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Uli Hoeneß:"Von mir gibt es dazu kein Wort"

  • Uli Hoeneß tritt offenbar nicht mehr als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern an.
  • Einen Bericht der Bild-Zeitung kommentieren die Bayern nicht. Hoeneß sagte der SZ: "Von mir gibt es dazu kein Wort."
  • Zusammen mit dem angekündigten Abschied von Karl-Heinz Rummenigge würde sich die Führung des Klubs grundlegend ändern.

Vielleicht begann das Ende von Uli Hoeneß beim FC Bayern mit einem kleinen Satz, gesprochen auf halbem Weg zum Ausgang. Hoeneß stand damals im November 2018 auf dem Parkett der Basketball-Halle seines Klubs, die Abteilung ist ja so was wie sein zweites Herzensprojekt. In dieser Halle fand die Mitgliederversammlung des FC Bayern statt, normalerweise sind diese Stunden Uli-Hoeneß-Festspiele. Die Bayern-Familie versammelt sich, der Patron spricht und am Ende stehen alle zusammen gegen die Feinde der Welt, außerdem gibt es Freibier. So war das immer und als der Patron aus dem Gefängnis kam, da stand die Familie noch enger zusammen.

Aber an diesem Tag war das anders, Uli Hoeneß und der FC Bayern, das schienen plötzlich zwei verschiedene Gebilde zu sein. Es gab Kritik, an Hoeneß' Umgang mit dem Ex-Spieler Juan Bernat, an der mittlerweile berühmten Grundgesetz-Pressekonferenz, am Sponsor Qatar Airways. Als Hoeneß auf diese Kritik nicht eingehen wollte, da wurde er ausgebuht. Von seinem Verein. Auf dem Podium sagte er schon: "Heute Abend gibt es Ansätze, wie ich mir den FC Bayern nicht vorstelle." Und als er auf dem Weg zum Ausgang gefragt wurde, wie er das finde, da sagte Hoeneß: "Das trifft mich sehr." Und nach einer kurzen Pause schob er noch mal hinterher. "Sehr".

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Uli Hoeneß

Weltmeister, Anpacker, Steuerhinterzieher

Erst war Uli Hoeneß ein begnadeter Fußballer, später wurde er zum Gesicht des FC Bayern, war im Gefängnis, kam wieder - und hört im Herbst nun wohl auf. Seine Karriere in Bildern.

Uli Hoeneß wird sich diesen Mitgliedern offenbar nicht mehr zur Wahl stellen. Am späten Dienstagabend verkündete die Bild-Zeitung, dass Uli Hoeneß im November nicht mehr als Präsident des FC Bayern kandidieren möchte. Der SZ sagte Hoeneß auf die Frage, ob er den Bericht bestätigen oder dementieren wolle: "Von mir gibt es dazu kein Wort." Er werde sich am 29. August bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsbeirates erklären. Der Verwaltungsbeirat wählt die vom Verein zu bestimmenden Aufsichtsratsmitglieder und schlägt den Präsidenten vor, Vorsitzender ist der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Bayern-Mediendirektor Stefan Mennerich wollte in Kansas bei der US-Reise ebenfalls nichts sagen, auch Karl-Heinz Rummenigge verweigerte jeden Kommentar.

Die Mitglieder des FC Bayern hätten Hoeneß übrigens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wiedergewählt, zu groß ist die Anerkennung seiner Lebensleistung. Aber mit welchen Zwischentönen, das wäre die spannende Frage gewesen, die nun nie beantwortet wird. Hoeneß, der als Präsident des Vereins auch Aufsichtsratsvorsitzender der AG war, wird dem Bericht zufolge beide Posten ablegen, und Herbert Hainer, ehemaliger Adidas-Chef, soll sie, wenn es nach Hoeneß geht, übernehmen. Dass der Verwaltungsbeirat den 65-Jährigen wählen würde, gilt als sicher - schon im Jahr 2014 hatte er den Posten von März bis September inne. Adidas hält wie Allianz und Audi 8,33 Prozent an der FC Bayern Aktiengesellschaft - und Hainer war immer einer der stärksten Fürsprecher von Hoeneß. Auch während und nach seinem Steuerprozess. Den Bayern-Mitgliedern hat sich Hainer noch nie gestellt.

Das Verhältnis zu Karl-Heinz Rummenigge

Neben Hoeneß hat ja auch Karl-Heinz Rummenigge seinen Abschied bereits verkündet. Ende 2021 plant er als Vorstandsvorsitzender abzutreten, bereits zum 1. Januar 2020 wird Oliver Kahn als designierter Nachfolger beim FC Bayern anfangen und sich einarbeiten, wie es heißt. Als die Kahn-Personalie verhandelt wurde, saß Herbert Hainer übrigens mit am Tisch. Seit 1991 arbeiteten Rummenigge und Hoeneß in verschiedenen Posten beim FC Bayern. Sollte der Wechsel zu Kahn/Hainer vollzogen werden, würde eine fast 30-jährige Ära enden, es wären die größten Machtverschiebungen in der Geschichte des Klubs.

Das Verhältnis von Hoeneß und Rummenigge war vor allem in jüngster Vergangenheit nicht störungsfrei. Sportdirektoren-Suche, Trainer-Findung, die Differenzen waren teilweise so öffentlich, dass Hoeneß 2017 verkündete, die "Nacht von Paris", als der FC Bayern 0:3 in der Champions League gegen Paris Saint-Germain verlor und Trainer Carlo Ancelotti entließ, habe ihn und Rummenigge "wieder zusammengebracht" und dass fortan kein Blatt Papier mehr zwischen beide passe. Das Versprechen erfüllte sich nicht. Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich zum Beispiel fortwährend kritisch zu Trainer Niko Kovac, den Hoeneß wiederum massiv verteidigt.

Während der Rückrunde setzte sich Hoeneß in die Sport1-Talksendung "Doppelpass" und verkündete hinsichtlich möglicher Bayern-Transfers: "Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben." So langsam stellte sich aber heraus, dass der FC Bayern recht wenig "sicher" hatte, schon gar keinen Flügelspieler, den man nach den Abgängen von Arjen Robben und Franck Ribéry so dringend bräuchte. Als Hoeneß auch noch zugab, dass man sich mit dem Spieler Leroy Sané "beschäftige", reagierte Rummenigge bei einer Pressekonferenz und meinte. "Wir hatten ein Gespräch. Ich glaube, es ist gut, wenn wir in Zukunft etwas weniger in der Öffentlichkeit über Transferaktivitäten sprechen." Das klang belehrend.

Die letzten öffentlichen Aussagen von Hoeneß zu seiner Zukunftplanung stammen aus dem März. Im Vereinsmagazin sagte er: "Ich habe mal gesagt: 'Das war's noch nicht!' Aber der Tag ist nicht mehr fern, an dem ich sage: 'Das war's!' Und zwar, weil ich a) loslassen kann und b) der Zeitpunkt bald passen wird." Er wiederholte auch dort noch mal, dass ihn die Reaktionen auf der Mitgliederversammlung beschäftigen würden und das eine Rolle bei seiner Entscheidung spiele. Er habe übrigens keine Probleme, loszulassen. Auch seine Wurstfabrik habe er schließlich an seinen Sohn Florian übergeben.

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