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Hockey:Ohne Konsequenzen

25.01.2020 - Hallenhockey - Hockey - Saison 2019 2020 1. Bundesliga Herren Männer - Nürnberger HTC NHTC Nürnberg - Münch; Nürnberger HTC Hockey Münchner SC Halle

Bereit fürs nächste bayerische Hallenduell: Nürnbergs Christopher Wesley schirmt den Ball vor dem Münchner Nicolas Kühne ab.

(Foto: Sportfoto Zink/imago images/)

Die bayerischen Hockey-Erstligisten wollen nach einer Regeländerung in die Hallen-Bundesliga starten.

Von Katrin Freiburghaus

Angesichts bundesweit steigender Corona-Infektionszahlen wirkte es ein wenig aus der Zeit gefallen, als der Deutsche Hockey-Bund (DHB) in der vergangenen Woche "ein Ja für die Hallen-Bundesliga" verkündete. Das sahen einige bayerische Hockey-Klubs genauso; darunter der Münchner Sportclub, der sich anfangs gegen die Indoor-Runde im Winter ausgesprochen hatte. !Wenn man Frauen und Männer zusammennimmt, sind vier Bundesländer in der Süd-Staffel", sagt MSC-Trainer André Schriever. Aktuell bedeutet das nicht nur, dass ausgefallene Spiele wegen der weiten Anfahrtswege nicht unter der Woche nachgeholt werden könnten, sondern das bedeutet auch vier unterschiedliche Auslegungen von Hygiene- und Schutzrichtlinien - meist mit der strengsten Variante in Bayern.

Der Trainer der Münchner Erstliga-Frauen kritisierte die fehlende Chancengleichheit und war damit nicht allein. Im Süden, sagt er, hätten viele Vorbehalte gegen eine Hallen-Saison gehabt, obwohl sie bei den Teams sehr beliebt ist. Der DHB besserte deshalb nach: Die Teilnahme an der Hallen-Saison ist nun freiwillig. Um das zu gewährleisten, wird es keine Absteiger geben. Unter diesen veränderten Bedingungen meldete der MSC sowohl Frauen als auch Männer, die in der Halle beide erstklassig spielen. "Wenn es keine Konsequenzen hat, machen wir mit", sagt Schriever, "denn so passiert uns nichts, selbst wenn wir ohne Training spielen müssen."

Obwohl es Richard Barlow vom Nürnberger HTC für "eher unrealistisch" hält, dass die Runde von Ende November bis Ende Januar überhaupt gespielt wird, tritt auch seine Mannschaft an. "Wir spielen ja grundsätzlich alle gerne Hockey", sagt der Coach über den Entschluss. Der Umstand, dass die Ergebnisse des Teams, das man an den Start schicke, keine sportlichen Folgen für den Klub hätten, mache die Liga fair - obwohl der Hallen-Kader bei vielen Teams nicht der stärkstmögliche sein wird. "Wir haben Spielerinnen, die wegen Corona nicht spielen wollen, weil ihnen das Risiko drinnen zu hoch ist", sagt Schriever. Das betreffe in der Hauptsache bereits Berufstätige und Spielerinnen, "die im Zuge ihrer Ausbildung viele physische Kontakte haben".

Barlow kennt diese Situation bereits aus der aktuell laufenden Feld-Runde ganz gut. Dem NHTC fehlen momentan acht Spieler aus der ersten Elf - lediglich die Hälfte davon ist verletzt. "Die anderen spielen wegen Corona nicht", sagt Barlow. Die Nürnberger haben Ärzte im Kader, für die eine Teilnahme am Liga-Betrieb aktuell nicht mit ihrem Beruf vereinbar ist. "Die Jungen versuchen alles, um sie zu ersetzen", sagt der Trainer Barlow, "aber man sieht unseren Ergebnissen den Unterschied an."

Der NHTC ist Vorletzter und hat von acht Partien seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs lediglich eine gewonnen. Besonders ärgert Barlow ein Remis aus dem September beim Großflottbeker THGC. Damals kollidierten nach zwei positiven Corona-Fällen im NHTC-Kader verschiedene Richtlinien. Weil der DHB einer Spielverschiebung nicht zustimmte, hatte Barlow seinen Spielern die Teilnahme an der Partie schließlich freigestellt. Dass sein Team jetzt trotzdem in der Halle spielen will, wo die Infektionsrisiken sogar höher sind, sei kein Widerspruch. Ohne Absteiger handle es sich "um eine komplett andere Situation". Denn wo Punktabzüge keine Bedrohung darstellen, tritt auch niemand mit Gewissensbissen an - sondern lässt es im Zweifel lieber bleiben. Als unfair betrachte er im Feld nicht die ungleichen Voraussetzungen, betont Barlow, sondern "dass es die Abstiegsregelung aus der Halle dort nicht gibt".

© SZ vom 22.10.2020
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