Hoeneß beim FC Bayern:Ribéry verteidigt Hoeneß

Als dieser Thomas Müller nach der Debatte um seinen verschossenen Strafstoß auf das Schicksal seines Präsidenten angesprochen wurde, beendete er wortlos das Gespräch. Manuel Neuer behauptete, er habe überhaupt nichts gelesen und hoffe einfach, dass alles gut ausgehe. Trainer Pep Guardiola erklärte: "Das sind Dinge, die seine Sache sind und über die wir jetzt nicht reden." Andere stellten sich der unangenehmen Materie.

Kapitän Philipp Lahm sagte, dass der Prozess um den Präsidenten "in der Mannschaft auch ein Thema sei". Kollege Franck Ribéry gab gar eine kleine Erklärung ab: "Uli Hoeneß ist eine große Person, nicht nur für die Mannschaft, sondern für den ganzen Klub. Ich glaube, der FC Bayern braucht Uli Hoeneß jeden Tag. Wir sind mit ihm!"

Der Franzose ist ein emotionaler Mensch und er hat Uli Hoeneß einiges zu verdanken. Wenn der frühere Trainer Louis van Gaal den eigenwilligen Ribéry zu hart anfasste, konnte dieser dem Präsidenten immer gerne sein Leid klagen. Am Ende der Geschichte musste van Gaal gehen. Und als Ribéry erheblichen Ärger wegen einer Affäre mit einer minderjährigen Prostituierten hatte, schützte ihn Hoeneß so gut es ging. Und jetzt warf sich der Spieler seinerseits mit allem, was er hat, für seinen Mentor in den Kampf.

So in etwa funktionierte das Bayern-System bisher: Uli Hoeneß half und verteidigte zur Not alle Mitglieder der Klub-Familie gegen die Unbill der feindlichen Welt. Jetzt steht dem Präsidenten der Dreck bis zum Hals und es folgen die Solidaritätsbekundungen seiner Clanmitglieder.

Allein die Zuschauer im Stadion hielten sich zurück. Hatten die Fans ihren Uli Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung des Klubs im November noch gefeiert und als "besten Mann" besungen, blieb das Publikum am Dienstagabend ruhig. Ein einsames, kleines Uli-Plakat hob jemand auf der Südtribüne hoch, sonst wurde der Anwesende erfolgreich ignoriert. Keine Sprechchöre, nichts. Ausdruck einer ersten Entfremdung zwischen Volk und Präsident?

Mikrofonen und Kameras ging Hoeneß aus dem Weg. Er verließ das Stadion nicht wie gewohnt durch den Medienausgang, sondern nahm den VIP-Ausgang. Dort wartete ein Reporter der Bild-Zeitung, der ihn sogleich nach seinem Befinden fragte. Hoeneß antwortete demnach: "Es geht mir gut." Er soll dabei durchaus beschwingt gewirkt haben.

© Süddeutsche.de/hum/ebc/leja
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