Süddeutsche Zeitung

Führung des FC Bayern:Ewig auf der Warmhalteplatte

Der Konflikt mit seinem früheren Partner Paul Breitner sagt einiges über Uli Hoeneß aus. Aber längst nicht so viel wie seine Sätze über die mögliche Zukunft mit Oliver Kahn.

Nun hat also auch Rudi Völler etwas zum Thema Hoeneß/Breitner gesagt, das schlohweiße Gewissen der Bundesliga, der Elder Statesman aus Leverkusen. Von der Bild am Sonntag zum Zerwürfnis der beiden 1974er-Weltmeister befragt, hob Völler zunächst seine "Wertschätzung für Breitners Leistungen als Spieler" hervor - schlug sich dann aber auf die Seite von Hoeneß: Gemessen daran, "wie viele Leute" Breitner über die Jahre schon "verletzt" habe, könne er Hoeneß verstehen, wenn der "den Paul nicht als moralische Instanz akzeptiert".

Da hatte Völler wie so oft recht, übersah aber, wie ebenfalls oft, auch etwas.

Die Posse um Breitners Verbannung von der Münchner Ehrentribüne erzählt ja nicht nur viel über Breitner und seine Rolle als ewiger Heckenschütze im Bayern-Kosmos. Sie erzählt halt auch viel über Hoeneß. Darüber, dass der Bayern-Präsident die Arena offenbar als sein Refugium begreift, in dem für Störenfriede kein Platz ist. Und auch darüber, welche Halbwertszeit Hoeneß' Versprechen haben. Am Freitag hatte Hoeneß verkündet, zum Thema nichts mehr zu sagen. Zwei Tage später sprach er auf einem Fantreffen wieder ausführlich darüber ("Paul Breitner ist nicht Opfer, sondern Täter").

Auch Kahn gehört gerade nicht zur Generation 2006

Auch Klaus Allofs hat am Wochenende sein Sätzchen zur Causa beigetragen. Allofs riet Hoeneß, er solle "eine gewisse Toleranz zeigen" und "milder sein". Allofs saß dabei in einem Sky-Studio, und wahrscheinlich haben sich manche Zuschauer gedacht, dass sie diesen Allofs nun schon eine Weile nicht mehr gesehen haben.

Rudi Völler, Weltmeister von 1990, ist jetzt 58, Klaus Allofs, Europameister von 1980, ist 61. Beide gehörten über Jahrzehnte zum Inventar der Bundesliga, als Vertreter jener Manager-Generation, die jeweils auch den Anspruch hatte, das Gesicht ihres Vereins zu sein. Allofs musste 2016 in Wolfsburg aufhören, nach zuvor 13 Jahren in Bremen. Völler wiederum ist in Leverkusen gerade formal aufgestiegen, schiebt aber eine Etage tiefer schon die nächste Manager-Generation in die Verantwortung: Simon Rolfes, 36, ist jetzt Sportdirektor. Ähnlich agiert Hans-Joachim Watzke, 59, in Dortmund: Dort ist Sebastian Kehl, 38, nun Leiter der Lizenzspielerabteilung. Und beim VfB Stuttgart könnte Thomas Hitzlsperger, 36, bald eine wichtigere Funktion übernehmen.

Rolfes, Kehl, Hitzlsperger: In der Liga rückt gerade die Generation "WM 2006" in den Hierarchien auf. Jene Generation, zu der man auch Oliver Kahn, 49, gerade noch dazuzählen darf.

Über Kahn haben am Freitag bei der Bayern-Versammlung Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß geredet - wenigstens ein kleines bisschen. Klar, sagten sie, beschäftige man sich mit so einem Namen. Aber in erster Linie wünschte sich Hoeneß, dass der Vorstandschef Rummenigge, 63, über 2019 hinaus weitermacht, und Rummenigge wünschte sich, dass Hoeneß, 66, weiter an Bord bleibt. Und Kahn? Der komme "dann infrage, wenn Karl-Heinz aufhören sollte", sagte Hoeneß, und schob allen Ernstes hinterher: "Bis dahin werden wir uns in Ruhe gedulden und ihn warmhalten."

Überall modernisieren und verjüngen sich die Bundesligisten. Aber bei den Bayern soll Oliver Kahn jetzt ein paar Jährchen auf der Warmhalteplatte vor sich hin köcheln? Das erzählt viel mehr über diesen Klub und seinen Präsidenten als die Tribünen-Fehde mit Paul Breitner, 67.

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SZ vom 03.12.2018/jbe
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