Hockey-Team der MännerEinmal kurz den Weltranglisten-Ersten demoralisiert

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Du kommst hier nicht vorbei: Deutschlands Strafeckenverteidiger Teo Hinrichs (links) stürzt sich dem Schuss des Belgiers Alexander Hendrickx entgegen.
Du kommst hier nicht vorbei: Deutschlands Strafeckenverteidiger Teo Hinrichs (links) stürzt sich dem Schuss des Belgiers Alexander Hendrickx entgegen.
Dirk Waem/dpa

Die deutschen Hockey-Männer starten mit zwei Siegen in die WM. Das 1:0 gegen Gastgeber und Topfavorit Belgien zeigt, wie viel in der Mannschaft steckt.

Von Ulrich Hartmann

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Genussfreudigen Touristen im Großraum Brüssel verklären normalerweise Spezialitäten wie Waffeln und Pralinen die Blicke. Noch süßer aber schmeckt den deutschen Hockeymännern der 1:0-Sieg im südöstlich gelegenen Wavre gegen den Gastgeber der Weltmeisterschaft. „Es gibt Spiele, die wie ein Schlüssel das ganze Potenzial freilegen“, schwelgte der begeisterte Bundestrainer André Henning bei Magenta-TV, eigentlich primär über seinen 22 Jahre jungen WM-Debütanten und Siegtorschützen Jakob Brilla. Aber ein wenig hat er damit die gesamte Mannschaft gemeint.

Deutschland ist bei der WM zwar Titelverteidiger, nach einem generationsbedingten personellen Umbruch nun aber mit dem drittjüngsten Kader im 16er-Feld am Start. Trotzdem sicherte sich das Team bereits im zweiten Turnierspiel souverän den Einzug in die Zwischenrunde.

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Erstmals 1998 wollen die deutschen Hockeyspielerinnen wieder eine WM-Medaille gewinnen. Nach der 2:3-Niederlage gegen Argentinien gerät der Einzug ins Halbfinale aber in Gefahr.

Von Ulrich Hartmann

Nach einem 5:1-Sieg zum Auftakt gegen Malaysia ging es im zweiten Spiel der Vierergruppe qualitätsprüfend und wegweisend gegen den Weltranglisten-Ersten und frischen Pro-League-Sieger Belgien, dem man vor 10 000 extrovertierten Zuschauern in Wavre eigentlich höflich die Favoritenrolle zuerkannt hatte. Doch dann zeigte die junge deutsche Mannschaft eine derart souveräne Leistung, dass ihr neuer Kapitän Tom Grambusch sich schon nach diesem zweiten WM-Spiel zu der Aussage verleiten ließ: „Wir waren taktisch hervorragend eingestellt, die Defensive war der Schlüssel – und über die gewinnt man übrigens auch Titel.“

Gegen Belgien spielten alle auf Topniveau

Denn die deutschen Hockeymänner haben eine Serie zu verteidigen. Es wäre im vierten Jahr nacheinander die vierte Teilnahme an einem Endspiel: 2023 Weltmeister, 2024 Olympia-Finalist, 2025 Europameister – und nun wieder WM-Finalist? Das Belgien-Spiel gab solche Indizien durchaus her. Alle spielten auf Topniveau. Torwart Jean-Paul Danneberg zog die belgischen Schüsse mit seinem Schonerhandschuh geradezu magisch an, der vorderste Strafeckenverteidiger Teo Hinrichs lief fast schneller aus dem eigenen Tor als die Belgier den Ball an den Kreis spielen konnten.

Und der bereits erwähnte Jakob Brilla erzielte in seinem zweiten WM-Spiel sein zweites Strafeckentor mit einer Schussgeschwindigkeit, dass die belgischen Abwehrspieler nur ein feines Zischen in der Luft gehört haben dürften. „Ich habe noch nie vor so unfassbar vielen Leuten gespielt“, sagte Brilla, der zur nächsten Bundesliga-Saison vom TSV Mannheim zu Rot-Weiss Köln wechselt: „Es macht ultra Spaß, hier mit den Jungs zu spielen.“ Und genau so will es der Bundestrainer Henning haben.

Die deutschen Spieler bejubeln den Treffer von Jakob Brilla.
Die deutschen Spieler bejubeln den Treffer von Jakob Brilla.
Dirk Waem/dpa

Genuss, Willen und Leidenschaft predigt der 42-Jährige vor jeder Partie. Seine Spieler setzen das bei den großen Turnieren derart zuverlässig um, dass man sich wundert, warum der amtierende Welt- und Europameister bei den vergangenen fünf Pro-League-Turnieren nie über Platz vier hinausgekommen ist. Dieses Jahr wurde das Team gar nur Sechster und rangiert dadurch in der Weltrangliste nur noch auf Platz fünf. „Einerseits haben wir in den Turnieren overperformed“, sagt Henning, „andererseits wird die Pro League unglaublich hoch gewertet.“

Weil in der Pro League neun Nationen im Modus „Jeder gegen jeden“ spielen und dort folglich über sieben Monate hinweg 16 Spiele absolviert werden müssen, sieht Henning darin einen deutschen Nachteil gegenüber jenen Nationen, die ihre Nationalteams latent zum gemeinsamen Training beisammen haben. „Wir sind die einzige Nation, die nicht zentral trainiert, unser Setup ist eher wie bei den Fußballern“, sagt Henning. Vor den großen Turnieren könne man dies noch „einigermaßen“ kompensieren, „aber eine Top-Performance wie am Tag X kann an 16 Pro-League-Spieltagen nicht gelingen.“

Montagabend in Wavre war so ein Tag X. Deshalb hat der Weltranglisten-Fünfte den Weltranglisten-Ersten vor dessen Heimpublikum demoralisiert. Der Einzug in die nächste Vierergruppe, dann Zwischenrunde, ist gesichert, das letzte Vorrundenspiel ist am Mittwoch gegen Frankreich (17 Uhr, Magenta-TV) angesetzt. Das deutsche Team nimmt ziemlich sicher die drei Punkte aus dem Belgien-Spiel mit in die Zwischenrunde, in der ziemlich sicher der Weltranglisten-Vierte Australien und der Weltrangliste-Sechste Spanien die nächsten deutschen Gruppengegner sein werden.

Ein weiterer Sieg könnte dann bereits zum Einzug ins Halbfinale genügen. Die (sportliche) Völlerei der deutschen Hockeymänner kann weitergehen.

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