Hockey:Lieder zum Geburtstag

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Hockey: Zwei Generationen auf dem Feld: Münchens Nikolai Duda wird bald zarte 42 Jahre alt - und spielt gerade mit U21-Nationalspielern um den Klassenverbleib in der ersten Hallen-Bundesliga.

Zwei Generationen auf dem Feld: Münchens Nikolai Duda wird bald zarte 42 Jahre alt - und spielt gerade mit U21-Nationalspielern um den Klassenverbleib in der ersten Hallen-Bundesliga.

(Foto: Oliver Zimmermann/foto2press/imago)

Die Hockey-Männer aus Nürnberg und München tauschen im Abstiegskampf vor dem letzten Spieltag der Hallen-Bundesliga die Plätze.

Von Katrin Freiburghaus

Dass Nikolai Duda in der Kabine noch mal mitbekam, was die Jungen heutzutage für Musik hören, sei doch eine schöne Sache, sagt Patrick Fritsche. Das fasst die aktuelle Situation von Fritsches Hockey-Männern im Grunde recht gut zusammen: Beim Münchner Sportclub stehen in der Halle momentan zwei Generationen auf dem Feld - mit Gewinn für beide. Nikolai Duda wird nächstens zarte 42 Jahre alt. Er spielte am vergangenen Wochenende gemeinsam mit zwei U21-Nationalspielern um den Klassenverbleib in der ersten Hallen-Bundesliga, die längst nicht die Jüngsten im MSC-Kader waren.

Dass die Münchner das Ruder auf der Zielgeraden der Saison offenbar doch noch rechtzeitig herumgerissen bekommen, liegt nicht daran, dass Defensivspezialist und Hockey-Ruheständler Duda beim 7:1 (2:0) im Abstiegsderby beim Nürnberger HTC der große Matchwinner gewesen wäre, sondern an der Stabilität, die seine temporäre Reaktivierung sowie die von Torhüter Felix Reuss und Angreifer Moritz Rünzi in die Mannschaft gebracht hat. Erst am neunten von zehn Spieltagen gelang dem MSC am vergangenen Sonntag der erste Sieg. Der zweite soll am kommenden Wochenende gegen den Tabellennachbarn Frankenthal den Verbleib in der Liga besiegeln. "Wir haben es selbst in der Hand, und in meinem Kopf gibt es derzeit ehrlich gesagt kein anderes Szenario, als dass wir es schaffen", sagt Trainer Fritsche. Wenn das gelänge, "hätten wir in einer turbulenten Saison alle eine Menge gelernt".

"Mit Saisonbeginn war es plötzlich, als wäre ein Stöckchen ins Uhrwerk geraten", sagt MSC-Trainer Fritsche

Dass es seine Mannschaft überhaupt derart spannend machen würde, hatte auch er nicht erwartet. Derzeit liegt der MSC mit vier Punkten einen Zähler vor dem neuen Letzten Nürnberg und zwei hinter Frankenthal. "Die Vorbereitung lief richtig gut", sagt Fritsche, "aber mit Saisonbeginn war es plötzlich, als wäre ein Stöckchen ins Uhrwerk geraten." Eines, das sich nicht finden ließ. Kaum Hallenerfahrung und ein extrem niedriges Durchschnittsalter führten dazu, dass die Gegner in entscheidenden Momenten cleverer spielten und der MSC zwar gut mithielt, am Ende aber mit leeren Händen dastand. Mit jedem Tag auf dem letzten Tabellen- und einzigen Abstiegsplatz der Sechser-Staffel schwanden das Selbstvertrauen und - schlimmer noch - die Leichtigkeit, die das Team in der zweiten Feld-Bundesliga auf Aufstiegskurs halten.

Vielleicht, mutmaßt Fritsche, sei in der Halle der fehlende Mix aus jugendlicher Unbekümmertheit und Spielern, "die schon alles erlebt haben", der entscheidende Faktor gewesen. Am vergangenen Sonntag hielt Reuss sein Team ein durchwachsenes erstes Viertel lang im Spiel, "bis wir unsere Bleiweste weggespielt hatten", wie Fritsche sagt. "Die drei Erfahrenen geben dem System Halt und Struktur", fügt er hinzu, "sie haben den Jungen nicht nur gesagt, sondern ihnen auf dem Feld auch signalisiert: Wir nehmen euch den Rucksack ab, spielt einfach Hockey."

Während der MSC seinem letzten Nachholspiel nun eher mit Vorfreude entgegensieht, geht der Blick bei der Konkurrenz aus Nürnberg nach unten. Der NHTC hat ebenfalls noch eine Begegnung mit Frankenthal offen, müsste sie im Fall eines Münchner Erfolgs aber sehr hoch gewinnen, um dann noch an den Pfälzern vorbeizuziehen. Und auch bei einer MSC-Niederlage müsste er zumindest drei Punkte holen. Kapitän Frederic Wolff hört sich derartige Rechenmodelle geduldig an, sie begeistern ihn jedoch mäßig. "Theoretisch ist das alles schon noch möglich, aber realistisch betrachtet ist es unwahrscheinlich, dass man das noch mal in unsere Richtung drehen kann."

Wolff will das keinesfalls falsch verstanden wissen. "Wenn Frankenthal in München was holt, werden wir da sein und alles probieren", sagt er. Allein: Er glaube nicht daran. Zumal erschwerend hinzu kommt, dass das Team zuletzt keinen Aufwärtstrend verzeichnete, sondern lediglich am ersten Spieltag beim MSC punktete und sich dabei selbst überraschte. Anders als Fritsche, der für den Fall eines Abstiegs davon spricht, "das dann eben zu reparieren", gehen Wolffs Überlegungen in eine ganz andere Richtung. "Man muss dann aufpassen, ob für die Jüngsten nicht selbst die zweite Liga in der Halle noch zu früh kommt", sagt er.

Es spricht momentan also viel für einen glücklicheren Saisonabschluss der Münchner. Womöglich lernt Duda vor seiner erneuten Rückkehr in den Ruhestand noch ein paar weitere Lieder. Ob die sich als Geburtstagslied eignen, wollte übrigens niemand verraten.

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