kann es Hoeneß nicht schnell genug gehen. Da stellt sich die Frage nach der Motivation. Ein Sinneswandel über Nacht? Wohl kaum. Eher dürfte es so sein, dass die Bayern in der Sache von Anfang an ein doppeltes Spiel spielen. Solidarität simulieren, Einigkeit heucheln - das Business-Modell aber längst in der Tasche haben. Wie übrigens auch Florentino Perez von Real Madrid. Der schwenkte sofort nach der Abstimmung um.

Dass die Bayern in so einem Poker mehrgleisig planen, ist ja verständlich: Schlecht wäre, wenn am Ende alle mitmachen, während nur man selbst sich noch auf irgendwelche Prinzipien beruft. Doch Hoeneß' Sofortbegeisterung ist auch deshalb entlarvend, weil die ECA ihr Nein ja nicht nur mit Terminbedenken begründet hatte. Explizit gerügt wurde Infantinos Vorgehen: sein Geheimhalten aller wirtschaftlichen Details, sein Einsetzen einer Schein-Taskforce, das "beunruhigende" Fehlen von Transparenz.

Diese schmierige Geschäftspraxis billigt Hoeneß jetzt implizit mit. Wo die Millionen herkommen, ist den Bayern halt weitgehend wurscht - ob wie einst aus geheimen Kirch-Verträgen, von Sponsoren aus Katar oder jetzt aus Infantinos Hinterzimmer-Deals. Hauptsache, sie fließen.

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