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Bundesliga-Debüt vor 50 Jahren:"Hoeneß hatte tempomäßig seine Schwierigkeiten"

VfB Stuttgart FC Bayern München Uli Hoeneß mi Bayern; Hoeneß

Sein erstes Liga-Spiel für die Bayern: Hoeneß am 15. August 1970

(Foto: imago/WEREK)

Vor 50 Jahren spielte Uli Hoeneß erstmals in der Bundesliga für den FC Bayern. Er prägte den Verein wie kein anderer - doch sein Debüt verbockte er.

Von Lisa Sonnabend

Als Uli Hoeneß, der später zum großen Lenker des FC Bayern aufsteigen sollte, am 15. August 1970 das erste Mal für die Münchner auflief, verbockte er es gewaltig. In der Süddeutschen Zeitung stand über sein Bundesliga-Debüt vor 50 Jahren: "Figürlich ein Jung-Siegfried", habe der 18-Jährige "tempomäßig seine Schwierigkeiten gehabt". Nur 1:1 spielten die Bayern am ersten Spieltag der Saison 1970/1971 gegen den VfB Stuttgart, die erste Partie von Uli Hoeneß für die Münchner ist nur deswegen in Erinnerung geblieben, weil das Publikum fast durchgehend pfiff - und weil danach ja so viel mehr kam.

Einige Monate zuvor im Winter hatte Robert Schwan, der Technische Direktor des FC Bayern, Uli Hoeneß und seinen Eltern zuhause am Eselberg in Ulm besucht. Es war bereits klar, dass Udo Lattek das Traineramt beim FC Bayern übernehmen würde, und der schätzte den jungen Schwaben aus seiner Zeit bei der Jugendnationalmannschaft. Bayern zahlte 40 000 D-Mark an die TSG Ulm 1846 und Hoeneß zog nach München. Da er an den Olympischen Spielen 1972 teilnehmen und studieren wollte, bestand das umtriebige Offensivtalent auf einen Amateurvertrag; nebenbei jobbte er in der Geschäftsstelle des Klubs.

Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier reagierten zunächst skeptisch auf den jungen Hoeneß. Doch schon bald wurde der fleißige und ehrgeizige Ulmer Stammspieler. Er lief die 100 Meter in 11,0 Sekunden und galt als einer der schnellsten Stürmer der Welt. Mit Müller harmonierte er auf dem Platz bald hervorragend, ihre Torgefahr war berüchtigt. Beckenbauer schwärmte inzwischen von ihm. Die Bayern wurden Vizemeister, gewannen das DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Köln. Auf der Ehrenrunde im Neckarstadion in Stuttgart gingen Hoeneß und Müller vorneweg, den großen Pokal auf dem Arm.

Der FC Bayern München gewinnt den DFB Pokal Karl Heinz Mrosko mit dem Pokal re daneben Uli Hoene; Hoeneß

Hoeneß feiert mit Karl-Heinz Mrosko (links, mit dem Pokal) und Gerd Müller (rechts) den Pokalsieg.

(Foto: imago/WEREK)

Hoeneß legte los, den FC Bayern zu prägen. Von 1972 bis 1974 gewann er mit dem Klub dreimal die deutsche Meisterschaft, 1974 siegten die Münchner im Europapokal der Landesmeister, weil Hoeneß im Widerholungsspiel gegen Atlético Madrid glänzte und zwei Treffer erzielte. 1975 und 1976 triumphierten sie erneut. Es war die erfolgreichste Zeit des FC Bayern.

Mit der Nationalmannschaft holte Hoeneß den EM-Titel in Belgien, die internationale Presse schwärmte von "the blond giant", 1974 wurde er Weltmeister im Münchner Olympiastadion. Den Titel bei der EM 1976 verpasste das deutsche Team nur, weil Hoeneß im Elfmeterschießen den Ball in den Nachthimmel von Belgrad donnerte.

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