Hockey:Nur die Ruhe

Feldhockey, 1. BL, Rot-Weiß Köln - Nürnberger HTC  RW Köln - Nürnberger HTC Hockey Bundesliga Herren 2021 2022 Olympiawe

Schwieriger Start: Gegen Kölns Fabio Seitz (re.) kam Nürnbergs Leif Bechhold noch zu spät. Immerhin durften die Franken nun ihren ersten Sieg bejubeln.

(Foto: Eduard Bopp/imago)

Nürnbergs Hockeymännern gelingt nach drei herben Niederlagen zum Erstliga-Saisonauftakt der erste Sieg. Der schwierige Start hängt auch damit zusammen, dass der Klub kaum externe Verstärkungen bekommt. Auch deshalb möchte er künftig noch mehr auf die eigene Jugend setzen.

Von Katrin Freiburghaus

Selbsterfüllende Prophezeiungen sind ein spannendes Forschungsgebiet: Jemand läuft an einem Freitag den 13. gegen einen Fahnenmast. Es lag am Unglückstag, behaupten die einen - es lag daran, dass der Mensch an den vermeintlichen Unglückstag dachte, statt an den Fahnenmast, die anderen. Zweifelsfrei zu klären ist die Ursache nicht, das ist aber auch gar nicht immer nötig, findet Frederic Wolff - zumindest, wenn man es auf den Heim-Nimbus der Hockey-Männer vom Nürnberger HTC überträgt. "Es ist für die Gegner unangenehm, hier zu spielen, auch wenn ich nicht genau weiß, wieso", sagt der Kapitän der Erstliga-Mannschaft, "die meisten Teams fahren schon mit wenig Bock hierher, vielleicht macht das ein paar Prozent aus." Ihm sei das recht, "so lange es funktioniert".

Am vergangenen Sonntag funktionierte es beim 2:1-Erfolg gegen Aufsteiger Frankfurt, nach drei deutlichen Auswärts-Niederlagen war das allerdings auch bitter nötig. Nach den Partien in Köln und Hamburg hatte die Tabelle 1:25 Tore für den NHTC ausgewiesen. An dieser Bilanz änderte der erste Saisonerfolg zwar wenig, in der Gesamttabelle verließen die Franken jedoch den letzten Platz und zogen in ihrer Staffel mit dem UHC Hamburg und Düsseldorf nach Punkten gleich. "Ziel war es natürlich, die ersten Ergebnisse weniger deutlich zu gestalten", sagt Wolff, "aber wichtiger als knappe Niederlagen ist, dass man irgendwann den Turnaround schafft."

Es gebe eine Reihe spielerischer Baustellen, die auch gegen Frankfurt sichtbar wurden: Nürnberg war oft weit in der gegnerischen Hälfte, tat sich mit dem letzten Ball in den Schusskreis jedoch schwer, während Frankfurt zu oft zu viel Platz hatte, um seine Angriffe abzuschließen. Das hatte defensiv wie offensiv direkten Einfluss auf die Eckenbilanz, die bereits in der vergangenen Saison problematisch war. Auch gegen Frankfurt brachte Maximilian Jordan erst die letzte von vier Ecken im Tor unter - die allerdings anderthalb Minuten vor Schluss zum 2:1-Endstand. Das zwischenzeitliche 1:0 hatte Fritz Bernet per Siebenmeter erzielt (53.).

Ein Unentschieden, drei Niederlagen: Auch der Saisonstart des Frauen-Erstligisten Münchner SC verlief gar nicht nach Wunsch

Jordan hatte den NHTC bereits im letzten Spiel der vergangenen Saison erlöst, als er in den Playdowns gegen den Crefelder HTC den entscheidenden Penalty verwandelt hatte. Auch solche Momente tragen in Nürnberg dazu bei, das Profil des Außenseiters, der aus wenig Mitteln maximale Motivation schöpft, zu schärfen. Im Sommer fand auf struktureller Ebene eine Verjüngung statt, die ebenfalls der Konzentration auf die eigenen Ressourcen Rechnung trägt: Die Abteilungsleitung teilen sich seitdem die ehemalige Hockey-National- und aktuelle Zweitliga-Spielerin Nina Hasselmann und Wolff. "Wir bekommen kaum externe Verstärkung, deshalb muss in den Jugendteams was passieren, und da haben die jungen Leute einen ganz anderen Zugang", begründet die bisherige Abteilungsleiterin Claudia Mahdi den Wechsel.

Über zu wenig Zugänge aus der eigenen Jugend konnten sich die Erstliga-Frauen des Münchner Sportclubs zuletzt nicht beklagen, doch auch ihr Saisonstart verlief nicht nach Wunsch. Einem respektablen 0:0 zum Auftakt beim UHC Hamburg folgten drei Niederlagen. "Wir kommen oft in den gegnerischen Kreis, erzielen dort aber zu wenig Wirkung", sagt Trainer Jan Henseler, betont aber, "dass wir uns in einem Prozess befinden, den man nicht beschleunigen kann - da braucht man Geduld." Seine Zuversicht speist sich aus der Überzeugung, "dass wir jeden Fehler einmal machen müssen, um ihn abzustellen - ihn aber auch wirklich nur einmal machen". Da es nur ein bestimmtes Kontingent an Fehlern gebe, werde es auf diese Weise zwangsläufig "von Woche zu Woche besser".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB