Diskussion um WM-Ausrichter:Hoeneß verteidigt Katar

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Diskussion um WM-Ausrichter: Uli Hoeneß, hier im September 2021 bei einer Messe in Köln, argumentiert, dass sich die Situation in Katar für die Arbeiter verbessert habe.

Uli Hoeneß, hier im September 2021 bei einer Messe in Köln, argumentiert, dass sich die Situation in Katar für die Arbeiter verbessert habe.

(Foto: Christoph Hardt/Future/Imago)

Der Ehrenpräsident des FC Bayern liefert sich in einer Talksendung einen Schlagabtausch mit dem Katar-Kritiker Andreas Rettig und sagt: "Den Arbeitern in Katar geht es durch die WM besser und nicht schlechter."

Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat sich am Sonntag einen verbalen Schlagabtausch mit dem Katar-Kritiker und ehemaligen DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig in der Sendung "Doppelpass" beim Sender Sport1 geliefert. Der 70-Jährige, langjähriger Manager des FC Bayern, ergriff dabei Partei für den umstrittenen WM-Gastgeber Katar, der aufgrund von Korruptionsvorwürfen, Homophobie und Menschenrechtsverletzungen stark in der Kritik steht.

Hoeneß hatte sich am Sonntag telefonisch zu Wort gemeldet, nachdem Rettig kritische Anmerkungen zum Emirat am Persischen Golf im Fußballtalk gemacht hatte. Er bezeichnete Rettig als "König der Scheinheiligen" und fragte Rettig: "Ob er im Winter nicht mehr so warm duscht, oder ob er sich über das Gas, das wir demnächst aus Katar beziehen, schon mal Gedanken gemacht hat." Hoeneß argumentiert, dass die WM-Gastgeberrolle und die daraus resultierenden Diskussionen über Katar etwas an der Situation vor Ort ändern: "Durch die WM und das Engagement des FC Bayern in der Golfregion werden die Arbeitsbedingungen besser werden und nicht schlechter. Das einzige Land in der Region, wo es wirklich besser wird, weil diese Diskussionen stattfinden, ist Katar." Er forderte den ehemaligen Bundesliga-Manager auf, "das ewige Sticheln" in Richtung Katar zu unterlassen. "Den Arbeitern in Katar geht es durch die WM besser und nicht schlechter", sagte Hoeneß.

Hoeneß könnte sich bei dieser Aussage unter anderem auf die Abschaffung des sogenannten Kafala-Systems beziehen, das eine weitreichende Abhängigkeit zwischen ausländischen Arbeitnehmern und inländischen Arbeitgebern schafft. 2020 wurde das System in Katar außer Kraft gesetzt. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Reform nicht weit genug gehe und teilweise umgangen wird. Auf den Baustellen für die WM-Infrastruktur sind seit der WM-Vergabe 2010 sehr wahrscheinlich Tausende Arbeiter ums Leben gekommen, laut Recherchen der britischen Zeitung Guardian 6500.

Schlagabtausch zwischen Hoeneß und Rettig

Die Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz nach Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar begrüßte Hoeneß ausdrücklich: "Nur wenn Herr Scholz da hinfährt oder die Nationalmannschaften da hinfahren, wird es besser." Man müsse bedenken, dass 83 Prozent der Länder auf der Welt die Menschenrechte nicht so behandeln würden, wie es in Deutschland der Fall sei. Wenn man dort nichts mehr kaufe und nicht mehr zusammenarbeite, "können wir den Laden zusperren". In Richtung Rettig sagte Hoeneß: "Solche Leute, die so katastrophal argumentieren, sollten sich das überlegen."

Rettig konterte: "Es überrascht mich nicht, dass sie als 'Botschafter' von Katar so argumentieren." Hoeneß und der FC Bayern seien mit dem Herrscherhaus in Katar verbunden und "seit Jahren pro domo". Es wundere ihn nicht, dass die Bemühung der Katarer in Bezug auf "Sportwashing bei ihnen verfängt", so Rettig in Richtung Hoeneß.

Die Bayern haben seit Jahren eine bei den Fans höchst umstrittene Sponsor-Partnerschaft mit der Fluglinie des Emirats. Er könne nur hoffen, dass sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf "durchsetzt mit dem Fonds für Todesopfer auf den Baustellen". Richtung Hoeneß sagte Rettig: "Ich würde ihnen raten, dass sie ihre Quellen, die sie anzapfen, etwas breiter aufstellen." Hoeneß entgegnete seinerseits und bemängelte, dass Rettig noch nie in Katar gewesen sei: "Es wäre gut, wenn sie nach Katar fahren und sich die Dinge vor Ort anschauen." Darauf Rettig: "Franz Beckenbauer hat ja vor Ort auch keine Sklaven gesehen." Die Hoeneß-Replik ("Ich gehe davon aus, dass sie etwas intensiver suchen würden") beantwortete der 59-Jährige lapidar: "Davon können sie ausgehen."

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