Hockey:Furore in der Komfortzone

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Hockey: "Es wäre schon schön, wenn der Trainer diesmal etwas länger bliebe", findet MSC-Spielerin Jule Bleuel.

"Es wäre schon schön, wenn der Trainer diesmal etwas länger bliebe", findet MSC-Spielerin Jule Bleuel.

(Foto: Oliver Zimmermann/Foto2press/Imago)

Der Münchner Sportclub startet mit Vorfreude und einem ungewöhnlichen Trainer-Modell in die Erstligasaison bei Männern und Frauen.

Von Katrin Freiburghaus

Hinter den Hockey-Teams des Münchner Sportclubs liegt ein turbulenter Sommer. Während zahlreiche Spieler und Spielerinnen mit den Junioren-Nationalteams Medaillen sammelten, bereitete die neu formierte Abteilungsleitung die Erstliga-Rückkehr der Männer vor - und musste nach dem überraschenden Abschied von Jan Henseler im Frühjahr parallel auch noch den Trainerposten bei den Bundesliga-Frauen neu besetzen.

Herausgekommen ist dabei ein eher ungewöhnliches Model. Der 29-jährige Jakob Cyrus vom Regionalligisten Wiesbadener THC hat das Amt übernommen und die komplette Vorbereitung mit dem Team bestritten. Allerdings ist mit seinem bisherigen Klub Wiesbaden eine Übergangsregelung abgesprochen, die es logistisch in sich hat: Cyrus wird erst im November komplett nach München wechseln. Bis dahin coacht er die MSC-Frauen zwar an den Spieltagen, kommt aber gleichzeitig weiter seinen Aufgaben in Wiesbaden nach. Das MSC-Training leitet in enger Absprache mit Cyrus interimsmäßig ein intern zusammengestelltes Trainer-Team, zu dem auch Männer-Trainer Patrick Fritsche gehört. "Das ist ungewöhnlich, weil wir uns vorher nicht kannten, aber wir haben es sehr schnell geschafft, eine Arbeitsebene miteinander zu finden, und bisher ist es ein Match", sagte Fritsche.

Auch Olaf Mackensen, der als neuer Hockey-Vorstand künftig für die Abteilung verantwortlich zeichnet, ist mit der Personalie hoch zufrieden und nennt Cyrus den "idealen Kandidaten". Der Trainermarkt sei "wahnsinnig eng", sagte er, "wenn wir also eine Zwischenlösung in Kauf nehmen müssen, dafür aber den richtigen Mann kriegen, stemmen wir das gemeinsam". Cyrus' bisherige Laufbahn als kombinierter Erwachsenen- und Nachwuchstrainer mit Erfahrung in den Juniorinnen-Teams des Deutschen Hockey-Bundes passt gut ins Konzept der Münchner, das auf eine stärkere Verzahnung von Bundesliga und Nachwuchs setzt. Cyrus betonte seinen Wunsch nach einer langfristigen Zusammenarbeit; er freue sich darauf, eine "junge, ehrgeizige Mannschaft entwickeln zu dürfen".

"Es entsteht auf Klubebene gerade etwas, das viel Lust auf mehr macht", findet Trainer Fritsche

Das käme auch seinem neuen Team entgegen. "Es wäre schon schön, wenn der Trainer diesmal etwas länger bliebe", sagte Jule Bleuel, die gemeinsam mit Chiara Vischer und Joana Boehringer U21-Europameisterin wurde. Für das Team sei die aktuelle Situation zwar ungewöhnlich, "aber wir sind aus der vergangenen Saison gut eingespielt, und vom System her hat er viel übernommen", sagte sie. Obwohl sich also bislang ein reibungsarmer Übergang abzeichnet, hofft auch Fritsche auf mehr Kontinuität. Es entstehe "auf Klubebene gerade etwas, das viel Lust auf mehr macht". Großen Anteil an der Intensivierung der ohnehin engen Verbindung zwischen den beiden Bundesliga-Teams dürfte der Wiederaufstieg der Männer haben. Anders als die Frauen, die nach zwei durchwachsenen Erstliga-Hinrunden diesmal gerne möglichst früh nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hätten, will Fritsche bei den Männern bewusst keinen Druck erzeugen.

Sein Team war mit unbeschwertem Angriffshockey aufgestiegen und habe sich darauf verständigt, daran nichts zu ändern. Obwohl der MSC die jüngste Mannschaft stellt und ohne internationale Leistungsträger antritt, werde sich das Team nicht vor dem eigenen Tor einmauern. "Im Gegenteil", sagte Fritsche, "wir haben uns vorgenommen, das Visier direkt nach oben zu klappen." Er räumte ein, dass es "ein Ansatz sein kann, die Komfortzone zu verlassen", man könne aber "auch ganz bewusst drin bleiben, weil man sich da wohl fühlt und genau damit sehr erfolgreich war".

In der Vorbereitung hätten die Tests gegen Liga-Konkurrenten gezeigt, "dass wir so weit nicht weg sind". Der anfängliche Respekt des Teams wich während der Vorbereitung großer Vorfreude. "Wir wollen in dieser Liga schnell ankommen und einfach für Furore sorgen", sagte Fritsche. Losgehen soll es damit am Samstag beim Mitaufsteiger Crefeld. Die Frauen starten beim Harvestehuder THC in Hamburg.

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