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Hockey:Schlechte Karten

31 03 2019 Feldhockey Hockey Saison 2018 2019 1 Bundesliga Herren Männer Nürnberger HTC H; Justus Weigand - Hockey Nürnberg

Gejagt von der ganzen Bundesliga: Der erfolgreichste Torschütze der Nürnberger Hockey-Männer Justus Weigand (im roten Trikot).

(Foto: Sportfoto Zink/imago)

Der Nürnberger HTC schafft den Verbleib in der ersten Bundesliga. Ob er seine Talente halten kann, bleibt jedoch weiterhin die große Frage

Am letzten Doppelspieltag der Bundesliga-Saison haben die Hockey-Männer des Nürnberger HTC in Berlin eine ziemlich aussagekräftige Zusammenfassung ihrer Feld-Runde geliefert. Beim Berliner HC verloren sie mit 1:2, beim Absteiger Blau-Weiss Berlin sicherten sie sich trotz anfänglicher Abschlussschwäche mit 4:1 ein Spiel vor dem Saisonende den Klassenverbleib. Als Neunte der Zwölfer-Liga rangieren sie dort, wo Trainer Norbert Wolff sie derzeit auch leistungsmäßig verortet: Sie bleiben trotz ihrer finanziellen und regionalen Außenseiterrolle in der nord-west-lastigen Liga ohne großes Zittern erstklassig, allerdings auch unverändert weit von den Top-Mannschaften entfernt.

Den Anschluss an die Top-Teams hat der NHTC erneut verpasst

"Unterm Strich bin ich damit zufrieden", sagt Wolff. Was den nächsten Schritt angehe, trete seine Mannschaft indes ein wenig auf der Stelle. "Beim Versuch, nicht nur nach hinten zu schauen, sondern mal richtig einen von oben anzugreifen, sind wir leider noch kein Stück weitergekommen", bilanziert er. Dabei war der Abstand in den direkten Duellen selten groß, oft entschieden wenige individuelle Fehler. Das klingt nach keinem grundsätzlichen Problem und genau dieser Umstand macht die Behebung schwierig. Kollektive Fehler ließen sich mit einstudierten Mustern abstellen, sagt Wolff, "was man aber schlecht verhindern kann, ist, wenn einzelne Leute eigentlich überdurchschnittlich gut spielen, aber in einer bestimmten Situation eine falsche Idee im Kopf haben, aus der dann ein Gegentor resultiert".

Immerhin hat das Team Wolffs existenzielle Befürchtungen, der Erstliga-Standort Nürnberg könne womöglich ein Auslaufmodell sein, auch in dieser Saison unaufgeregt widerlegt. Obwohl aus der goldenen Generation um die Olympiasieger Max Müller und Christopher Wesley einzig Wesley übrig ist, blieb der große Leistungseinbruch aus. Wesley wird maximal noch ein oder zwei Bundesliga-Jahre dranhängen. Entscheidender für die Zukunft dieser Mannschaft wird es also sein, seine Nachfolger im Klub zu halten.

Nürnbergs erfolgreichster Torschütze Justus Weigand etwa, der auch am vergangenen Wochenende in beiden Spielen traf, werde "von der ganzen Bundesliga gejagt", wie Wolff sagt. Ob der NHTC ihn und möglichst viele der anderen Studienanfänger im Team halten kann, entscheidet sich in einem Wettbewerb, in dem Nürnberg aus Wolffs Sicht doppelt schlechte Karten hat. "Die Uni ist gut und ich erlebe die ganze Region als sehr lebenswert, aber wenn es junge Leute nach Süden zieht, dann gehen sie nach München", sagt der Trainer. "Dass wir beim Werben um Spieler vielen Angriffen von außen ausgesetzt sind, aber selber zu wenig Möglichkeiten haben, Leute herzuholen", gefährde den Bundesligastandort Nürnberg. Bislang ist es gelungen, aus dem eigenen Nachwuchs ein Team zusammenzustellen, das in der Liga einen guten Ruf genießt und sich - spätestens seit eine Reduktion der Liga auf zehn oder gar acht Mannschaften vom Tisch ist - keine allzu großen Sorgen machen muss.

Ab der kommenden Saison greift eine neue Reform des Spielmodus. Sie soll ermöglichen, die Ligen in gleicher Teilnehmerstärke beibehalten zu können und trotzdem Spiele einzusparen. Dem NHTC kommt sie nicht unbedingt entgegen, glaubt Wolff. Für den Sport sei die Variante mit einer vollständigen Hinrunde und einer halben Rückrunde in zwei Staffeln mit anschließenden Playoffs jedoch ein Gewinn, "weil es weniger Spiele gibt, in denen es nur um die goldene Ananas geht".

Die Saison wird dadurch kürzer. In den sonst wegen des vollgestopften Länderspielkalenders intensiven Schönwetter-Monaten findet somit kein Erstliga-Hockey mehr statt. Das macht es vielen einfacher. Wolff und den NHTC hatte das aber ohnehin kaum gestört: Der Klub muss keine Nationalspieler abstellen, die Mannschaft hat länger frei, was in einem Amateursport, für den im Süden Deutschlands nach wie vor keine nennenswerte Aufwandsentschädigung gezahlt wird, nicht von Nachteil sein muss. Die Phase, "ab der man keinen Bock mehr hat", bleibe auf diese Weise aus. Für die Sponsorensuche und die Nationalspieler sei die erneute Erhöhung der Belastung bei gleichzeitig weniger Präsenz in Ligaspielen dagegen "eine Katastrophe". Mit wenig finanzieller Zuwendung auskommen zu müssen ist allerdings ein Zustand, bei dem der NHTC zur Abwechslung einen Vorteil hat: Er ist daran gewöhnt.

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